HOME

Stern Logo EM 2012

Strafanzeige: Özil wehrt sich gegen rassistische Hetze

Wieder einmal muss sich ein deutscher Nationalspieler gegen rassistische Hetze zur Wehr setzen. Das Management von Mesut Özil hat Anzeige erstatt. Während des Spiels gegen Dänemark hieß es in einem Twitter-Account: "Özil ist kein Deutscher".

Das Management von Mesut Özil hat wegen rassistischer Hetze gegen den Fußball-Nationalspieler im Internet Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der in Gelsenkirchen geborene Deutsch-Türke Özil will sich selbst bis zum EM-Viertelfinale der deutschen Mannschaft am Freitag gegen Griechenland nicht zu dem Vorfall äußern. Mit der Stafanzeige wolle man vor allem Nachahmer und Trittbrettfahrer verhindern, sagte Özils Medienberater Roland Eitel am Dienstag. Mustafa Özil, Vater des Real-Stars, wolle, "dass der Täter ermittelt wird".

Während des letzten Gruppenspiels des DFB-Teams am Sonntag in Lwiw gegen Dänemark (2:1) war über einen Twitterkanal die Nachricht verbreitet worden: "Özil ist garantiert kein Deutscher! Ein Stück Papier ändert nicht die Abstammung." In der Natinalmannschaft sollten nur noch Spieler mit deutschklingenden Namen eingesetzt werden, wurde zudem getwittert.

"Rassistische Kackscheiße"

Der Vorfall belaste die Familie nicht, "aber es trifft uns", kommentierte Mustafa Özil gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA) den Vorfall. "Mesut ist in Deutschland geboren, hat mehr für Deutschland getan und auch für die Integration anderer Menschen als viele andere", so Mustafa Özil. Sein Sohn habe auch seinen Teil dazu beigetragen, dass "dieses Bild des modernen Deutschland nach außen getragen wurde". Zur Anzeige habe man sich nicht zuletzt deshalb entschlossen, weil es nicht um den Mittelfeldstar allein gehe. "Morgen ist es vielleicht Boateng, übermorgen Khedira, dann auch noch Gündogan und am Ende Podolski. Das geht doch nicht." Die Hetze vom Sonntag sei nicht der erste Fall dieser Art und auch kein Einzelfall, doch man wolle dies nun nicht mehr hinnehmen - "auch im Sinne der anderen Spieler."

Nach übereinstimmenden Medieninformationen war das Twitter-Profil unter dem Namen "@PiratenOnline" angelegt worden. Julia Schramm, Bundesvorstandsmitglied der Piraten-Partei, hatte sich sofort von den Aussagen gegen den 23-jährigen Profi von Real Madrid distanziert und die Twitter-Nachricht als "rassistische Kackscheiße" bezeichnet. Nach rund 3000 Tweets und zahlreichen Protesten hatte der Kurznachrichtendienst Twitter das Profil geschlossen.

dho/DPA / DPA

Wissenscommunity