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Nach Fan-Eklat in Prag: DFB-Chef will Ticketvergabe europaweit kontrollieren

DFB-Chef Grindel fordert ein Umdenken: Die Abgabe von Tickets soll in Europa nachvollziehbarer werden. Einen entsprechenden Vorschlag will er bei der UEFA vortragen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel will Krawallmachern "die rote Karte zeigen"

Nachdem das Qualifikationsspiel der deutschen Elf in Prag von Neonazi-Sprüchen und Beleidigungen begleitet wurde, fordern die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einstimmig, die Problem-Fans auszugrenzen. Präsident Reinhard Grindel hat sich außerdem für schärfere Zugangsbestimmungen in europäischen Fußball-Stadien ausgesprochen.

"Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten", sagte der Chef des DFB dem "Kicker". Grindel will bei der Exekutivsitzung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am 20. September einen entsprechenden Vorstoß unternehmen.

Meldeauflagen für Pöbel-Fans

Rund 200 Pöbel-Fans hatten am Freitag mit Nazi-Parolen und verbalen Entgleisungen gegen den DFB und einige Nationalspieler wie Torschütze Timo Werner gehetzt. Die sächsische Polizei identifizierte bei der Sichtung des Bildmaterials von der Partie bislang mindestens 13 Angehörige der Dresdner Fanszene. Zwei von ihnen hätten zuvor Gefährderanschreiben erhalten, teilte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar mit.

"Da Gefährderanschreiben allein offensichtlich nicht in jedem Fall von einer Anreise abhalten, werden wir zukünftig auch Meldeauflagen als weiteren präventiven Baustein prüfen", sagte Kretzschmar. Den identifizierten Dresdnern werden von den tschechischen Behörden offenbar derzeit keine Straftaten vorgeworfen. Nach Angaben der Prager Polizei gab es bisher keine Ermittlungen in der Sache.

Hooligans kauften Tickets inoffiziell

Die Bundespolizei hatte im Vorfeld des Spiels sieben mutmaßlichen Hooligans bei Kontrollen am Grenzübergang der Autobahn A17 südlich von Dresden die Ausreise verweigert. Es habe sich um Präventivmaßnahmen gehandelt, weil es Anzeichen gegeben habe, "dass diese Personen zu diesem Anlass nach Tschechien einreisen wollten". Bei ihnen seien auch Vermummungsgegenstände und Pyrotechnik gefunden worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Pirna.

Die Hooligans in der Prager Eden-Arena hatten ihre Eintrittskarten nach Angaben von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nicht über den offiziellen Verkaufsweg des DFB bezogen. "Wir haben bei uns eine nachvollziehbare Abgabe unserer Kontingente über den Fanclub Nationalmannschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in Ländern wie San Marino oder Tschechien keine absolute Sicherheit gibt, weil dort zum Beispiel von Einheimischen unkontrolliert Tickets weitergegeben werden und in den freien Verkauf gelangen", sagte DFB-Chef Grindel.

"Das gehört nicht zur Fankultur"

Offen war zunächst noch, ob die zuständigen Verbände Ermittlungen wegen der Vorfälle in Prag einleiten. Der Weltverband FIFA wollte zunächst den offiziellen Spielbericht prüfen, wie es auf Anfrage am Montag hieß. Erst dann könne über mögliche Sanktionen entschieden werden.

Nach den Szenen von Prag fanden die DFB-Verantwortlichen klare Worte: "Diese Leute, die Neonazi-Sprüche machen, die andere zum Teil menschenverachtend beleidigen - gehört das zur Fankultur oder nicht? Ich bin der Auffassung, es gehört nicht zur Fankultur", sagte Grindel am Sonntagabend im SWR-Fernsehen. Alle friedlichen Fans sollten den Krawallmachern "die Rote Karte zeigen", meinte Grindel. Bundestrainer Joachim Löw hatte zuvor gesagt: ""Diese Chaoten wollen wir nicht, das sind nicht unsere Fans. Ihr Verhalten ist zutiefst verachtenswert."

fri / DPA

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