Aussortierter Hildebrand Spanien-Wechsel als Karriere-Killer


Das EM-Aus für Timo Hildebrand - der absolute Tiefpunkt eines desaströsen Jahres für den ehemaligen Stuttgarter Meistertorwart. Hatte sich Hildebrand von dem Wechsel ins sonnige Valencia einen Karriereschub versprochen, steht er nun vor einem Scherbenhaufen.
Von Nico Stankewitz

Wenn man jahrelang als ganz großer Hoffnungsträger für das Nationaltor gilt, bei der WM 2006 schon als dritter Torwart und Vertreter der jüngeren Generation im Kader stand, in der darauf folgenden Saison mit bärenstarken Leistungen ein entscheidender Spieler beim Gewinn der Meisterschaft für den VfB Stuttgart war, dann ist es schon erstaunlich, wenn man ein Jahr später nicht mehr im Kader für die Europameisterschaft steht.

"Wechselfehler" Valencia

Timo Hildebrand gehörte seit der WM immer als zweiter Torwart zum Aufgebot, die Nichtberücksichtigung für die EM ist ein Tiefschlag für den 29-Jährigen, der bisher sieben Länderspiele für Deutschland bestritten hat, aber es ist kein ganz unerwarteter Tiefschlag. Im Gegensatz zu Robert Enke und Rene Adler, die während einer gesamten Bundesligasaison konstant gute Leistungen abgeliefert haben, hat sich der Ex-Stuttgarter offensichtlich "verwechselt".

In Valencia geriet der deutsche Keeper von Anfang an in schweres Fahrwasser: Verpflichtet vom ehemaligen Manager Carboni gegen den erklärten Willen von Trainer Quique Flores, musste er sich zunächst mit der Reservebank begnügen, zumal der Manager schnell seinen Hut nehmen musste. Kenner der spanischen Liga hatten genau diese Entwicklung voraus gesehen, Stammtorwart Santiago Canizares sorgte auch nicht gerade für eine freundliche Aufnahme des Konkurrenten. Der ehemalige spanische Nationalkeeper verteidigte als Platzhirsch seinen Platz verbissen.

Koeman sorgt für die Wende

Das Blatt wendete sich für Hildebrand erst, als Flores Ende Oktober entlassen wurde und der Holländer Ronald Koeman für ihn das Zepter übernahm. Die Zahl der Einsätze wuchs ständig und der neue Trainer suspendierte schließlich den unzufriedenen Canizares - der Weg für Hildebrand schien frei. Doch Ruhe kehrte in Valencia nie ein und Zufriedenheit mit dem neuen Torwart auch nicht. Zu schwankend waren Hildebrands Leistungen im Verlauf der Saison, in der unruhigen Hafenstadt wurden ständig neue Keeper wie Koemans Landsmann Stekelenburg (Ajax Amsterdam) oder der Kameruner Kameni (Espanyol Barcelona) gehandelt.

Valencia rutschte auch mit Patzern ihres deutschen Keepers tief in den Abstiegssumpf, ein Debakel für den Club mit dem hinter Real und Barcelona teuersten Spielerkader Spaniens. Folgerichtig die Demission von Koeman im April, erst Interimstrainer Voro rettete den Traditionsclub und zweimaligen Champions-League-Finalisten vor dem Abstieg. Positiver Höhepunkt für Hildebrand war ein Klassespiel im Pokal-Halbfinale gegen Barcelona, wo eine gute Torwart-Leistung den Grundstein für den späteren Pokalsieg legte. Insgesamt waren Hildebrands Leistungen schwankend, wovon sich auch das Bundestrainerteam immer wieder überzeugen musste.

Gescheitert im Chaos

Ein eher introvertierter Typ wie der deutsche Torwart ist offenbar auch an dem chaotischen Umfeld gescheitert, nie hatte er in der Levante das Vertrauen von Vorstand und Umfeld, hier liegt auch die Ursache für den empfindlichen Karriereknick. Rein sportlich ist die von Hildebrand selbst ins Feld geführte "sportliche Weiterentwicklung auf internationalem Niveau" jedenfalls nicht sichtbar gewesen. Der ausgebootete (Ex-) Nationalkeeper zeigte sich "geschockt und irritiert", aber in diese Situation hat er sich - offenbar schlecht beraten - selber gebracht. Ein weiteres starkes Jahr in Stuttgart hätte ihn möglicherweise schon an sein Ziel gebracht: Den schwächelnden Arsenal-Ersatzkeeper Lehmann im Nationaltor abzulösen. Davon ist Timo Hildebrand weiter entfernt denn je.


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