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Randale in Europa League: Fans provozieren in Kiew - "Krim gehört zu Russland"

Die schweren Ausschreitungen bei mehreren Europa-League-Spielen sorgen bei Fans für Entsetzen. Was hinter den Randalen steckt und wie sie verhindert werden können.

Von Felix Haas

Die erneuten Randale in mehreren Europa-League-Stadien erschrecken Fußball-Fans. In Kiew und Rotterdam geriet der Sport zur Nebensache. Es kam zu schweren Ausschreitungen, die Spiele mussten zwischenzeitlich unterbrochen werden. Vor allem die Bilder aus der Ukraine erschüttern, dort stürmten Fans das Spielfeld, drückten Ordner nieder und schlugen anschließend sogar mit Stühlen aufeinander ein.

Hintergrund der Randale in Kiew war offenbar, dass Fans des französischen Gegners EA Guingamp ein Plakat mit der Aufschrift "Die Krim gehört zu Russland" im Stadion hochhielten. Das berichteten mehrere ukrainische Medien sowie der ukrainische Abgeordnete Igor Mosijtschuk.

"Kiew-Fans in Emotionalität weniger gehemmt"

Gunter A. Pilz ist Soziologe, er ist Deutschlands führender Fan-Experte. Er erklärt die Ausschreitungen so: "Die Fans in der Ukraine, gerade in Kiew, sind in ihrer Emotionalität derzeit weniger gehemmt. Die politischen Hintergründe spielen dabei sicherlich eine große Rolle." Sollte tatsächlich das provokante Plakat Schuld an den Ausschreitungen sein, werde die Uefa hart durchgreifen, betont Pilz: "Bei Diskriminierung kennt der Verband keine Toleranz". Guingamp als Verein müsse mit einer hohen Geldstrafe rechnen.

Pilz weist allerdings auch auf die Versäumnisse der Sicherheitskräfte hin: "Ein gut funktionierender Ordnungsdienst kann ein solches Banner verhindern. Größere Transparente sollte man sich gerade in einer solch sensiblen Lage wie in der Ukraine immer zeigen lassen, um Konflikte zu vermeiden. Das kann ein Sicherheitsdienst im Idealfall schon vor dem Spiel an Gästeverein und Gästefans vermitteln."

Die Fans des niederländischen Clubs Feyenoord Rotterdam sorgten bereits in der vergangenen Woche für einen Skandal, als sie den Platz an der Spanischen Treppe in Rom verwüsteten und sich Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Auch im Rückspiel gab es Probleme. Der dunkelhäutige Rom-Profi Gervinho wurde rassistisch beleidigt, Fans warfen eine Plastik-Banane in seine Richtung. Nach einer Roten Karte gegen Feyenoord-Spieler Mitchell Te Vrede nahmen die Aggressionen im Stadion überhand: Schiedsrichter Clement Turpin unterbrach das Spiel für 15 Minuten.

"Rotterdam war noch nie für friedliche Fans bekannt", sagt Gunter Pilz. Wegen des Anzündens von Feuerwerk, Waffenbesitzes und Schlägereien sollen an verschiedenen Plätzen Rotterdams insgesamt 42 Personen festgenommen worden sein, berichtete das "Algemeen Dagblad" unter Berufung auf die Polizei.

Schlüsselrolle für die Ultras

Dafür, dass es in der Europa League häufiger zu schweren Ausschreitungen kommt als in der Champions League, vermutet Pilz mehrere Gründe: "In der Champions League spielt gerade ab dem Achtelfinale nur noch die Creme de la Creme des europäischen Fußballs. Diese Clubs haben häufig eine andere Beziehung zu ihren Fans, pflegen intensiveren Kontakt, und investieren zudem mehr in die Stadionsicherheit."

Gegen diskriminierendes Verhalten und provokative Plakate helfe ohnehin nur eines: Prävention: "Die Vereine müssen bei politisch sensiblen Themen auf ihre Fans einwirken. Die Ultras müssen sich bewusst werden, dass der Pöbelfaktor im Stadion seine Grenzen hat."

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