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DFB-Pokal Dortmund gewinnt Elfmeter-Krimi


Borussia Dortmund hat sich mit einem Kraftakt gegen Fortuna Düsseldorf ins Viertelfinale des DFB-Pokals gekämpft. Arjen Robben rettete die Bayern mit einem Last-Minute-Tor. Fürth überraschte.
Von Klaus Bellstedt

Fortuna Düsseldorf, Spitzenreiter der Zweiten Liga, wollte dem großen Favoriten im Pokal-Achtelfinale unbedingt ein Bein stellen. Aber der Deutsche Meister spielte nicht mit. Dabei musste Borussia Dortmund fast eine Stunde lang mit nur zehn Spielern auskommen. Patrick Owomoyela hatte nach wiederholtem Foulspiel bereits in der 34. Minute die zweite Gelbe Karte bekommen und musste vom Feld. Die Fortuna konnte aus der numerischen Überzahl aber kein Kapital schlagen. War es der Respekt vor dem großen BVB? Oder der Dämpfer, den Paderborn Düsseldorf zuletzt verpasst hatte? Die Truppe von Trainer Norbert Meier wirkte jedenfalls seltsam verhalten. Vom kombinationssicheren Angriffsfußball, für den die Mannschaft in der Zweiten Liga bekannt ist, war nicht viel zu sehen. Die Dortmunder Rumpfelf, die ohne sieben verletzte oder kranke Spieler antreten musste, war selten in Not. Allerdings ging nach vorne auch nicht viel. Auf beiden Seiten wurde lange Zeit jegliches Risiko gemieden. Das sah manchmal so aus, als wären beide Mannschaftskassen auf ein Remis gesetzt.

Düsseldorfs Sportdirektor Wolf Werner forderte nach dem Ende der regulären Spielzeit "endlich mehr Risiko" von der Fortuna. Und Düsseldorf tat ihm den Gefallen. Endlich liefen in der Verlängerung die Angriffe der Hausherren auch mal über die Außenpositionen. Nach einer Flanke von rechts zwang Sascha Rösler Dortmunds Keeper Weidenfeller zu einer Glanztat (92.), kurz danach hatte der Torwart Glück, als Piszczek per Hechtkopfball eine scharfe Hereingabe von Dum an den Pfosten beförderte. Dem BVB ging mehr und mehr die Puste aus. Mit letzter Kraft rettete sich die Mannschaft schließlich ins Elfmeterschießen.

So wenig unterhaltsam die 120 Minuten zuvor waren, so brisant ging es dann in der Zugabe zu. Der Elfmeter von Jakub Blaszczykowski musste wiederholt werden, weil Fortuna-Torwart Michael Ratajczak zu weit vor der Linie stand. Auch Kapitän Andreas Lambertz musste zweimal antreten - im Gegensatz zu "Kuba" verschoss Lambertz aber danach. BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller sah wegen Meckerns Gelb und hielt anschließend den Elfmeter von Thomas Bröker. Für die Entscheidung sorgte dann Perisic mit einem souverän verwandelten Elfmeter. Dortmund war durch - wenn auch mit Glück.

Federico schockt die Bayern

In Bochum beim Spiel des VfL gegen Bayern München waren gerade einmal 30 Minuten gespielt, als etwas Bemerkenswertes unten auf dem Rasen passierte. Eine Szene, die man lange nicht bei den Bayern gesehen hatte: Mitspieler maulten sich untereinander an. In diesem Fall war es Holger Badstuber, der Luiz Gustavo wegen eines allzu nachlässigen Zweikampfverhaltens zusammenpfiff. Nachlässig, so ließ sich der Auftritt der Bayern im Pokal beim Zweitligisten am besten zusammenfassen.

