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Champions League Napoli besiegt Chelsea klar


Die Champions League steht nach dem 1:3 Chelseas in Neapel zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder vor einem Viertelfinale ohne englische Beteiligung. In einem unterhaltsamen, wenn auch von vielen Fehlern geprägten Spiel ging Chelsea sogar in Führung, kassierte aber durch Edinson Cavani und Ezequiel Lavezzi noch drei bittere Gegentore.

Sechs Tage nach Arsenals 0:4-Debakel in Mailand musste mit Chelsea auch die zweite noch in der Champions League verbliebene englische Mannschaft in Italien eine bittere Niederlage einstecken. Mit 3:1 gewann Napoli verdient gegen die Blues im Stadio San Paolo und geht nun mit einem guten Polster ins Rückspiel in drei Wochen an der Stamford Bridge.

Die von den Diskussionen um Trainer André Villas-Boas belasteten Londoner gingen trotz einiger Probleme nach 27 Minuten sogar durch Juan Manuel Mata in Führung, aber Napoli drehte das Spiel noch vor der Pause durch Tore des überragenden Ezequiel Lavezzi und Edinson Cavani. Mitte der zweiten Hälfte erhöhte erneut Lavezzi auf 3:1 und nur eine Rettungstat von Ashley Cole auf der Linie verhinderte am Ende das vierte Gegentor.

Villas-Boas ließ zahlreiche erfahrene Spieler wie Fernando Torres, Frank Lampard, Ashley Cole und Michael Essien auf der Bank, wurde für diesen Mut aber nicht belohnt, weil seine unerfahrene Startelf sich nicht in Champions League-Form präsentierte.

Riskante Aufstellung von Villas-Boas

Chelsea hatte am Wochenende im FA Cup nur 1:1 gegen den Zweitligisten Birmingham City gespielt. Da hatte links hinten der englische U21-Spieler Ryan Bertrand gespielt, José Bosingwa sollte in Neapel gegen Marek Hamsik und Christian Maggio verteidigen - eine riskante Personalie. Im Mittelfeld beorderte Villas-Boas John Obi Mikel auf die Bank, aber Frank Lampard profitierte nicht davon, sondern Florent Malouda. Schließlich ersetzte Didier Drogba vorne Fernando Torres. John Terry fällt wegen einer Knieverletzung vermutliche mehrere Monate aus, so dass Gary Cahill in der Innenverteidigung sein Champions League-Debüt gab.

Napolis Taktikfuchs Walter Mazzarri hatte sich in der Gruppenphase als Rangelfuchs betätigt und einen Villarreal-Betreuer geschubst. Die UEFA ahndete das mit einer Sperre von zwei Spielen, so dass Assistenztrainer Nicolo Frustalupi die Mannschaft betreute. Er nahm, mutmaßlich im Auftrag von Mazzarri, vier Änderungen an der Startelf vor, die am Freitag mit 3:0 in Florenz gewonnen hatte. Der zuletzt noch verletzte Morgan de Sanctis kehrte an Stelle von Antonio Rosati wieder zurück ins Tor, Salvatore Aronica rückte für Miguel Britos in die Dreierkette. Im Mittelfeld erhielten Walter Gargano und Juan Zuniga wieder den Vorzug vor Andrea Dossena und Blerim Dzemaili.

Guter Start für die Kampanier, aber Chelsea traf

Napoli war in der ersten halben Stunde klar die bessere Mannschaft und hätte schon nach zehn Minuten in Führung gehen können, als Gökhan Inlers Traumpass Edinson Cavani fand, der an einer Glanzparade von Petr Cech scheiterte. Die Blues mussten derweil schon nach einer Viertelstunde den angeschlagenen Bosingwa dann doch durch Cole ersetzen. Der englische Nationalspieler hatte schnell das Nachsehen, als Christian Maggio nach einem Pass von Lavezzi an ihm vorbeizog und aus spitzem Winkel eine weitere Parade des Chelsea-Keepers erzwang.

