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Champions League: Fette Beats statt Blues

Vor Wochen stürzte der Mourinho-Abgang den FC Chelsea in eine Krise. Von der ist mittlerweile nichts mehr zu spüren. Rechtzeitig vor dem Königsklassen-Duell mit dem FC Schalke (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) haben die "Blues" zurück zu alter Stärke gefunden. Auch Club-Mäzen Roman Abramovich pflegt einen neuen Stil.

Von Klaus Bellstedt

Ungünstiger hätte die Ansetzung des Champions-League-Matches zwischen Chelsea und Schalke für Königsblau nicht terminiert werden können. Es scheint so, als habe sich bei den "Blues" gut vier Wochen nach der Trennung von Star-Coach Jose Mourinho unter dem äußerst umstrittenen Nachfolger Avraham Grant eine neue Ordnung etabliert. Die letzten Ergebnisse in der Premier League sprechen jedenfalls eine eindeutige Sprache, die Millionen-Truppe aus dem Westen Londons präsentierte sich stark verbessert.

Mit drei Auswärtssiegen in Serie nahm man zuletzt wieder mächtig an Fahrt auf. Keine Spur mehr vom schwankenden Schiff, dem der FC Chelsea noch vor genau einem Monat glich. Am Mittwoch in der Champions League gegen Schalke 04 soll jetzt die nächste Klippe umschifft werden. "Die Partie ist wichtig. Wenn wir gewinnen, führen wir die Tabelle an", sagt Mittelfeldstar Joe Cole. "Es ist ein großes Match."

Kritik am alten Mourinho-System

Bei den "Blues" stimmten zuletzt aber nicht nur die nackten Zahlen. Der Tabellensiebte der englischen Liga kommt auch spielerisch immer besser in Schwung. Erst erkämpfte die Mannschaft nach dem enttäuschenden Champions-League-Heimauftakt gegen Rosenborg Trondheim (0:0) - Auslöser für Mourinhos Abschied - beim FC Valencia ein 2:1 und ließ in der Liga stetig überzeugendere Pflichtsiege gegen Schlusslicht Bolton Wanderers (1:0) und den FC Middlesbrough (2:0) folgen. "Wir spielen jedes Mal besser", stellte Grant nach dem Erfolg bei "Boro" erfreut fest.

Vom erklärten Ziel, durchweg attraktiven Fußball zu spielen, ist Chelsea allerdings noch entfernt. Das hielt den kürzlich von Ajax Amsterdam geholten Assistenzcoach Henk ten Cate, der als Co-Trainer von Frank Rijkaard den FC Barcelona 2006 mit zum Champions-League-Titel führte, aber nicht von vollmundigen Ankündigungen ab. "Mit unseren Spielern können wir attraktiven Fußball spielen. Wir gehen ins Spiel mit der Absicht, zu gewinnen, und nicht mit der Absicht, nicht zu verlieren", sagte ten Cate in wenig verhüllter Kritik am alten Mourinho-Regime. "Dieser Wechsel in der Einstellung ist riesig. Er wird uns viel Energie und Arbeit auf dem Trainingsplatz kosten."

"Sheva" weiter in der Banklehre

Apropos Trainingsplatz: In Cobham - dem noblen Übungsgelände der "Blues" - soll man dieser Tage immer häufiger Roman Abramovich antreffen. Dem mächtigen Club-Mäzen wird ein exzellentes Verhältnis zum neuen Coach nachgesagt. Auch weil Grant - ganz anders als Mourinho - offen für wohlwollenden Zuspruch von oben ist. Zuverlässige Erfahrungswerte, ob der zunehmende Einfluss des russischen Milliardärs auf Frank Lampard und Co. mit den jüngsten Erfolgserlebnissen in Verbindung gebracht werden können, gibt es freilich nicht…

Gegen die Gelsenkirchener, die erstmals an der Stamford Bridge spielen und auf englischem Boden bisher noch nie gewinnen konnten, fehlen den Männern von der Insel zwei wichtige Akteure. Kapitän John Terry, der nach einer Knieoperation drei Wochen pausieren muss, und Ashley Cole wegen einer Sprunggelenksverletzung. Zudem hält bei Chelseas erfahrenstem Champions-League-Spieler, Stürmerstar Andriy Shevchenko die besorgniserregende Formschwäche an. Der ukrainische Torjäger fristet weiterhin nur ein Joker-Dasein.

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