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Erschöpfungssyndrom: Ralf Rangnick ist am Ende

Ralf Rangnick kann nicht mehr. Diagnose: vegetatives Erschöpfungssyndrom. Der Fußballtrainer hat den Kampf gegen seinen Körper nach vielen Aufs und Abs verloren.

Von Wigbert Löer

So einer also auch. Einer, der nicht unbedingt sensibel wirkte. Einer, der sich vielen intellektuell und rhetorisch überlegen glaubte und mit den starken Ellbogen bestens gerüstet schien für die höchsten Höhen des Profifußballs. Der langjährige Bundesligatrainer Ralf Ranknick, 53 Jahre alt, leidet am Erschöpfungssyndrom. Er ist nicht mehr klar gekommen mit dem Druck, den sein Beruf ihm und vor allem auch er selbst sich gemacht hat.

Niemand arbeitet als Trainer in der Bundesliga, dem es an Ehrgeiz und Einsatz fehlt, aber Ralf Rangnick stach aus der Masse heraus. Er hatte sich hochgearbeitet, mit 40 Jahren schon zum Cheftrainer des VfB Stuttgart, war dann bei Hannover 96 und beim FC Schalke 04, wo er sich vom damaligen Manager Rudi Assauer als Professor verspotten ließ und dennoch nicht unterzukriegen war. Als Schalke ihn fortschickte, tat er etwas vergleichsweise Ungewöhnliches: Er stieg hinab in die dritte Liga, baute sich in Hoffenheim etwas Neues auf. Und wusste um die Perspektive, die ihm die Millionen des Milliardärs Hopp boten.

Ralf Rangnick stand niemals lange ohne Arbeit da. Als es in Hoffenheim endete, vergangenen Winter, weil seine Mitstreiter anders als er selbst nicht ohne Rücksicht auf Verluste nach oben wollten, war er sogleich beim VfL Wolfsburg im Gespräch. Er grübelte, tat sich nicht leicht mit der Entscheidung, überlegte genau, ob ein direkter Vereinswechsel seinem Image und seiner Karriere schaden könnten und dachte zugleich an seinen Körper, seinen Geist, seine Kraft. War er bereit zur neuen Herausforderung, trotz aufreibender Jahre in Hoffenheim? Sollte er gleich wieder ran? Oder noch ein paar Monate warten, bis vielleicht der HSV einen neuen, profilierten Trainer suchen würde?

Traum vom "Teammanager"-Job ging nicht in Erfüllung

Rangnick griff dann doch schnell wieder zu, als Schalke Felix Magath rauswarf. Ein großer Verein wollte ihn nun und wollte auch nicht warten, ein Verein, mit dem er noch nicht fertig war. Die Herausforderung, die beruflichen Ziele und Meriten, kurz: die Karriere – sie siegte über die wohl schon gereifte Erkenntnis, dass eine Pause ihm gut täte.

Schalke brachte ihm eine langgezogene Rest-Saison mit Viertel- und Halbfinale der Championsleague und mit dem DFB-Pokalfinale, dann den Umbau des Kaders, der Kampf um gute Spieler und mehr Geld, um diese zu verpflichten. Er befand sich jetzt wieder da, wo er auch in Hoffenheim war: auf dem Sprung nach ganz oben. Das Gerangel mit den Klub-Bossen, die aufs Geld schauen mussten – Ralf Rangnick wird auch dies viel Kraft gekostet haben. Seinen Traum vom Job des "Teammanagers", der bei einigen englischen Klubs Trainer und Manager zugleich ist, hatte er sich auf Schalke nicht erfüllen können. Der Klub wollte nach der Erfahrung mit dem beinahe allmächtigen Felix Magath wieder zurück zur Gewaltenteilung.

Nun hat Ralf Rangnick auf die Bremse getreten. Zur Pressekonferenz am Mittag erschien der Trainer gar nicht mehr. Als "vegetatives Erschöpfungssyndrom" bezeichnete dort Schalkes Klubarzt Thorsten Rarreck Rangnicks Krankheit.

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