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Portugal - Türkei: Souveräner Sieg für Portugal

Nicht Superstar Cristiano Ronaldo, sondern Innenverteidiger Pepe und der eingewechselte Raul Meireles sicherten Portugal mit ihren beiden Toren einen hochverdienten 2:0-Sieg gegen die Türkei. Der Angreifer von Manchester United spielte engagiert, hatte aber Pech, als er nur den Pfosten traf.

Abwehrspieler Pepe hat Weltstar Cristiano Ronaldo die Show gestohlen und Vize-Europameister Portugal zu einem gelungenen EM-Auftakt verholfen: Mit seinem ersten Länderspieltor (61.) leitete der überragende Innenverteidiger von Real Madrid in Genf das 2:0 (0:0) gegen EM-Rückkehrer Türkei ein. Der eingewechselte Raul Meireles machte in der zweiten Minute der Nachspielzeit alles klar. 29.106 Zuschauer im Stade de Genève sahen einen mäßigen Cristiano Ronaldo und einen umsichtigen deutschen Schiedsrichter Herbert Fandel. Der Konzertpianist aus Kyllburg bewies bei seinem ersten EM-Einsatz in der schwer zu leitenden Partie Fingerspitzengefühl. Portugal übernahm durch diesen Erfolg die Tabellenführung in der Gruppe A.

"Es war ein sehr wichtiges Tor für mich. Ich liebe es, für mein Land zu spielen, und ich freue mich, dass es so gut für uns gelaufen ist", sagte Pepe, "ich habe meinem Team geholfen, das war das Wichtigste." Sein Coach Luis Felipe Scolari war hochzufrieden: "Zu Beginn eines Turniers ist ein Sieg immens wichtig. Bei drei Spielen sind dies 50 Prozent. Jeder weiß, bei sechs Punkten ist man weiter. Ich fand meine Mannschaft sehr gut. Wir haben einen schönen, technisch starken Fußball gespielt."

Schwächen in der Viererkette

Die Portugiesen, mit immerhin sechs Finalisten von der EURO 2004 in der Anfangsformation, wollten die übernervösen Türken mit einem Turbostart überraschen. Mit rasantem Direktspiel offenbarte das Team von Trainer Luiz Felipe Scolari immer wieder organisatorische Schwächen in der schlecht gestaffelten türkischen Viererkette, in der Bayern-Profi Hamit Altintop auf der ungeliebten Position des rechten Verteidigers beginnen musste.

Spielerische Phantasie

In der 16. Minute sorgte Portugals Verteidiger Pepe für die erste Sehenswürdigkeit dieser Partie, als der Vereinskollege von Christoph Metzelder eine Simao-Flanke ins Tor köpfte - das deutsche Schiedsrichter-Trio erkannte den Treffer wegen Abseitsposition nicht an. Simaos Freistoß in der 28. Minute ging knapp drüber, und in der 37. Minute setzte der bis dahin enttäuschende Cristiano Ronaldo einen Freistoß-Kracher aus halblinks an den rechten Innenpfosten.

Portugals Geduldsspiel ging auch nach der Pause zunächst weiter. Nach einem Totalaussetzer von Gökhan traf Portugals Kapitän Nuno Gomes in seinem 70. Länderspiel ebenfalls nur den Innenpfosten (49.). Angetrieben vom starken Deco wussten die "europäischen Brasilianer" mit spielerischer Phantasie und hoher Laufbereitschaft zu gefallen. Nach einem blitzsauberen Doppelpass mit Nuno Gomes gelang Pepe das 1:0 (61.). 180 Sekunden später scheiterte Nuno Gomes erneut an der Latte.

"Endspiel" gegen die Schweiz

Die großangekündigte Wiedergutmachung der Türken nach dem Verpassen der EM 2004 und der WM 2006 blieb dagegen ein leeres Versprechen. In der Offensive fand der enttäuschende WM-Dritte von 2002 nicht statt. Erst in der 82. Minute hatte Emre Asik die erste und einzige Torchance. So wird das Duell am Mittwoch gegen die Schweiz bereits zu einem Endspiel. Bei einer erneuten Niederlage ist das Turnier für die Türken bereits nach zwei Begegnungen praktisch beendet.

Portugals Defensivverbund um die sicheren Pepe und Ricardo Carvalho in der Mitte und den Doppel-Sechsern Joao Moutinho und Petit verlebte in Genf eine überraschend ruhige Abendschicht. Bundesliga-Profi Fernando Meira (VfB) durfte erst Sekunden vor dem Abpfiff ran. Dem dritten Einwechselspieler bei den Portugiesen, Raul Meireles, gelang schließlich in der Nachspielzeit die Entscheidung.

Morten Ritter und Ulli Brünger/DPA / DPA

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