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Achtelfinal-Krimi "Ich habe versagt": Wie Kylian Mbappé in 120 Minuten zur tragischen Figur wurde

EM 2021: Sommer wird Elfer-Held für die Schweiz – Weltmeister Frankreich ist raus
Sehen Sie im Video: Sommer wird Elfer-Held der Schweizer – Weltmeister Frankreich ist raus.




Das war es für Frankreich, der Fußball-Weltmeister ist aus der EM ausgeschieden. Die Schweizer Nationalmannschaft besiegte "Les Bleus" mit 5:4 im Elfmeterschießen. Nach 90 Minuten plus Verlängerung hatte es zunächst 3:3 gestanden. Lange Gesichter bei den französischen Fans nach dem Spiel in der rumänischen Hauptstadt Bukarest am Montagabend. "Es war kompliziert, sehr hart. Diese Angriffsstrategie war nicht gut, glaube ich. Wir hätten besser schießen können." "Die Schweizer haben gut gespielt. Das müssen wir zugeben. Es war ein gutes Spiel, das nur letztlich nicht gut ausging. Beim nächsten Mal, abwarten." Daheim in Paris: Entsetzen nach der EM-Aus: "Das hat mich vor allem an die Weltmeisterschaft erinnert als wir sehr schlecht gestartet waren und es sehr gut beenden konnten. Und jetzt ist es schon etwas enttäuschend. Für mich als Französin ist das hart." Die Schweiz steht damit im Viertelfinale und trifft als nächstes auf die Spanier. Die hatten ebenfalls am Montag 5:3 gegen Kroatien gewonnen.
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Kylian Mbappé sollte die stolze Equipe Tricolore zum nächsten EM-Titel schießen. Doch im Achtelfinale gegen die Schweiz versagten dem 22-jährigen Jahrhunderttalent aus elf Metern die Nerven. Und ein bisschen war das abzusehen.

0:45 Uhr Ortszeit. Arena Națională Bukarest. Frankreichs Mittelstürmer Kylian Mbappé schickt den Ball mit seinem rechten Fuß aus elf Metern auf die Reise Richtung Tor. Eine der leichtesten Übungen für einen Fußballer seines Formats. Könnte man meinen. Doch das 22-jährige Jahrhunderttalent bringt die Kugel nicht am Schweizer Torwart Yann Sommer vorbei. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem spektakulären 4:3 im WM-Achtelfinale gegen Argentinien besiegelt Mbappés Fehlschuss das Aus des amtierenden Weltmeisters. Ausgerechnet Mbappé könnte man nun sagen. Doch das trifft es irgendwie nicht. Folgerichtig Mbappé passt besser. Denn der Stürmer von Paris St. Germain blieb in allen vier EM-Spielen nicht nur torlos, sondern auch meilenweit unter seinen herausragenden Möglichkeiten.

EM 2021: Kylian Mbappé Sekunden nach dem verschossenen Elfmeter zwischen jubelnden Schweizern
Schockstarre bei Kylian Mbappé: Die Schweizer Spieler jagen Torhüter Yann Sommer. Mittendrin die tragische Figur des Spiels. 
© Franck Fife / AFP

Überirdisch. Von einem anderen Stern. Von wegen.

Sinnbildlich für das verkorkste Turnier Mbappés ist die 111. Minute des Achtelfinals gegen die Schweiz. Beinahe kläglich jagt er den Ball nach einem Traumpass von Paul Pogba aus wenigen Metern mit links weit am Kasten von Yann Sommer vorbei. Ausgelaugt und sichtlich angezählt, steht er danach mit schmerzverzerrtem Gesicht an der Werbebande. Der Mann, der Paris St. Germain zwei Mal zur französischen Meisterschaft schoss. In der abgelaufenen Saison traf er 27 Mal. Und dabei übrigens sechs Mal vom Elfmeterpunkt. Kein Fehlschuss. Der Mann, der bei der WM 2018 im zarten Alter von 19 Jahren vier Tore zum glanzvollen Triumph der Equipe Tricolore beisteuerte. Überirdisch. Von einem anderen Stern. Unmenschlich. Was Kylian Mbappé danach nicht alles über sich lesen durfte. Und nun? 

"Ich habe versagt", twitterte er rund 30 Minuten nach dem verhängnisvollen Elfmeter kleinlaut aus der Kabine. Er habe dem Team helfen wollen, versucht sich Mbappé zu rechtfertigen. "Es wird mir schwer fallen, Schlaf zu finden, aber auch das gehört zu dem Sport, den ich so sehr liebe", schreibt er weiter an seine Fans. Fast 150.000 seiner mehr als sechs Millionen Follower trösten den traurigen Kicker mit einem virtuellen Herz. Mehr als 8000 schreiben sich den Frust von der Seele und versuchten ihr Idol mit Kommentaren aufzumuntern.

"Kleine Diva": Wagner teilt gegen Mbappé aus

Kaum Mitleid hatten die ZDF-Kommentatoren Oliver Schmidt und Sandro Wagner mit Mbappé und den Franzosen. Jedenfalls nicht in der ersten Halbzeit. "Selbstgefällig" nannte Schmidt das zunächst seltsam uninspirierte und einfallslose Spiel der Elf des Weltmeisters. Und Ex-Bayern-Stürmer Wagner wollte gar divenhafte Züge an Mbappé erkannt haben. 23 Zweikämpfe bestritt der in den 120 Minuten. Ganze sieben entschied er gegen die bissigen Schweizer für sich. Sechs Mal zielte er aufs Tor von Sommer. Der musste kein einziges Mal eingreifen. Die 22 Akteure hätten noch zwei Stunden weiterspielen können. Mbappè wäre an diesem Abend wohl ohne Tor geblieben. Wahrlich nicht die besten Voraussetzungen, um vor Selbstvertrauen strotzend zum Elfmeterpunkt zu schreiten. Und genau das sah man Mbappé irgendwie schon auf dem Weg zum Strafraum an. Hatte Trainer Didier Deschamps ihn dazu verdonnert, den fünften Elfmeter zu schießen? Oder wollte sich Mbappé selbst nach einem dürftigen Auftritt noch zum Held des Abends krönen? Niemand könne ihm böse sein, dass er beim letzten Elfmeter die Verantwortung übernommen habe, klärte Deschamps auf und stellte sich nach dem Spiel zugleich hinter die tragische Figur des Abends.  

Weltfußballer müssen mit Rückschlägen und Niederlagen klar kommen. Das weiß auch Kylian Mbappé. Er werde aufstehen und stärker zurückkommen. Das versprach er trotz aller Enttäuschung in seinem Tweet.  


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