Comebackversuch Deisler will zur EM


In seinem ersten öffentlichen Interview hat Sebastian Deisler einen Einsatz bei der EM in Portugal nicht ausgeschlossen. Er fühle sich mental fit für die Titelkämpfe.

Sebastian Deisler hat seinen Traum von der Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft noch nicht aufgegeben. Der von einer Depressionserkrankung genesene Nationalspieler des FC Bayern München schloss knapp sieben Wochen vor EM-Beginn einen möglichen Einsatz in Portugal nicht aus.

Nach eigenen Angaben fühlt er sich mental stark genug für die am 12. Juni beginnenden Titelkämpfe. "Ich würde es mir innerlich zutrauen", sagte Deisler am Montagabend in der ARD-Sendung "Beckmann" - seinem ersten großen Fernseh-Interview seit der Erkrankung - überraschend optimistisch.

Offenes Gespräch über seine Depression

Es war seit ein erstes Interview seit seiner Depression. Er sprach offen über die oft tabuisierte Krankheit, berichtete von einem "Blackout" und, dass es "einfach nicht mehr weiter ging". Deisler hatte damals der öffentlichen Bekanntmachung seines Zustands zugestimmt, was sein Arzt Florian Holsboer als "Heldentat" lobte. "Ich hatte keine Lust, etwas zu verheimlichen oder eine Grippe vorzutäuschen oder einen komischen Virus, der noch nicht entdeckt ist", so Deisler.

Rückkehr würde "ihn unheimlich freuen"

Festlegen wollte sich Deisler beim Thema Nationalmannschaft nicht. "Das weiß ich nicht", antwortete der ins Studio zugeschaltete Profi auf die Frage, ob sich sein EM-Traum noch erfüllen könne. "Erstmal freue ich mich, dass Rudi Völler gesagt hat, dass für mich die Tür bis zum Schluss offen steht." Eine eventuelle Rückkehr würde ihn «unheimlich freuen». Deisler: "Wer weiß, vielleicht spiele ich die nächsten Spiele. Ich habe einiges aufzuholen, was die Spielpraxis anbelangt. Da könnte ich trainieren. Da sind gute Ärzte, gute Physiotherapeuten. Das wäre nicht schlecht."

Völler gibt sich zurückhaltend

Wirklich realistisch ist ein Comeback bei der EM ohne Bundesliga- Praxis nicht. Deisler hatte sich von November bis Januar der Behandlung der Depressionen unterzogen und trainiert seit Mitte März wieder mit den Bayern. Zuletzt absolvierte er vier Pflichtspiel- Einsätze im Regionalliga-Team.

Die Verantwortlichen beim FC Bayern und der Nationalmannschaft vermieden es, den sensiblen Star unter Druck zu setzen. "Es gibt immer ein kleines Fünkchen Hoffnung, aber ich bin bekannt dafür, ein großer Realist zu sein", sagte Völler. Der DFB-Teamchef hat Deisler offensichtlich vor allem bei den Planungen für die Weltmeisterschaft 2006 auf der Rechnung: «Es gibt noch ein Leben nach der EM.»


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