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Zweifel am HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld Der HSV kämpft verzweifelt um einen Kredit und versinkt im selbstverschuldeten Chaos

Der Ruf hat gelitten: HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld (l.) und Vereinspräsident Marcell Jansen auf der Tribüne des Hamburger Volksparkstadions
Der Ruf hat gelitten: HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld (l.) und Vereinspräsident Marcell Jansen auf der Tribüne des Hamburger Volksparkstadions
© Eibner Pressefoto / Marcel von Fehrn / Picture Alliance
Sportlich läuft es für den HSV in der 2. Liga richtig gut, dafür herrscht hinter den Kulissen ein Hauen und Stechen. Die Zweifel am Vorstandsvorsitzenden Thomas Wüstefeld wachsen, gleichzeitig sucht der Klub händeringend nach Kredit-Bürgen.

Es dürfte ein äußerst unangenehmer Termin für den Unternehmer Thomas Wüstefeld werden. Der HSV-Vorstand soll im Haushaltsausschuss der hamburgischen Bürgerschaft Auskunft über die Finanzlage des hochverschuldeten Vereins geben. Besonders eine Frage soll er beantworten: Was ist mit den 23,5 Millionen Euro passiert, die die Stadt vor zwei Jahren für den Kauf des Stadiongrundstücks an den HSV überwiesen hat. Der Deal kam unter einer Bedingung zustande: Der Verein verpflichtet sich, dass Geld für die Renovierung des Stadions einzusetzen, die für die Europameisterschaft 2024 notwendig ist. 

Hat der Verein aber nicht. Die Corona-Pandemie kam dazwischen, das Geld wurde zum Stopfen anderer finanzieller Löcher gebraucht. Will Hamburg aber Austragungsort der EM bleiben, muss die schicke Dachkonstruktion des Stadions im Volkspark überholt werden. Einen neuen Kreditgeber konnte Wüstefeld mit dem Hauptsponsor Hanse Merkur, einer Versicherungsgruppe, finden. Das Problem: Er braucht noch einen Bürgen für den zugesagten 13-Millionen-Euro-Kredit. Die Bürgschaft wollte sich Wüstefeld wiederum von der Stadt holen.

Keine Unterstützung der Stadt mehr

Das war keine gute Idee. Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, ist keine Fraktion (SPD, Grüne, CDU, FDP, Linke, AfD) bereit, die Bürgschaft zu geben. Der Verein hat seinen Ruf in den vergangenen Jahren souverän ruiniert. "In der jetzigen Gemengelage halte ich eine Bürgschaft für ausgeschlossen", sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Thilo Kleibauer, der Zeitung. Auch sein SPD-Kollege Milan Pein sagte: "Der HSV täte allein aus Imagegründen gut daran, sich um eine Lösung in der freien Wirtschaft zu bemühen."

Die Probleme mit der Bürgschaft sind dabei nur das jüngste Kapitel einer schier unendlichen Geschichte von Streitereien, Machtkämpfen und Intrigen. Seit Thomas Wüstefeld sich im vergangenen Jahr mit 5,11 Prozent der Anteile für 14,2 Millionen Euro beim HSV einkaufte, sind die Machtkämpfe im Verein erneut eskaliert.

Neben Reibereien mit Manager Jonas Boldt zettelte der Vorstand einen Streit mit Kühne an, von dem er die Anteile erworben hatte. Die Auseinandersetzung eskalierte so sehr, dass Wüstefeld eine Klage gegen Kühne prüft. Der Vorwurf lautet, dass er einen zu hohen Preis für die Anteile zahlte, weil der Verein angeblich Millionenlöcher im Etat verschwieg.

Wüstefelds unterschiedliche Rollen kollidieren

Das absurde Beispiel zeigt, wie die Rolle Wüstefelds als Investor mit seiner Rolle als Vereinsfinanzvorstand kollidiert: "Er will den HSV finanziell gesunden lassen, kämpft aber in seiner Rolle als Gesellschafter darum, dass das Unternehmen niedriger bewertet wird, damit der Kaufpreis für seine Anteile gegenüber Klaus-Michael Kühne sinkt", stellte das Fußballmagazin "kicker" verwundert fest.

Zuletzt wuchsen grundsätzlich die Zweifel an der Seriosität des Geschäftsmannes, der den HSV maßgeblich lenkt. Es gibt sogar Zweifel an dem Doktortitel, den der Medizinunternehmer im Namen trägt. Bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg sind zwei Strafanzeigen eingegangen – wegen Betrugs und Untreue bei Geschäften mit PCR-Tests und Testgeräten. Beim Landgericht liegen mehrere Millionenklagen gegen ihn und seine Firmen vor und die Justizbehörde der Stadt ermittelt wegen des mutmaßlich illegalen Verkaufs von Medikamenten.

Der Ruf des Mannes, dessen Vor-HSV-Geschichte im Trüben bleibt, hat ziemlich gelitten, und das wirkt sich immer stärker negativ aus. Deshalb hat sie der Aufsichtsrat unter Präsident Marcell Jansen auf Druck dazu durchgerungen, eine interne Sonderkommission einzusetzen, die Vorwürfe zu prüfen. Jansen wird der Kommission nicht angehören, weil er früher mit Wüstefeld geschäftlich verbandelt war.

Für den hochverschuldeten Verein ist das ein Problem. Alles, was dieser Klub braucht, sind Seriosität und Ruhe. Er muss Millionenschulden abbauen und gleichzeitig sportlich die Rückkehr in die erste Bundesliga schaffen. Doch die Intrigen und Kämpfe unter Wüstefeld und sein angeschlagener Ruf haben viel an Reputation gekostet. Das "Hamburger Abendblatt" berichtet, dass sich mit der Telekom ein erster Großsponsor wegen der ständigen Querelen zurückzieht. Bei den Banken erhält der HSV schon lange keinen Kredit mehr und das Vertrauen der Bürgerschaft hat der Verein verspielt. Eine Bürgschaft für den Kredit zur Stadionrenovierung wird es wohl nicht geben.

Quellen: DPA, "Spiegel", "Hamburger Abendblatt", "kicker", "NDR"


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