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CHAMPIONS LEAGUE: Ideenloser Bayern-Erfolg

Roque Santa Cruz hat durch seinen Treffer dem FC Bayern München nach einem müden Kick das Tor zum Viertelfinale der Champions League geöffnet.

Roque Santa Cruz hat dem FC Bayern München das Tor zum Viertelfinale der Champions League geöffnet. Mit seinem erlösenden Kopfballtor in der 81. Minute zum 1:0-Sieg über Boavista Porto bewahrte der Stürmer den Titelverteidiger vor einer weiteren Blamage und einer Zitterpartie in der Zwischenrunde. Mit vier Punkten Vorsprung auf Boavista als Tabellendritten, der besseren Bilanz im direkten Vergleich und noch zwei ausstehenden Spielen haben die nur im Schlussspurt überzeugenden Bayern nun alle Trümpfe für das Weiterkommen in der Hand.

Pomadig und ideenlos

Vor 32 000 Zuschauern im Olympiastadion bot die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld allerdings über weite Strecken eine wie schon im Hinspiel jämmerliche Vorstellung. Die Partie war wie vor einer Woche nichts für Fußball-Feinschmecker, und wie schon beim 0:0 im Hinspiel wirkten die Bayern im Aufbau hemmungslos ideenlos. Jens Jeremies präsentierte sich als Totalausfall, Kapitän Stefan Effenberg bewegte sich pomadig und zog sich mit leichtfertigen Ballverlusten den Unmut der Fans zu. Unter der Ideenarmut des Mittelfelds litt vor allem die Offensiv-Abteilung, wo Roque Santa Cruz bis zu seinem Treffer kaum einen Zweikampf gewann und Mehmet Scholl trotz großem Laufpensum wirkungslos blieb.

Portugiesen-Konter

Die Portugiesen, die sich in der Vorrunde gegen Borussia Dortmund behauptet hatten, demonstrierten mit einer klugen und routinierten Vorstellung wieder einmal, dass sie nur sehr schwer auszuspielen sind. Zudem gelangen ihnen mehrere vielversprechende Konter, die zweimal durch Martelinho (2. und 17.) sowie Sanchez (42.) zur Halbzeitführung hätten reichen können.

Auf der anderen Seite wurde es fast nur dann gefährlich, wenn Giovane Elber am Ball war. In der 5. Minute bediente der Brasilianer mustergültig Scholl, der aber aus kurzer Entfernung an Boavista-Torhüter Ricardo scheiterte.

»Wir spielen sehr bescheiden«

»Ich gebe normal immer leidenschaftliche Statements für die Mannschaft ab, heute fällt mir das nicht so leicht«, drückte der neue Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge seine Unzufriedenheit zur Halbzeit aus: »Wir spielen sehr bescheiden.« Daran änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts. Nur 40 Sekunden nach Wiederanpfiff traf der eben eingewechselte Goulart nur den Pfosten, als die Bayern-Hintermannschaft in Gedanken wohl noch beim Pausentee war.

Schwacher Effenberg

Diese Ruhephase hielt bei Effenberg noch länger an. Der Kapitän drehte sich in der 53. Minute bei einem Freistoß von Sanchez aus der Mauer und musste sich dafür einen verbalen Rüffel von Kahn gefallen lassen. Doch damit wurden weder Effenberg noch seine Mitspieler wachgerüttelt. Nach einer Stunde wollte schließlich Hitzfeld ein Zeichen setzen, indem er für den indisponierten Jeremies mit Claudio Pizarro eine vierte Offensivkraft brachte.

In der Tat kamen mit dem Peruaner neuer Schwung und damit plötzlich auch Chancen: In der 70. Minute scheiterte Pizarro jedoch an Ricardo, vier Minuten später traf er nur den Pfosten. Danach hatte Elber zwei hochkarätige Einschussmöglichkeiten, ehe Santa Cruz nach Flanke von Lizarazu das erlösende 1:0 gelang.

Von Klaus Bergmann (dpa)

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