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Nervige Demut der Bayern-Spieler Gebt doch endlich zu, dass ihr super seid


Der FC Bayern eilt von Sieg zu Sieg und von Rekord zu Rekord, dennoch bleiben die Spieler stets bescheiden. Das ist zwar löblich, aber trotzdem kaum auszuhalten.
Von Felix Haas

Der kleine Typ vor der Kamera hat im Sommer ganz Deutschland verzückt mit seinem meist fehlerlosen Spiel. Jetzt begeistert er nur noch halb Deutschland, die Bayern-Fans nämlich, und diejenigen Fußballfans, die ausschließlich unter der Woche dem deutschen Rekordmeister zuschauen. Dieser kleine Typ, die Rede ist natürlich von Philipp Lahm, steht also mal wieder nach einem fast perfekten Spiel vor dem Reporter-Mikro und sagt: "Es ist jetzt November. Wichtig ist, dass wir bis zum Winter durchkommen, dass wir in der Bundesliga unsere Punkte holen. Und da müssen wir am Wochenende nachlegen."

Es ist kaum auszuhalten!

Der FC Bayern hat - wem es nicht aufgefallen sein sollte - den Tabellenzweiten der italienischen Serie A am Mittwochabend mal wieder nach allen Regeln der Kunst dominiert. Wenn man ehrlich ist, war der AS Rom nicht besser dran als beim 1:7 vor zwei Wochen. Der Unterschied war lediglich jener, dass sich diesmal kein Römer ernsthaft traute, über die Mittellinie zu laufen. Jetzt sind die Münchner so früh wie nie als Achtelfinalist gesetzt, und zwar nicht irgendwie, sondern als Gruppensieger - nach dem vierten Spieltag! Mal wieder ein neuer Vereins-Rekord. Ist aber egal. Denn Lahm sagt ja: "Wir müssen bis zum Winter durchkommen."

Übertriebene Demut nervt nur noch

"Durchkommen", Entschuldigung, bitte was?! Werder Bremen muss irgendwie durchkommen. Der SC Freiburg muss irgendwie durchkommen. Aber der FC Bayern? Diese übertriebene Demut nervt nur noch. Warum stellt sich der Kerl nicht einfach mal hin und sagt, wie es ist: Wir sind gerade verdammt gut. Wir müssen schon extrem viel Pech haben, um zu verlieren.

Genau das wäre die Wahrheit: Seit Wochen schafft es kaum ein Gegner, einen ernsthaft wichtigen Zweikampf gegen die Münchner zu gewinnen. Die Mannschaft von Pep Guardiola spielt ein Pressing, bei dem jedes andere Team nach maximal vier Sekunden den Ball verliert. Wenn dann doch mal jemand einen Zweikampf annähernd gewinnen sollte, bleibt Alonso, Benatia und Co. ja immer noch das taktische Foul.

Lahm: "Da müssen wir nachlegen"

Und jetzt stellt sich Philipp Lahm, dieser großartige Fußballer, dieser unglaublich demütige, intelligente und bescheidene Superstar hin, und faselt wie immer etwas von Konzentration aufs nächste Spiel. Natürlich ist das menschlich nahezu perfekt - wie das Spiel auf dem Rasen. Philipp Lahm ist ein Vorbild für alle ehrgeizigen Sportler, er würde niemals einen Gegner unterschätzen. Selbst gegen den FC Hinterhausen aus der siebten Kreisliga würde Philipp Lahm sagen: "Da müssen wir nachlegen."

Aber auch hier gilt - wenn Lahm ehrlich wäre, würde er sagen: Wenn wir uns einigermaßen anstrengen, werden wir locker Herbstmeister.

Kaum Konkurrenz bis zur Winterpause

Klar, in der Bundesliga sind die "Verfolger" Wolfsburg und Mönchengladbach "nur" vier Punkte weg. Und zugegeben, die einzigen, die den Bayern in den vergangenen Monaten einigermaßen Paroli bieten konnten, waren die beiden Borussias. Gladbach schaffte sogar das Kunststück, einen Punkt zu erkämpfen und phasenweise (!) besser Fußball zu spielen als die Münchner. Dortmund erkonterten sich sogar eine zwischenzeitliche (!) Führung.

Doch die Wahrheit ist auch: Die starken Gegner der Bundesliga - Wolfsburg, Schalke, Gladbach und Dortmund - haben die Münchner schon hinter sich. Hoffenheim und Leverkusen warten noch als einzig ernstzunehmende Konkurrenten bis zur Winterpause. Philipp Lahm würde sagen: Es werden sicher keine leichten Spiele. Aber das Spiel gegen Rom war ja auch "schwierig".

Das Ergebnis? Ist ja bekannt.

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