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DFB-Team: Nur das nackte Ergebnis zählt

Es sind zwar noch acht Monate bis zur WM, aber ab sofort gibt es für die deutsche Nationalmannschaft keine Schonfrist mehr. Die Partie in der Türkei läutet die "heiße Phase" der Vorbereitung ein.

Von Klaus Bellstedt

Es ist das vierte Testspiel der deutschen Nationalmannschaft in der laufenden WM-Saison. Am Samstag, 08.10.2005, trifft die DFB-Auswahl im Atatürk-Stadion von Istanbul auf die Türkei. Unentschieden, Niederlage, Sieg - die Nach-Confed-Cup-Bilanz der Klinsmann-Truppe liest sich durchwachsen, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Ob sich ausgerechnet das schwere Auswärtsspiel bei den stolzen Türken dazu eignet, das Schiff auf den richtigen Kurs zu bringen, bleibt abzuwarten.

Jürgen Klinsmann hat es nicht leicht in diesen Tagen. Der Ausfall der verletzten Schlüsselspieler Michael Ballack und Miroslav Klose, dazu das Bangen um den angeschlagenen Robert Huth. Eine optimale Vorbereitung auf zwei richtungweisende Test-Partien sieht ganz sicher anders aus. Und als hätte der Teamchef nicht schon genug Sorgen, hält Platzhirsch Oliver Kahn das leidige Torwart-Thema mit neuen (und völlig überflüssigen) Forderungen weiter am Köcheln. Noch was vergessen? Ach ja, der von Jürgen Klinsmann ausgemusterte Christian Wörns schießt Giftpfeile aus der Heimat in Richtung Bosporus ab und spielt die beleidigte Lebewurst.

Wie schneidet die Nationalmannschaft beim Testspiel in der Türkei ab?

Metzelder plötzlich wieder ein Thema

Per Mertesacker sagte im stern.de-Interview unter der Woche, dass die Mannschaft derzeit "aus dem Tritt geraten sei". Jetzt ist es Aufgabe des Trainers, sein Team zurück in die Erfolgsspur zu führen, er muss der Mannschaft wieder einen Rhythmus - auch und gerade was die Aufstellung betrifft - vorgeben. In der Türkei und drei Tage später beim Test gegen China wird ihm das nicht gelingen, schon allein aufgrund der Verletztenmisere. Um das vorherzusagen, muss man kein Prophet sein. Es ist das alte Dilemma, in dem der DFB-Coach steckt.

Gegen die Türkei kommt es nun also umso mehr auf den "zweiten Anzug" an. Dabei ruhen die Hoffnungen vor allem auf Tim Borowski. Als "gesetzter" Vertreter des verletzten Michael Ballack ist der Stellenwert des Bremers quasi über Nacht gestiegen. Bei dem blonden Werderaner verhält es sich ähnlich wie bei Rückkehrer Christoph Metzelder oder auch Routinier Oliver Neuville. Ihnen bietet sich urplötzlich die Chance - Einsatzzeit vorausgesetzt - mit einer überzeugenden Leistung innerhalb kürzester Zeit das WM-Ticket vielleicht schon vorzeitig zu lösen. Für Borowski wäre das keine große Überraschung, der Mittelfeldspieler gehört schon seit dem Confed Cup zum festen Kader. Von Christoph Metzelder dagegen hat vor wenigen Wochen im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft kein Mensch gesprochen.

Podolski einsatzbereit

"Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken und wollen den nächsten Schritt zur WM machen - ganz einfach", Klinsmanns Worte am Tag vor der Partie klingen eher wie Durchhalteparolen. Sein nicht immer ganz nachzuvollziehendes Konzept steht auf wackeligen Füßen - wofür er zugegebenermaßen nicht immer etwas kann. Aber das interessiert die Fans nicht. Für sie zählt acht Monate vor Beginn des Jahrhundertereignisses nur das nackte Ergebnis. Die Nationalmannschaft muss gerade gegen Teams wie die Türkei das Spiel bestimmen und erfolgreich sein. Gelingt das, schafft es Selbstvertrauen und Respekt. Scheitert man am Bosporus, muss sich Jürgen Klinsmann neue Kritik gefallen lassen.

Eine positive Nachricht erreichte den Trainer gut 24 Stunden vor dem Kräftemessen mit dem WM-Dritten von 2002 übrigens doch noch: Hoffnungsträger Lukas Podolski, der wegen einer Oberschenkel-Verletzung auszufallen drohte, kann nun doch mitwirken. Immerhin...

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