Die Londoner bekamen kaum ein Bein auf den Boden, doch nach einer knappen halben Stunde gingen sie in Führung. Ramires hatte den Ball im Mittelfeld erobert, Drogba auf Daniel Sturridge abgelegt und dessen Hereingabe von rechts war eigentlich in den Füßen von Paolo Cannavaro gut aufgehoben - hätte der Kapitän nicht einen Querschläger angesetzt, der dem überraschten, aber nicht überrumpelten Juan Manuel Mata vor die Füße fiel. Mata schob unbedrängt aus zehn Metern zum wichtigen Auswärtstor für Chelsea ins Tor.

Doch die Führung sollte nicht lange halten und es war Napoli, das mit einem Vorsprung in die Pause ging. Dabei hatte David Luiz nach einer Ecke von Mata gerade noch aus fünf Metern knapp über die Latte geköpft. Aber im nächsten Angriff bediente Cavani von links Lavezzi, der mit dem Ball in die Mitte zog und einen perfekten Schuss aus 18 Metern in die rechte Torecke schlenzte.

Die Schulter Gottes

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff erhöhte Napoli sogar auf 2:1, als eine Flanke von Inler  von rechts Cavani am langen Pfosten fand. Der Uruguayer war schneller am Ball als Branislav Ivanovic und drückte das Leder mit einem Körperteil zwischen Oberarm und Schulter ins Netz.

Nach der Pause hatte Chelsea im strömenden Regen weiter seine Chancen, so etwa Drogba, der nach einem Anspiel von Florent Malouda von einem Stellungsfehler Cannavaros profitierte und den Ball perfekt mit der Brust annahm, doch eine starke Intervention von Salvatore Aronica verhinderte den Torabschluss.

Wie vor dem Ausgleich fiel auch in diesem Fall direkt nach einer eigenen Chance das Gegentor, doch dieses war aus Chelseas Sicht noch viel vermeidbarer als beide vorherigen Treffer. Ein langer Ball von Hugo Campagnaro, der seit einer frühen Kollision mit Drogba mit einem Kopfverband spielte, kam zu David Luiz, der aber nicht energisch genug agierte, so dass Cavani ihm das Leder vom Fuß spitzeln konnte und Lavezzi bediente. Derweil war Cech, der seinem Verteidiger offenbar nicht vertraute, aus seinem Tor gekommen, dem Ball entgegen, und hastete nun Richtung Lavezzi, der entspannt ins leere Tor zum 3:1 abschloss.

Villas-Boas brachte umgehend Frank Lampard und Michael Essien für Malouda und Raul Meireles ins Spiel - vielleicht, um wenigstens mit dem nicht völlig aussichtslosen 1:3 nach Hause fahren zu können. Aber es hätte durchaus noch ein viertes Gegentor geben können, wie für Arsenal letzte Woche in Italien auch. Marek Hamsik hatte sich nach Cavani-Pass schön am linken Pfosten gegen Ivanovic durchgesetzt und den Ball an Cech vorbei vors leere Tor gepasst, wo Cavani knapp verpasste und Maggio aus vier Metern abschloss - aber Ashley Cole schaffte es irgendwie, den Ball von der Torlinie zu kratzen und den fast sicheren Todesstoß noch zu verhindern.

Bevor in drei Wochen das Rückspiel ansteht, müssen beide Teams nun erstmal wieder in der Liga ran, Napoli am Wochenende gegen Inter, Chelsea gegen die Bolton Wanderers. Da dürfte zumindest Gary Cahill sich dann anders als in der Champions League mal wieder wie zu Hause fühlen, denn in Bolton hatte er bis zum Januar ja noch gespielt. Wie viele Chelsea-Fans meinen, sollte er das auch immer noch tun. Heute hat er sie jedenfalls nicht eines Besseren belehrt.

Daniel Raecke

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