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DFB-Elf Der Fußball geht in der Corona-Pandemie volles Risiko ein – das kann schiefgehen

DFB-Elf im Spiel gegen die Ukraine
DFB-Elf im Spiel gegen die Ukraine
© Robert Michael / DPA
Trotz der fünf Corona-Infektionsfälle im ukrainischen Team fand das Spiel gegen die DFB-Elf in Leipzig statt. Das war hochriskant, auch weil das einst hochgelobte Hygiene-Konzept offenbar mehr als löchrig ist.

Die Aussagen der Spieler und von Bundestrainer Joachim Löw klangen fast ein wenig entschuldigend. Die DFB-Elf hatte gerade die Ukraine im Leipziger Zentralstadion mit 3:1 geschlagen, da richteten sich die Fragen der Reporter nicht nur auf den sportlichen Erfolg, sondern vor allem auf die Tatsache, dass das Spiel überhaupt stattgefunden hatte. "Grundsätzlich kann ich die Sorgen und Gedanken der Menschen nachvollziehen", sagte Löw zum Beispiel, aber er sei "eigentlich der falsche Ansprechpartner". Torschütze Leroy Sané wurde nachdenklich: "Wenn man so etwas hört, denkt man an die Familie und daran, dass man sich selbst anstecken kann. Im Endeffekt ist es am wichtigsten, dass alle gesund bleiben".

Natürlich ging es um die Corona-Pandemie und die Frage, ob das Spiel überhaupt hätte stattfinden dürfen. Vier ukrainische Spieler und ein Mitarbeiter des Funktionsteam waren vor der Partie in der Nations League positiv auf das Coronavirus getestet worden. Lange stand nicht fest, ob das Leipziger Gesundheitsamt die Partie überhaupt zulassen würde. Erst Samstagnachmittag um 15 Uhr lagen die jüngsten Testergebnisse von Mannschaft und Betreuerstab vor. Es war der zweite Test innerhalb von 48 Stunden – und ohne positiven Befund. Die Uefa gab grünes Licht, der DFB äußerte ebenfalls keine Bedenken. DFB-Mannschaftsarzt Tom Meyer versicherte, dass die Spielsituation auf dem Rasen kein besonderes Risiko darstelle. Ein Urteil, auf das sich Löw und seine Spieler verließen: "Die Uefa und das Gesundheitsamt wissen aber sicher, was sie machen", sagte Sané.

Kontrolle durch Gesundheitsämter stößt an Grenzen

Dennoch wurde vielfach kritisiert, dass die Partie überhaupt angepfiffen wurde. Zwei Tage später erhielt die Kritik zusätzliches Gewicht dadurch, dass zwei weitere ukrainische Spieler, die am Samstag auf dem Platz gestanden hatten, positiv getestet wurden. Sollten sich deutsche Spieler in Leipzig angesteckt haben, wäre das ein Super-Gau – und die Einschätzung von DFB-Arzt Meyer hinfällig. Schon jetzt zeigt das Beispiel Leipzig, dass das Hygiene-Konzept mehr als löchrig ist, auch weil die permanenten Tests offenbar keine Gewissheit bringen.

Ein anderer Schwachpunkt des Hygienekonzepts ist, dass die Kontrolle durch die Gesundheitsämter an ihre Grenzen stößt. In Leipzig genehmigten die Behörden die Partie, weil die Ukrainer ausgesagt hatten, dass sich die infizierten Spieler in den vergangenen Tagen an alle Hygiene-Auflagen gehalten hätten, also keinen engeren Kontakt mit anderen Spielern und Team-Mitgliedern gehabt hätten. Ob das der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht überprüfen. Was in dem Team-Hotel passierte, ist schlicht eine "Black Box". Unabhängig davon gilt: Solange eine Mannschaft 13 Spieler nominieren kann, wird gespielt. So sieht es das Konzept der Uefa vor.

Keine einheitliche internationale Linie

Ein weiteres Problem, das sich nicht nur in Leipzig offenbart hat, ist, dass international keine einheitliche Linie existiert. So untersagten die norwegischen Behörden ihrer Nationalelf die Ausreise nach Rumänien, weil ein Spieler positiv getestet worden war, und schickten sie komplett in Quarantäne. Ende Oktober sagte die englische Frauen-Nationalmannschaft ein Spiel gegen die deutschen Frauen ab, weil ein Mitarbeiter des Stabes positiv getestet worden war. Jetzt in Leipzig wurden großzügigere Maßstäbe angelegt.

Und so ist der auch Trip der deutschen Nationalelf nach Sevilla mit sehr vielen Fragezeichen versehen. In dem Hochrisikogebiet spielt die Löw-Truppe am Dienstagabend gegen Spanien um den Gruppensieg in der Nations League.  Da kann man nur hoffen, dass keine Infektionsfälle auftreten.

Quelle: DPA, "Faz"


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