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Erste Runde im DFB-Pokal: Die ewige Sehnsucht nach der Sensation

Ob die großen Favoriten schon zittern? Unbehagen liegt durchaus in der Luft, wenn die Top-Clubs zum Saisonauftakt im DFB-Pokal bei unterklassigen Gegnern antreten müssen. Aus gegebenem Anlass ein Blick auf die größten Pokal-Blamagen.

Spieler des FV 09 Weinheim feiern überglücklich nach dem Sieg gegen den FC Bayern

Die Sensation ist perfekt: Am 4. August 1990 feiern die Spieler des FV 09 Weinheim nach dem Schlusspfiff ihren Pokalsieg gegen den FC Bayern.

Champions Cup, Supercup, Audi Cup - alles nur Vorgeplänkel. Erst mit der ersten Runde des DFB-Pokals geht die Fußball-Saison wirklich los. Spitzenspiele gibt es zu Beginn des Wettbewerbs wegen des Auslosungsmodus' zwar nicht, dafür locken die sprichwörtlichen "eigene Gesetze" der K.o.-Runden: Wird es der größte Tag in der Geschichte eines kleinen Clubs?

Die Fans mögen die Pokal-Sensationen, über die noch Jahre später gesprochen wird. Für die betroffenen Topclubs aber sind es die schwarzen Tage der Vereinsgeschichte. Keine großen und ehrenvolle Niederlagen, sondern echte Blamagen. Es sind Tage zum Vergessen.

Die größten Pokal-Blamagen

An diesem Wochenende hat vor allen anderen Clubs der Oberligist FC Nöttingen die Gelegenheit, Fußballgeschichte zu schreiben. Am Sonntag empfangen sie den großen, den übermächtigen FC Bayern zu ihrem "Jahrhundertspiel" - und wer weiß, auch die Bayern haben im Pokal schon üble Überraschungen erlebt. Ein Blick auf die größten Pokal-Blamagen der Bundesligaclubs:

Gerd Störzer bejubelt das 2:0 für den VfB Eppingen gegen den HSV

1974: Student Gerd Störzer (10) jubelt, HSV-Torhüter Rudi Kargus ist am Boden: Es steht 2:0 für den VfB Eppingen. Die Hamburger schaffen nur noch das 2:1 und sind raus aus dem Pokal


1974: VfB Eppingen - Hamburger SV 2:1 (0:0)

Der Zweitrunden-Sieg des badischen Dorfklubs gegen die arrogant auftretenden Hansestädter gilt als Mutter aller Pokalsensationen. "Eine Packung" drohte Nationalspieler Georg Volkert den "blutigen Amateuren" an. Volkert dürfte den Tag nie vergessen haben. Student Gerd Störzer erzielte beide Tore und machte die Sensation perfekt. Am Abend witzelte er im Aktuellen Sportstudio des ZDF: "Unter der Woche haben wir noch geflachst, wer wohl ins Sportstudio muss am Samstag."

1978: FC Bayern München - VfL Osnabrück 4:5 (3:3)

Ein mehr als denkwürdiges Spiel im Münchner Olympiastadion: Selbst Sepp Maier wollte gegen den damaligen Zweitligisten aus Osnabrück ein Tor schießen, doch es half alles nichts. Dreimal wurde das Spiel gedreht, Gerd Müller verwandelte nicht weniger als drei Elfmeter, doch die Entscheidung brachte ein anderer Dreifachtorschütze: Andres Wagner sicherte mit seinem dritten Tor in der 71. Minute den Sieg für die Niedersachsen. Eine Blamage für die Ewigkeit für den FCB.

Jubeltraube des SC Geislingen nach der Pokalsensation gegen den Hamburger SV. HSV-Trainer Happel bekannte nach dem Spiel, dass der große Favorit keine Chance hatte.

Jubeltraube des SC Geislingen nach der Pokalsensation gegen den Hamburger SV. HSV-Trainer Happel bekannte nach dem Spiel, dass der große Favorit keine Chance hatte.


1984: SC Geislingen - Hamburger SV 2:0 (1:0)

Mit dem Sieg in der 1. Runde gegen den damals großen HSV schreibt der schwäbische Drittligist Pokalgeschichte. Die Hamburger laufen mit Stars wie Uli Stein, Manfred Kalz oder Felix Magath auf. In der schwäbischen Provinz ist das Team von Trainerlegende Ernst Happel jedoch klar unterlegen. Nach der Partie klagt Magath: "Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir überhaupt keine Siegchance hatten."

1990: FV Weinheim - FC Bayern München 1:0 (1:0)

Nur wenige Wochen nach dem deutschen WM-Triumph in Italien gastiert der FC Bayern in der ersten Pokal-Runde beim badischen Oberligisten FV Weinheim. Im Sepp-Herberger-Stadion agieren die von Jupp Heynckes trainierten Münchner Superstars allzu sorglos. Die Weinheimer gewinnen durch einen Elfmeter und ziehen sensationell in die zweite Runde ein.

