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Niederlande - Italien: Drei Watschen für den Weltmeister

Schock für Italien zum Auftakt: In seinem ersten EM-Spiel kassierte der Weltmeister eine bittere 0:3-Pleite gegen die Niederlande. Ruud van Nistelrooy, Wesley Sneijder und Giovanni van Bronckhorst sorgten mit ihren Toren für Jubel in Orange. Italien droht jetzt das frühe Aus.

Mit dem ersten Sieg über Italien seit 30 Jahren haben die Niederlande den Weltmeister entzaubert und sich mit einem Schlag in der Hammergruppe C zum Turnier-Mitfavoriten aufgeschwungen. Die "Squadra Azzurra" erlebte bei der Fußball-Europameisterschaft beim bitteren 0:3 (0:2) gegen das "Oranje"-Team ihr blaues Wunder. Vor 38.777 Zuschauern im neuen Wankdorf-Stadion von Bern glänzten beim Europameister von 1988 vor allem zwei Stars von Real Madrid: Ruud van Nistelrooy brachte mit seinem 32. Tor im 62. Länderspiel die Niederlande in Führung (26.). Wesley Sneijder erhöhte an seinem 24. Geburtstag auf 2:0 (31.). Giovanni van Bronckhorst machte elf Minuten vor dem Ende alles klar.

Van Nistelrooy stach damit den frustrierten Bundesliga- Torschützenkönig Luca Toni vom FC Bayern München aus. Das Duell der befreundeten Trainer Marco van Basten und Roberto Donadoni, die sich seit gemeinsamen Zeiten beim AC Mailand kennen, gewann der nach dem Turnier zu Ajax Amsterdam wechselnde van Basten. "Ein schwarzer Abend. Wir haben Tore kassiert und waren ziemlich naiv dabei. Wir müssen diese Niederlage akzeptieren. Wir haben noch zwei Spiele und an die müssen wir denken", sagte Donadoni. "Es gibt Spiele, die leider so verlaufen. Man versucht es und versucht es." Noch nie zuvor hatte Italien ein EM-Auftaktspiel verloren.

Starkes HSV-Trio

"Das macht uns unglaublich stolz. Das erste Spiel ist immer unglaublich wichtig und so gegen Italien zu gewinnen, das gibt uns viel Selbstvertrauen", meinte Torschütze Sneijder. "Ich habe nicht gewagt, von so einem Start zu träumen." Van Basten wollte von der Favoritenrolle nichts wissen: "Wir haben erst ein Spiel gemacht. 3:0 zu gewinnen gegen Italien mit so viel Erfahrug und so viel Qualität, das haben wir nicht erwartet. Es war wirklich eine gute Leistung der ganzen Mannschaft."

Mit einer starken Hamburger Fraktion waren die Niederländer aufgelaufen: Neben Regisseur Rafael van der Vaart standen auch Nigel de Jong und Joris Mathijsen in der Anfangsformation - zudem überraschend der frühere HSV-Profi Khalid Boulahrouz vom FC Sevilla, der erst kurzfristig nachnominiert worden war.

Als Vertreter des verletzten Fabio Cannavaro spielte auf italienischer Seite ebenfalls ein "alter Bekannter": Marco Materazzi, dessen Privatduell mit Zinedine Zidane vom WM-Finale 2006 die Fußball-Welt in helle Aufregung versetzt hatte, rückte in die italienische Innenverteidigung. Kapitän Cannavaro wurde jedoch schmerzlich als Abwehrorganisator vermisst.

Die erste Szene gehörte nicht van Nistelrooy, sondern Toni: Der Bayern-Profi konnte sich in der 12. Minute nach einer Flanke von Gennaro Gattuso absetzen - sein Kopfball ging allerdings deutlich am Tor vorbei. Im Duell der beiden 31-Jährigen Stürmerstars stand dann aber van Nistelrooy im Blickpunkt: In der 18. Minute hatte er nur noch Gianluigi Buffon vor sich. Der herausstürmende Torhüter brachte den Torjäger ins Straucheln, aber er fiel nicht - und Schiedsrichter Peter Fröjdfeldt aus Schweden pfiff auch keinen Elfmeter.

"Oranje" zelebriert Traumfußball

Nach 41 Treffern in den beiden vergangenen Jahren in der spanischen Primera Division war "van Nistelgols" Torhunger noch lange nicht gestillt. Nach einem Schuss von Sneijder konnte der Niederländer ungehindert zur Führung einschießen. Die Italiener protestierten heftig, doch der hinter der Torauslinie liegende Christian Panucci hatte das Abseits aufgehoben. Nur fünf Minuten später zelebrierte "Oranje" Traumfußball: Ein glänzender Angriff über den wild entschlossenen Giovanni van Bronckhort und Dirk Kuyt, der für den verletzten Real-Profi Arjen Robben spielte, vollendete Sneijder zum 2:0. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Italiener bereits so viele Gegentore bekommen wie während der gesamten WM 2006 in Deutschland.

Zwei Minuten vor dem Wechsel hätte van Nistelrooy alles klar machen können, doch er scheiterte an Buffon. Gegen die weiterhin überlegenen Niederländer fehlte dem EM-Favoriten eindeutig der Chef. Auch der eingewechselte Alessandro del Piero, Torschützenkönig der Serie A, konnte die Wende beim vierfachen Weltmeister nicht einleiten. Toni mit einem Heber aus ausichtsreicher Position, aber weit über das Tor, sowie Fabio Grosso und Pirlo vergaben in der Schlussphase gegen den hervorragenden Edwin van der Sar noch vielversprechende Chancen, ehe van Bronckhorst für die Entscheidung sorgte.

Bernhard Krieger und Ulli Brünger/DPA / DPA

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