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Champions League: Werder schafft das Wunder

Werder Bremen hat doch noch den Einzug ins Champions-League-Achtelfinale geschafft. Die Norddeutschen fertigten Panathinaikos Athen mit 5:1 ab und profitierten von Barcelonas Sieg bei Udinese Calcio.

Von Klaus Bellstedt, Bremen

Die Ausgangssituation vor der Begegnung war klar: Werder brauchte einen Sieg, um die Minimalchance auf das Achtelfinalticket zu wahren. Mit einem Remis würde Panathinaikos Athen auf den dritten Platz klettern, der für den Uefa-Cup berechtigt. Und die Bremer, die kurzfristig auf den verletzten Tim Borowski verzichten mussten, ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie ihren Part zum Weiterkommen erfüllen wollten.

Nach nicht einmal 60 Sekunden riss ein langer Ball von Torsten Frings die gesamte griechische Defensive auf. Beim Versuch die Kugel an Athens Torwart Galinovic vorbeizulegen, wurde "Maskenmann" und Passempfänger Miro Klose, der nach zwei Wochen Verletzungspause in die Mannschaft zurückkehrte, elfmeterreif von den Beinen geholt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Johan Micoud sicher zur frühen Führung. Ein Auftakt nach Maß für die Mannschaft von Thomas Schaaf, die es nach fulminantem Start dann ruhiger angehen ließ.

Drei-Tore-Vorsprung zur Halbzeit

In der Folgezeit entwickelte sich bei Dauerregen im Bremer Weserstadion ein offenes Spiel. Das Team von Panathinaikos Athen versuchte in Ansätzen die Zurückhaltung abzulegen und deutete durch ansehnliches Kombinationsspiel (vor allem im Mittelfeld) scheinbare Klasse an. Echte Torchancen blieben aber auch nach gut zwanzig Minuten für die Griechen Mangelware. Auch die Hausherren versprühten in dieser Phase der Partie wenig Gefahr, wenngleich sie das Spiel nie wirklich aus der Hand gaben. Zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend fiel dann das 2:0 für Werder Bremen. Christian Schulz brachte einen Freistoß von der rechten Seite in die Mitte. Johan Micoud verlängerte per Kopf zu Nelson Valdez, der aus kurzer Distanz Gäste-Keeper Mario Galinovic mit einem trockenen Vollspannschuss keine Abwehrchance ließ (28.).

Der zweite Treffer wirkte wie ein echter Weckruf für die Grün-Weißen, die sofort nachlegten und den Gegner einschnürten. Nur drei Minuten später war es erneut der agile Paraguayer Nelson Valdez, der mit seinem zweiten Tor (nach schöner Vorarbeit von Micoud) fast schon für die Vorentscheidung an diesem nasskalten Abend sorgte. Mit einem aus Sicht der Norddeutschen beruhigenden Drei-Tore-Vorsprung schickte Schiedsrichter Peter Fröjdfeldt aus Schweden beide Teams in die Halbzeitpause.

Matchwinner Johan Micoud

Nach dem Wechsel bot sich den knapp 38.000 Zuschauern im Weserstadion das gleiche Bild: Werder suchte sein Heil in der Offensive und drängte den Gegner in die Defensive. Panathinaikos' Hintermannschaft schien im kollektiven Tiefschlaf als der wieder genesene Miro Klose nach einem genialen Zuspiel von Regisseur Micoud auf die Reise geschickt wurde und allein auf Torwart Galinovic zulief, sich auch nicht von einem heraneilenden Abwehrspieler irritieren ließ und eiskalt zum 4:0 ins kurze Eck vollendete (51.). Nur 120 Sekunden später ging das muntere Toreschießen weiter. Dieses Mal allerdings waren zur Überraschung aller die Griechen an der Reihe. Ein Eckball von links segelte in den Bremer Fünfmeterraum, Athens Abwehrspieler Nasief Morris stieg zum Kopfball hoch und wuchtete die Kugel zum 1:4 in die Maschen. Er profitierte dabei allerdings von einem Patzer von Torwart Reinke, der beim Versuch die Ecke abzufangen, mal wieder danebengriff.

Wer nun dachte, dass die Hellenen im letzten Drittel der bis dahin einseitigen Begegnung eine Aufholjagd starten würden, sah sich getäuscht. Bremen ließ auch in der Schlussphase keinerlei Unruhe mehr aufkommen. Routiniert spielte der Gastgeber sein Pensum runter. Aufregung kam dann erst wieder in der 86. Minute auf, aber nicht wegen des Geschehens auf dem Rasen. Nach und nach verbreitete sich die Nachricht der Führung von Barcelona bei Udinese Calcio auf den Rängen, bis sie sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Arena verbreitete. So gerieten die letzten Minuten in dieser Partie fast zur Nebensache - bis Torsten Frings in der Schlussminute mit einem Flachschuss aus 15 Metern, gleichbedeutend mit dem 5:1-Endstand, die Menge endgültig zum Kochen brachte.

Die Bremer schufen mit einer glanzvollen und fast fehlerlosen Leistung den Grundstein für ein Überwintern in der Königsklasse. Garant für den Sieg war der überragende Johan Micoud, der an den ersten vier Treffern beteiligt war. Dank des 2:0-Erfolgs Barcelonas in Udine steht Werder verdient im Achtelfinale der Champions League.

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