Experiment Vier Pfeifen für mehr Ordnung


Reine Geldverschwendung oder sinnvolle Investition? Vor der Einführung des vierten Schiedsrichters gehen die Meinungen in der Fußball-Bundesliga weit auseinander.

Reine Geldverschwendung oder sinnvolle Investition? Vor der Einführung des vierten Schiedsrichters gehen die Meinungen in der Fußball-Bundesliga weit auseinander. Das zunächst auf die am Wochenende beginnende Rückrunde beschränkte Pilotprojekt, mit dem das Referee-Trio entlastet und die Unruhe an der Seitenlinie eingedämmt werden soll, stößt vielerorts auf Ablehnung. Besonders kritisch ging Bochums Trainer Peter Neururer mit der Ende November beschlossenen Neuregelung ins Gericht: "Die Einführung ist absolut lächerlich. Wenn er als Supervisor eingesetzt würde, wäre er vielleicht sinnvoll. Aber als Aufpasser für die Trainer und um Einwechslungen vorzunehmen ist er die reine Geldverschwendung."

220.000 Euro teures Experiment

Andere halten das 220.000 Euro teuere Experiment für eine folgerichtige Reaktion auf die unschönen Szenen der Hinserie. Allzu oft hatten protestierende Trainer die mitunter ohnehin brisante Stimmung in den Stadien angeheizt. Deshalb machten sich DFB-Teamchef Rudi Völler und WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer zuletzt für die Einführung des vierten Unparteiischen an der Seitenlinie stark. Auch Uli Hoeneß von Rekordmeister Bayern München hofft auf eine läuternde Wirkung: "Die Trainer müssen sich etwas zurücknehmen, nicht jede Entscheidung mit Gesten und Worten kommentieren. Da steckt auch Methode dahinter."

Kein direkter Einfluss

Wie bei Spielen unter der Regie der FIFA und UEFA darf der vierte Mann, für den in einem Katalog rund 20 Aufgaben festgeschrieben sind, auch in der Bundesliga nicht direkt in das Spielgeschehen eingreifen. Die Kosten tragen der DFB und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gemeinsam. Volker Roth, Vorsitzender im DFB-Schiedsrichterausschuss, sieht der Premiere am Samstag gelassen entgegen: "Unsere Bundesliga- Schiedsrichter kennen diese Tätigkeit aus ihren Einsätzen in internationalen Spielen. Der vierte Offizielle wird zur Deeskalation beitragen."

Regeln vereinfachen

Daran mag Felix Magath nicht so recht glauben. "Das Experiment im Pokal-Endspiel spricht für sich", sagte der Coach des VfB Stuttgart mit Bezug auf den missglückten Probelauf am 11. Mai in Berlin. Beim Final-Duell von Schalke 04 mit Bayer Leverkusen hatte FIFA- Schiedsrichter Franz-Xaver Wack mit Huub Stevens und Klaus Toppmöller beide beteiligten Trainer in der zweiten Spielhälfte auf die Tribüne verbannt. Magath will der Diskussion um die angeblich wachsende Zahl von Fehlentscheidungen anders begegnen: "Man müsste die Regeln wieder vereinfachen. Zum Beispiel, dass ein Handspiel wieder ein Handspiel ist - egal, ob es absichtlich erfolgt oder nicht."

Unsinnige Investition

Nicht minder skeptisch ist Karl-Heinz Wildmoser. "Der vierte Schiedsrichter ist ein Luxus, den wir uns angesichts der finanziellen Situation der Vereine gar nicht leisten können", grollte der Präsident des TSV München 1860, "ich wäre dafür, die Position der Assistenten zu stärken." Für Ottmar Hitzfeld ist der finanzielle Aspekt eher zweitrangig. Vielmehr fürchtet der Bayern-Coach die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für die Trainer: "Was der vierte Mann wert ist, kommt auf die Kommunikation an, die sich entwickelt. Man sollte die Kontrolle nicht übertreiben."

Gleich am ersten Spieltag steht die Neuregelung auf dem Prüfstand. Besonders großes Augenmerk wird sich dabei auf Peter Gagelmann richten. Schließlich hat es der Bremer Referee beim Spiel zwischen Hertha BSC Berlin und Borussia Dortmund am Samstag mit den lebhaften Fußball-Lehrern Huub Stevens und Matthias Sammer zu tun. Gagelmann ist sich seiner besonderen Rolle bewusst, hält aber wenig von allzu großem Rummel. "Natürlich ist mir klar, dass das Spiel prädestiniert ist, weil beide Trainer öfter aufgefallen sind. Aber glauben sie mir: Es wird nicht so dramatisch werden", sagte er der Süddeutschen Zeitung

DPA

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