Als Badstuber seinem Ärger Luft machte, lag sein Team sensationell und nicht unverdient mit 0:1 hinten. Der Underdog aus Bochum legte eine unglaubliche Leidenschaft an den Tag. Nach dem Motto: "Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie", ging der VfL in dieser Achtelfinalpartie zu Werke. Klar, die Bayern hatten ihre Chancen. Sie hatten auch mehr Ballbesitz, aber zwingend war das alles nicht. In der Defensive kam Schlampigkeit dazu. Ein Beispiel aus der 26. Minute: Inui legte rechts im Strafraum in den Lauf von Aydin, der den Ball direkt flach und scharf herein passte. Am langen Pfosten bedankte sich Federico und drückte den Ball ins leere Tor zur Führung für den VfL. Die Bayern-Abwehr befand sich im kollektiven Tiefschlaf.

Kein Klassenunterschied zu erkennen

Der Treffer zeigte Wirkung: Robben und Co. wurden nun auch noch nervös. Als der Holländer nach einer lächerlichen Schwalbe Gelb sah, kochte das Stadion. Zum Glück für die Bayern pfiff Schiedsrichter Michael Weiner bald zur Pause. Jupp Heynckes' Kabinenansprache muss laut gewesen sein. Jedenfalls kam der Bundesliga-Herbstmeister viel energischer zurück. Erst traf Boateng mit einem Kopfball nur die Latte (48.). Nur vier Minuten erzielte Toni Kroos dann nach Vorarbeit von Mario Gomez das 1:1. Die Bochumer ließen den Bayern beim Ausgleich viel zu viel Platz. Und dennoch: Der VfL fightete zurück. Es entwickelte sich ein echter Pokalkrimi, in dem beide Mannschaften die Entscheidung suchten. Komischerweise gab es aber kaum weitere Tormöglichkeiten.

Als sich alle schon auf eine Verlängerung eingestellt hatten, schlugen die Bayern in der Nachspielzeit doch noch einmal zu. Einen schlimmen Fehlpass von Dabrowski nahm Lahm auf. Den darauf folgende Konter über Ribéry vollendete Robben in der ersten Minute der Nachspielzeit mit einem trockenen Flaschschuss zum 2:1 - typisch Bayern München. Danach war Schluss. Und fast alle elf Spieler des VfL Bochum sackten vor Enttäuschung auf dem Rasen zusammen. Der Zweitligist hatte ein tolles Pokalspiel hingelegt. Gegen pomadige Bayern war nie ein Klassenunterschied zu erkennen. Am Ende entschied ein einziger Fehler diese Partie.

Ibisevic knipst wieder

Bochum schnupperte also nur an der Sensation. Ein anderer Zweitligist vollbrachte sie: die SpVgg Greuther Fürth. Im fränkischen Derby gegen den 1. FC Nürnberg war ein Klassenunterschied noch weniger zu erkennen. Beflügelt durch den 5:0-Sieg zum Vorrundenabschluss gegen Union Berlin spielte Fürth auch gegen den Club entschlossen nach vorne und nutzte gleich die erste Unaufmerksamkeit der FCN-Abwehr eiskalt aus. Als Christopher Nöthe nach einer Viertelstunde einen Eckball von Heinrich Schmidtgal mit dem Kopf verlängerte, stand Prib völlig frei und köpfte zum 0:1 ein. Nach Gelb-Rot für Nehring rannten die Nürnberger in Überzahl wütend und viel zu konfus immer wieder auf das gegnerische Tor an, blieben aber bis zum Schluss ohne Erfolg. Greuther Fürth zog durch das 1:0 zum dritten Mal seit 2004 in die Runde der besten acht Teams im DFB-Pokal ein.

Zum fünften Mal erreichte schließlich 1899 Hoffenheim die Runde der letzten Acht. Gegen Bundesliga-Aufsteiger FC Augsburg gab es in einem niveauarmen Spiel einen 2:1-Sieg. Salihovic (23.) per Freistoß und Ibisevic (49.) trafen für Hoffenheim, Oehrl hatte kurz vor der Pause den zwischenzeitlichen Ausgleich für Augsburg erzielen können. Am Mittwoch werden in den Partien zwischen Hertha und Lautern, Holstein Kiel und Mainz, Stuttgart und dem HSV sowie Gladbach und Schalke die übrigen vier Viertelfinalisten ermittelt.


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