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FC Bayern: Hitzfelds schwieriger Job

Für Ottmar Hitzfeld geht es in den nächsten zwei Wochen um alles - wohl auch um seinen Job. Dass er mit schwierigen Situationen erfolgreich umgehen kann, hat er die letzten Jahren bewiesen. Gerade in Krisenzeiten zeigte der Erfolgscoach bisher immer Stärke.

Ottmar Hitzfeld muss derzeit wieder Herbststürmen trotzen. Der Trainer des FC Bayern München hat schon fast traditionell in der Vorweihnachtszeit einen besonders schwierigen Job. Wie in den beiden Jahren zuvor hat der deutsche Fußball-Rekordmeister im Spätherbst Probleme - und der Erfolgscoach muss ständig Krisenmanagement betreiben. "Wichtig ist, dass wir uns nicht von außen anstecken lassen, dass wir die Nerven bewahren", formulierte Hitzfeld vor dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV die Devise für die "Endspiele" der nächsten zwei Wochen.

"Jeder darf seine Meinung sagen"

An vielen Fronten muss Hitzfeld kämpfen. Er hat nicht nur den Druck, in der Champions League weiter zu kommen als im Vorjahr und das Heimspiel am 10. Dezember gegen den RSC Anderlecht zu gewinnen. Bayern steht auch in der Bundesliga schlechter als erwartet da. Dazu kommt das Pech, dass immer wieder wichtige Spieler ausfallen und kaum Stabilität möglich ist. Es gibt die Dauer-Diskussion um Ballack und in der Öffentlichkeit Aufsehen erregende Äußerungen aus der prominenten Chefetage. "Jeder darf seine Meinung sagen", gibt sich der Lörracher dann diplomatisch – aber leichter machen die dauernden Querschüsse seine Aufgabe nicht.

Werden die Bayern diese Saison noch Meister?

2002 wie Phönix aus der Asche

Neu ist die Situation für Hitzfeld allerdings nicht – auch 2001 hatten die Bayern keine ruhige Adventszeit gehabt. Zuvor hatten sie zwar den Weltpokal geholt, doch in der Bundesliga schwächelten sie so sehr, dass zwischenzeitlich die Europacup-Qualifikation in Gefahr war und am Ende Platz drei heraussprang. Und dann kam 2002 noch das peinliche Champions-League-Aus in der Vorrunde - ohne einen einzigen Sieg. Damals habe es viel stärker gebrannt, meint er heute. Er habe sogar mit der Entlassung gerechnet, wie er selbst in seiner Biografie berichtete. Doch bekanntlich lief es ganz anders: "Letztes Jahr haben die Journalisten nach dem Champions-League-Aus eine rabenschwarze Saison prophezeit, und am Ende wurde das Double gefeiert", gibt sich Hitzfeld selbstbewusst. Und er will er an seinem bewährten Krisenmanagement von 2001 wieder anknüpfen.

Rückhalt für die Führungsspieler

Dann zieht er sich zurück. Er stellt sich den Wünschen der Medien, gibt zahlreiche Interviews. Zu seiner Strategie gehört auch, den Führungsspielern nach außen Rückendeckung zu geben. So hatte er es einst mit Stefan Effenberg gehandhabt, so hielt er es im Falle Oliver Kahn in dessen privater Krise. So verfährt er derzeit bei den öffentlichen Diskussionen um Michael Ballack oder Roy Makaay. "Mit Ballack bin ich zufrieden, und Makaay lässt seine Tore sprechen", erklärte er, bemüht, diese Themen zu beenden.

Noch hält die Bayern-Führung zu Hitzfeld

"Wir müssen die Nerven bewahren", sagte Hitzfeld vor dem Spiel gegen den HSV mehrfach. Doch derzeit wirkt der 54-Jährige trotz aller Beherrschtheit und Disziplin manchmal etwas genervt, wenn er vieles lesen oder kommentieren muss, was ihm wahrscheinlich selbst nicht gefällt. Als er beim 2:2 gegen den 1. FC Köln "maßlos enttäuscht" war, machte er einen Spieler (Hasan Salihamidzic) ganz unüblich öffentlich zum Sündenbock. Doch Uli Hoeness steht weiter zu dem Lörracher, mag er noch so arg mit den Spielern ins Gericht gehen. "An ihm liegt es nicht", sagte der Bayern-Manager der "Süddeutschen Zeitung".

So sehr die Bayern-Führung auch den Erfolgscoach rühmt (laut Rummenigge ist Hitzfeld "der erfolgreichste Trainer in der hundertjährigen Geschichte des FC Bayern"), so sehr kennt der Lörracher auch die Tücken des Geschäfts. "Alles dem Erfolg unterordnen": Sein im Bayern-Jahrbuch abgedruckte Motto kann sich im schlechtesten Fall auch gegen ihn selber richten.

Andrea Wimmer/ Klaus Bergmann/Christoph Marx / DPA

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