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EM 2012 Spanien steht wieder im EM-Finale - Sieg im Elfmeterschießen


Portugal war stark. Portugal hat gezeigt, wie Spaniens Spielfreude einzudämmen ist. Für den Sieg im EM-Halbfinale reichte das aber noch nicht. Spanien siegte im Elfmeterschießen und träumt weiter vom dritten Titel in Folge.

Als zweite Mannschaft in der Geschichte des Weltfußballs ist Spanien zum dritten Mal in Folge in ein Finale eines großen Turniers eingezogen – zuvor war das nur Deutschland zwischen 1972 und 1976 gelungen. Im EM-Finale am Sonntag will die Furia Roja dann als erstes Team auch den dritten Titel in Serie gewinnen, der Gegner heißt dann Deutschland oder Italien.

Portugal hatte das Elfmeterschießen mit einer tollen taktischen Leistung erreicht. Die Seleccao griff erstaunlich früh an, schnitt damit die Passwege über fast die gesamte Spielzeit ab und versuchte über Konter zum Erfolg zu kommen. Da das zu selten gelang und Spanien nicht die richtige Antwort auf das taktische Mittel der Portugiesen fand, fielen in 120 Minuten keine Tore.

Im Elfmeterschießen wollte Cristiano Ronaldo der Held für Portugal sein, doch durch den Fehlversuch von Bruno Alves kam der Superstar gegen seinen Vereinskollegen Iker Casillas gar nicht zum Schuss. Der eingewechselte Cesc Fabregas verwandelte als fünfter Schütze für Spanien wurde so zum Garanten für den dritten Finaleinzug. Zuvor hatten Andres Iniesta, Gerard Pique und Sergio Ramos für Spanien verwandelt, auf portugiesischer Seite hatten Pepe und Nani getrotten. Begonnen hatte das Elmeterschießen mit Fehlversuchen von Xabi Alonso und Joao Moutinho.

Überraschung Negredo rechtfertigt Nominierung nicht

Beide Trainer veränderten ihre in vier EM-Spielen erprobte Startaufstellung nur wenig, Spaniens Coach Vicente del Bosque hatte aber eine Überraschung parat. Statt der Doppel-Torschützen Fernando Torres und Cesc Fabregas, die sich bisher als richtige oder falsche Neun abgewechselt hatten, spielte Alvaro Negredo vom FC Sevilla.

Negredo hatte von del Bosque die Aufgabe mitbekommen, Portugals Torwart Rui Patricio früh anzulaufen – die fußballerischen Schwächen des Keepers von Sporting Lissabon sind natürlich auch in Spanien bekannt. Ansonsten konnte der Stürmer seine Nominierung in der ersten Halbzeit nicht rechtfertigen, was aber auch an der guten Defensivarbeit der Portugiesen lag.

Für den verletzten Helder Postiga hatte Trainer Paulo Bento wie erwartet den Ex-Bremer Hugo Almeida in den Angriff gestellt. Bemerkenswert war aber die Gesamt-Ausrichtung der Seleccao, die in der ersten halben Stunde nur zwei spanische Torchancen zuließ. Rechtsverteidiger Alvaro Arbeloa schoss nach toller Kombination über Jordi Alba und Andres Iniesta deutlich über das Tor (9.), Iniestas Schlenzer war schon deutlich knapper (27.).

Portugal belagert die spanische Hälfte

Bento hatte sein Team extrem hoch verteidigend auf den Rasen in der Donbass Arena in Donezk geschickt. Zeitweise standen sechs oder sieben portugiesische Spieler in Spaniens Hälfe und störten so das ansonsten so sichere Aufbauspiel des Welt- und Europameisters. Spaniens Innenverteidiger hatten große Probleme, den Ball ins Mittelfeld zu tragen – Sergio Busquets kam in der ersten Halbzeit nur auf 29 Ballkontakte (Quelle: sky/opta), den Spielaufbau konnte er deshalb zu selten ankurbeln.

Portugals Spiel war couragiert, überraschend und innovativ. Es war aber auch laufintensiv, kräfteraubend und gefährlich – denn eine Option für 90 oder gar 120 Minuten kann eine solche Aufteilung kaum sein. Und dafür erarbeitete sich die Seleccao zu wenige Torchancen. Cristiano Ronaldo schoss knapp am Pfosten vorbei (31.), mehr Gefährliches war nicht zu verzeichnen.

Spanien kommt weiterhin nicht ins Spiel

Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde auf der spanischen Bank viel diskutiert, del Bosque schien überrascht vom Spielverlauf. Trotzdem änderte er personell zunächst nichts. Portugal hatte außer dem Kräfteverschleiß natürlich keinen Grund, etwas zu ändern. Tatsächlich griff die Bento-Elf auch zu Beginn der zweiten 45 Minuten sehr hoch an, chancenarm blieb es trotzdem.

Mit zwei Wechseln reagierte del Bosque dann doch. Fabregas kam für den wirkungslosen Negredo (54.) und Jesus Navas (für David Silva/61.) sollte die rechte Seite im Rücken von Ronaldo gefährlicher machen. Während auf den Tribünen die La Ola umherwanderte, spielte sich auf dem Rasen vieles in der Zentrale ab, in den Sechzehner schafften es beide Teams nur sehr selten.

Taktisch war es, gerade auch aus deutscher Sicht als Anschauungsunterricht für das Finale, eine der interessantesten Partien der EM, Freunde des Spektakels wurde allerdings nicht bedient. Portugal vermisste einen erstklassigen Mittelstürmer, der in der ersten Halbzeit wirkungslose Almeida schloss innerhalb kürzester Zeit zweimal harmlos ab (57./58.).

Konditionell auf Augenhöhe

Kurioserweise machten sich die zu erwartenden konditionellen Vorteile für Spanien auch im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte nicht bemerkbar, was an den zwei fehlenden Tagen Regeneration liegen könnte. Portugal hatte den Spaniern mit ihren Maßnahmen die Lust am Spielen genommen, das typische direkte Spiel zeigte die Furia Roja nur ganz selten.

Bevor es dann in die Verlängerung ging, hatten die Portugiesen noch die eine Riesenchance, die den Finaleinzug hätte bedeuten können. Ein Konter landete bei Raul Meireles, der Mittelfeldspieler des FC Chelsea marschierte durchs Mittelfeld und bediente Ronaldo, der Superstar schloss aber viel zu überhastet ab (90.). Viel zu tun hatte auch Schiedsrichter Cüneyt Cakir, der Türke musste in den zeitweilig hitzigen 90 Minuten insgesamt acht Mal die Gelbe Karte zücken.

Auch nach Ablauf der regulären Spielzeit änderte sich am Spiel wenig. Viel passierte im Mittelfeld, beide Teams hofften auf die eine, entscheidende Standardsituation oder eine Einzelleistung. In der 104. Minute hatten die Spanier dann tatsächlich die Gelegenheit zur Führung, nach toller Vorarbeit von Alba scheiterte Iniesta aber aus kurzer Distanz an Patricio. Folgerichtig ging es ins Elfmeterschießen mit dem positiven Ende für Spanien.

Marcus Krämer

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