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Elfmeter-Krimi Die Hand Sommers: Warum der Held von Bukarest nach seiner Parade mit dem Jubel zögerte

EM 2021: Sommer wird Elfer-Held für die Schweiz – Weltmeister Frankreich ist raus
Sehen Sie im Video: Sommer wird Elfer-Held der Schweizer – Weltmeister Frankreich ist raus.




Das war es für Frankreich, der Fußball-Weltmeister ist aus der EM ausgeschieden. Die Schweizer Nationalmannschaft besiegte "Les Bleus" mit 5:4 im Elfmeterschießen. Nach 90 Minuten plus Verlängerung hatte es zunächst 3:3 gestanden. Lange Gesichter bei den französischen Fans nach dem Spiel in der rumänischen Hauptstadt Bukarest am Montagabend. "Es war kompliziert, sehr hart. Diese Angriffsstrategie war nicht gut, glaube ich. Wir hätten besser schießen können." "Die Schweizer haben gut gespielt. Das müssen wir zugeben. Es war ein gutes Spiel, das nur letztlich nicht gut ausging. Beim nächsten Mal, abwarten." Daheim in Paris: Entsetzen nach der EM-Aus: "Das hat mich vor allem an die Weltmeisterschaft erinnert als wir sehr schlecht gestartet waren und es sehr gut beenden konnten. Und jetzt ist es schon etwas enttäuschend. Für mich als Französin ist das hart." Die Schweiz steht damit im Viertelfinale und trifft als nächstes auf die Spanier. Die hatten ebenfalls am Montag 5:3 gegen Kroatien gewonnen.
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In der heißen Fußballnacht von Bukarest avancierte der Schweizer Yann Sommer zum großen Matchwinner. Doch nach seiner entscheidenden Parade gegen Frankreichs Kylian Mbappé zögerte er beim Jubel. Warum?

Die kleine Nayla wird stolz auf ihren Papa sein, wenn sie in einigen Jahren die Bilder vom EM-Achtelfinale an diesem denkwürdigen Montagabend in Bukarest anschaut. Nayla wurde am 16. Juni geboren und ist die kleine Tochter des Schweizer Nationaltorhüters Yann Sommer. Der parierte kurz vor Mitternacht einen Elfmeter von Frankreichs Kylian Mbappé. Es war der entscheidende. Der Elfmeter, der die Eidgenossen zum ersten Mal seit 1954 wieder ins Viertelfinale einer Welt- oder Europameisterschaft brachte. Mit dem linken Handschuh wehrte Sommer den wenig überzeugenden Schuss Mbappés ab. Doch statt direkt in die Kurve mit den ekstatischen Schweizer Fans zu stürmen, verharrte der 32-Jährige noch einige Momente wie angewurzelt vor dem Kasten. Warum?

Sommer bremst Teamkollegen beim Jubeln aus

Unmittelbar vor dem Elfmeterschießen hatte sich der argentinische Schiedsrichter Fernando Rapallini Sommer und seinen französischen Torwartkollegen Hugo Lloris zur Brust genommen. Offenbar, um sie eindringlich an das mittlerweile durchaus komplexe (und sich immer wieder ändernde) Regelwerk beim Shoot-out zu erinnern. So müssen die Füße des Torwarts bis zur Ausführung des Elfmeters die Torlinie berühren. Im Moment des Schusses soll zumindest ein Fuß die Torlinie berühren. Penibel kontrolliert wird das von einem der beiden Assistenten.

EM 2021: Yann Sommer pariert den Elfmeter von Kylian Mbappé
Der Schweizer Keeper Yann Sommer avancierte im EM-Achtelfinale gegen Weltmeister Frankreich zum Held des Abends. Er parierte den zehnten und entscheidenden Elfmeter von Kylian Mbappé.
© Daniel Mihailescu / Getty Images

Und natürlich vom gefürchteten Video Assistent Referee, kurz: VAR. Bei einem solch wichtigen Spiel guckt der natürlich besonders genau hin. Das wusste Sommer. Und statt sich direkt wie von Sinnen das Trikot vom Leib zu reißen, um Momente später jäh ausgebremst zu werden, ging Gladbachs Keeper lieber auf Nummer sicher. Es muss sich wie eine kleine Ewigkeit angefühlt haben. Trotzdem behielt Sommer die Nerven. Selbst seine heranstürmenden Teamkollegen bremste er noch kurz aus. Kurz bevor die über ihren Keeper herfallen konnten, erlöste der Unparteiische Sommer und eine ganze Nation mit dem Schlusspfiff.

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Und die Fernsehbilder belegten später, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war. Als Mbappé den Ball auf die Reise schickte, stand Sommer mit dem linken Fuß noch auf der Torlinie. Zwei Sekunden später klatschte die Kugel an seinen Handschuh.

Die Nummer 1 von Borussia Mönchengladbach wird die lange Nacht von Bukarest sicher nicht so schnell vergessen. "Ich stehe immer noch ein bisschen neben mir", stammelte er nach dem Spiel ins ZDF-Mikrofon. In der Schweiz ist er spätestens seit diesem Abend eine lebende Legende. Ganz nebenbei überflügelte er mit seinem 65. Länderspiel Erich Burgener als Rekord-Torhüter der Nati. Und auch davon wird Sommer seiner kleinen Tochter Nayla in ein paar Jahren mit leuchtenden Augen erzählen.

js

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