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FC Bayern: Als die Dämme brachen

Oliver Kahn stürmte entrüstet aus dem Tor, Michael Ballack schimpfte wie ein Rohrspatz, und Uli Hoeneß schlug entsetzt die Hände vors Gesicht. Sekunden nach dem Elfmeterpfiff von Markus Merk brachen beim FC Bayern München alle Dämme.

Oliver Kahn stürmte entrüstet aus dem Tor, Michael Ballack schimpfte wie ein Rohrspatz, und Uli Hoeneß schlug entsetzt die Hände vors Gesicht. Sekunden nach dem Elfmeterpfiff von Markus Merk brachen beim FC Bayern München alle Dämme. Die strittige Entscheidung des Schiedsrichters, die das 0:2 (0:0) des Titelverteidigers bei Borussia Dortmund und wohl das Ende aller Meisterträume einleitete, sorgte für tumultartige Szenen. Im Anschluss an den Gift-und-Galle-Gipfel entlud sich der Ärger in bitterbösen Kommentaren. "Die Schiris sind gefordert, den Arsch in der Hose zu haben. Wenn man den Elfer vor einer Woche für Bremen in Frankfurt und den von heute sieht, kommt man schon ins Grübeln", klagte Spielmacher Ballack.

"Absoluter Schwachsinn"

Noch während die BVB-Fans ihre Stars überschwänglich feierten, stellte der sichtlich erregte Bayern-Manager Hoeneß den Unparteiischen in dessen Kabine zur Rede und verweigerte danach jeden Kommentar. Der vermeintliche Übeltäter Hasan Salihamidzic, der mit seinem angeblichen Foul an Salvatore Gambino (51.) das bis dahin ruhige Westfalenstadion in ein Tollhaus verwandelte hatte, wählte einen anderen Weg zur Frustbewältigung: "Absoluter Schwachsinn. Herr Merk steht fünf Meter daneben und lässt seinen 30 Meter entfernten Assistenten entscheiden."

Schon in der ersten Halbzeit hatte sich Merk den Unmut der Bayern zugezogen, als er bei einem Handspiel von BVB-Manndecker Christian Wörns im Dortmunder Strafraum auf einen Elfmeterpfiff verzichtete. Doch erst die Reaktion der Bayern auf die spätere Strafstoß- Entscheidung des Merk-Assistenten Heiner Müller (Nalbach-Bilsdorf) warf ein bezeichnendes Licht auf den derzeitigen Zustand des deutschen Rekordmeisters. Nach passablem Spielbeginn und überlegen geführtem Spiel brach er total ein und verspielte nach den Dortmunder Toren von Ewerthon (55.) und Wörns (61.) wohl die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison. Zu allem Überfluss sah Ballack nach einem Foul an Gambino die Gelb-Rote-Karte (68.). "Wir haben Nerven gezeigt und uns von der Hektik anstecken lassen. Das dürfen wir nicht", klagte Ottmar Hitzfeld.

Hitzfeld sprach von einer "rein rechnerisch noch immer möglichen Meisterschaft"

Der Bayern-Trainer sprach zwar von einer "rein rechnerisch noch immer möglichen Meisterschaft", wirkte dabei aber ähnlich leidenschaftslos wie seine Profis in der Schlussphase der Partie. Der teuerste Kader der Vereinsgeschichte läuft nun sogar Gefahr, den zweiten Tabellenplatz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League noch zu verspielen. Doch eine ähnliche Schmach wie die Borussia in der vergangenen Saison will sich Hitzfeld unter allen Umständen ersparen: "Wir dürfen ohnehin keinen Zentimeter nachlassen, schließlich sitzen uns die Stuttgarter im Nacken."

Dagegen hatte Michael Meier ausnahmsweise mal allen Grund zur Freude. Nach einer Horrorsaison mit Verletzungspech, Finanznot und sportlichen Rückschlägen sieht der BVB-Manager wieder Licht am Ende des Tunnels. Obwohl mit Torsten Frings, Stefan Reuter und Evanilson erneut wichtige Profis ausfielen, setzte das Team vor 83 000 Zuschauern die Erfolgsserie mit nunmehr sechs Spielen ohne Niederlage fort und verschaffte sich eine gute Ausgangsposition im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze. Dabei krönte Manndecker Wörns seine starke Vorstellung mit seinem ersten Tor seit zwei Jahren. "Wir können jetzt etwas durchatmen und Ballast abwerfen", sagte Meier.

BVB-Manager: "Noch immer Herr über unsere Zahlen"

Zur guten Laune des Managers trug nicht nur der Sieg gegen den Erzrivalen, sondern offenbar auch das positive Signal aus der Zentrale der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Sachen Lizenz bei. Trotz des bedenklichen Halbjahresminus von 29,4 Millionen Euro rechnet Meier für Montag nicht mit einem negativen Bescheid aus Frankfurt. "Andernfalls hätte ich mein Geschäft nicht verstanden. Wir sind noch immer Herr über unsere Zahlen." Sollten sich die zur Sanierung nötigen Transfers einiger Stars nicht realisieren lassen, könnte für die Borussia wieder eine Anleihe interessant werden. "Wenn ich heute eine Anleihe aufnehme mit 6,5 Prozent Verzinsung, ist das ein gutes Geschäft", meinte Meier in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vielsagend.

Heinz Büse und Kaspar Kamp, DPA

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