Roland Stein vom TSV Vestenbergsgreuth jubelt über sein Tor gegen den FC Bayern. Oli Kahn ist entsetzt

Ein legendäre Pokal-Szene: Roland Stein vom TSV Vestenbergsgreuth hat das Siegtor gegen den FC Bayern erzielt. Bayern-Keeper Oli Kahn ist entsetzt


1994: TSV Vestenbergsgreuth - FC Bayern München 1:0 (1:0)

Die Bayern reisen mit ihrem neuen Trainer Giovanni Trapattoni zum Erstrundenmatch ins Frankenland. Vestenbergsgreuth ist ein kleines Dorf bei Nürnberg, gespielt wird aber im Nürnberger Frankenstadion. Die Partie wird live im ZDF übertragen. So werden Millionen von TV-Zuschauern und die knapp 25.000 im Stadion Zeuge des Sensationssieg des Regionalligisten. Der Unternehmer Helmut Hack, heutiger Vereinschef der SpVgg Greuther Fürth, lässt nach dem größten Erfolg der Club-Geschichte eigens einen Erinnerungstee herstellen.

1995: SV Sandhausen - VfB Stuttgart 13:12 n.E.

Der VfB Stuttgart mit dem magischen Dreieck Krassimir Balakow, Fredi Bobic und Giovane Elber scheidet im baden-württembergischen Duell beim damaligen Regionalligisten Sandhausen im rekordträchtigen Elfmeterschießen aus. Einige Spieler müssen gar doppelt antreten. Als einziger Schütze verschießt am Ende der Stuttgarter Hendrik Herzog. Nach der regulären Spielzeit stand es 2:2.

2000: VfB Stuttgart II - Eintracht Frankfurt 6:1 (2:1)

Die Eintracht blamiert sich an diesem Tag im August mit einer grotesk hohen Erstrunden-Niederlage gegen die Amateure des VfB Stuttgart. In der zweiten Hälfte bricht die Eintracht bei den Schwaben völlig ein. Die spielen mit späteren Bundesliga-Stars wie Andreas Hinkel und Aliaksandr Hleb. Der Grieche Ioannis Amanatidis erzielt zwei Tore. Später wechselt der Stürmer zur Eintracht und wird dort sogar Kapitän.

Dirk Hannemann jubelt über seinen siegbringenden Elfmeter. Oliver Kahn ist bedient

Oli Kahn ist bedient: Magdeburgs Mittelfeldspieler Dirk Hannemann hat gerade seinen entscheidenden Elfmeter verwandelt. Der Oberligist wirft den Rekordmeister aus dem Wettbewerb.


2000: 1. FC Magdeburg - Bayern München 5:3 n.E.

Der frühere DDR-Europapokalsieger trotzt in der zweiten Runde als Oberligist dem Millionenensemble aus München in den 90 Spielminuten ein 1:1 ab. Nach der torlosen Verlängerung avanciert Torwart Miroslav Dreszer im mit 4:2 gewonnenen Elfmeterschießen zum Helden. Er pariert die Schüsse von Nationalspieler Jens Jeremies und Angreifer Giovane Elber.

2001: SSV Ulm - 1. FC Nürnberg 2:1 (1:1)

Im Jahr 2001 ist der frühere Bundesligist Ulm aus wirtschaftlichen Gründen bis in die fünfte Liga abgestürzt. Aus der Erstligasaison 1999/2000 ist nur noch Dragan Trkulja bei den Schwaben im Kader. Der Serbe erzielt den 2:1-Siegtreffer gegen den "Club", der damals von Weltmeister Klaus Augenthaler trainiert wird.

2006: Stuttgarter Kickers - Hamburger SV 4:3 n.V.

Die Erstrunden-Partie beim Drittligisten Stuttgarter Kickers nimmt eine kuriose Wendung. Der HSV dreht einen 0:2-Rückstand in eine 3:2-Führung. Einen Minute vor dem Ende der regulären Spielzeit gleicht Recep Yildiz für die Kickers zum 3:3 aus. Christian Okpala schießt in der Verlängerung den 4:3-Siegtreffer, und 10.450 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Waldau liegen sich in den Armen.

Spieler des Berliner AK feiern auf dem Platz ihren Sieg gegen Hoffenheim

Die Spieler des Berliner AK feiern, dass sie 1899 Hoffenheim gezeigt haben, dass nicht jede Pokal-Reise in die Hauptstadt erstrebenswert ist. Mit 0:4 war der Bundesligist zuvor untergegangen.


2012: Berliner AK - 1899 Hoffenheim 4:0 (3:0)

Die von Markus Babbel trainierten Hoffenheimer blamieren sich in der ersten Pokalrunde beim Berliner Viertligisten völlig. Babbels Traineramt in Hoffenheim währte danach nicht mehr sehr lange. Im Dezember musste der Ex-Profi gehen.

dho/DPA

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