EM-QUALIFIKATION Völler: »Hätten mehr Tore machen müssen«


Mit einem souverän herausgespielten 2:0 Pflichtsieg in Litauen hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Favoritenrolle in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 untermauert.

Mit einem souverän herausgespielten 2:0 (1:0)- Pflichtsieg in Litauen hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Favoritenrolle in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 untermauert. Vier Stunden nach der 2:2-Blamage des vermeintlich schärfsten Konkurrenten Schottland gegen die Färöer-Inseln gab sich der Vize-Weltmeister am Samstagabend in Kaunas keine Blöße und übernahm sofort die Tabellenspitze der Qualifikationsgruppe 5.

Nach der Führung durch den überragenden Michael Ballack (27.) sorgte vor 8500 Zuschauern im Stadion Darius Girenas ein Eigentor von Marius Stankevicius (59.) für den standesgemäßen Erfolg der Elf von Rudi Völler, die zwar keinen Glanz verbreitete, sich die drei Punkte aber durch eine nüchterne und abgeklärte Vorstellung verdiente. Zweiter Gegner des DFB auf dem Weg zur EURO 2004 in Portugal sind am 16. Oktober in Hannover die Färöer-Inseln.

»Ich bin zufrieden, dass wir 2:0 gewonnen haben. Die Mannschaft hätte aber das eine oder andere Tor mehr machen können oder sogar müssen. Leider haben wir aus guten Situationen zu wenig gemacht«, hob Völler die mangelnde Chancenverwertung als einziges Manko hervor. Zufrieden war der Teamchef damit, dass seine Mannschaft »mit breiter Brust aufgetreten« war: »Da hat uns auch die Weltmeisterschaft geholfen.«

»Es war ein undankbares Spiel, denn jeder hat einen klaren Sieg erwartet. Aber wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir hier nichts aufkommen lassen wollen«, lobte Torhüter Oliver Kahn seine Vorderleute, die sich im ersten Pflichtspiel seit dem WM-Finale in Yokohama konzentriert und entschlossen präsentierten. Die Mannschaft beherzigte Völlers eindringlichen Warnungen und ließ gegen die robusten, aber spielerisch hausbackenen Litauer nie Zweifel am Erfolg aufkommen. Gestützt auf eine von Carsten Ramelow gut organisierte Abwehr übernahm das Team sofort das Kommando und setzte die Balten vor allem über die rechte Seite unter Druck.

Im Mittelfeld überragten Dietmar Hamann als Sicherung vor der Deckungsreihe und Michael Ballack als Antreiber und Torschütze. Der Neu-Münchner, der mit seinem elften Länderspiel-Treffer unterstrich, dass er im Nationaltrikot immer mehr zum Mann für die wichtigen Tore wird, ist sich auch für Abwehraufgaben nicht zu schade. 60 Sekunden nach seinem Treffer zum 1:0 verhinderte er durch energisches Eingreifen gegen Saulius Mikalajunas an der Strafraumgrenze den drohenden Ausgleich. Auf der rechten Seite bemühten sich Torsten Frings und Bernd Schneider mit großem Einsatz um den Spielaufbau, allerdings fehlte ihren Pässen und Flanken bisweilen die Präzision.

Dagegen erwies sich auf der linken Seite Jörg Böhme bei seinem Comeback im DFB-Trikot nach fünfmonatiger Pause häufig als Sicherheitsrisiko. Der Schalker offenbarte taktische Schwächen, verlor Zweikämpfe und lieferte auch nicht die von Völler geforderten Impulse nach vorne. Wenig Wirkung ging auch von den beiden Spitzen aus. Dem bei Udinese Calcio auf den Saisonstart wartenden Carsten Jancker war die fehlende Spielpraxis anzumerken. Auch Sturmpartner Miroslav Klose, inzwischen seit 488 Minuten ohne Länderspiel- Torerfolg, agierte ohne Durchschlagskraft.

Trotz deutlicher Feldvorteile von Beginn an kam die deutsche Mannschaft eine halbe Stunde lang nur selten gefährlich vor das Tor des früheren Duisburgers Gintaras Stauce. Die Kombinationen liefen meist nur bis zum Strafraum flüssig, dann war gegen das Bollwerk der groß gewachsenen litauischen Abwehrspieler Endstation. So verlegten sich die Gäste vermehrt auf Schüsse aus der zweiten Reihe. Nachdem Schneider (26.) den unsicher wirkenden Stauce erstmals auf die Probe gestellt hatte, zielte Ballack 60 Sekunden später haargenau. Der Neu- Münchner nahm einen Querpass direkt auf und jagte den Ball aus 22 Metern flach an dem sich streckenden Stauce vorbei zum 0:1 ins Netz.

Wenig später hätte auch Klose seine Torflaute im Nationaltrikot beinahe beendet, doch Litauens Keeper konnte den Kopfball des Lauterer Torjägers nach Flanke von Böhme (29.) mit großer Mühe parieren. Schrecksekunde für die bis dahin kaum geforderte deutsche Hintermannschaft, als Mikalajunas (32.) plötzlich frei zum Schuss kam und Oliver Kahns Gehäuse knapp verfehlte.

Durch einige Nachlässigkeiten zu Beginn der zweiten Hälfte brachte sich die deutsche Elf vorübergehend aus dem Rhythmus und den Gegner ins Spiel. Angesichts der mutiger werdenden Litauer gelang der deutschen Mannschaft zu einem wichtigen Zeitpunkt das zweite Tor, als Stankevicius eine Flanke von Frings völlig unbedrängt ins eigene Tor köpfte. Damit war der Widerstand der Balten gebrochen. In der 66. Minute vereitelte Stauce mit einem Reflex einen weiteren Treffer von Ballack.


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