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Champions League: Wieder kein Auswärtstor - Bayern viel zu zahm

Zum dritten Mal schafft der FC Bayern München kein Auswärtstor im  Champions-League-Halbfinale. Atlético Madrid reichte ein frühes Tor, um den defensiv eingestellten Bayern den Zahn zu ziehen.

Douglas Costa vom FC Bayern München verzieht genervt das Gesicht

Die Mimik ist eindeutig: Douglas Costa vom FC Bayern München schiebt Frust

Der Halbfinalfluch des FC Bayern München in der Champions League droht sich auch im Abschiedsjahr von Pep Guardiola fortzusetzen. Der deutsche Fußball-Rekordmeister verlor das Hinspiel bei Atlético Madrid am Mittwochabend nach einer lange erstaunlich harmlosen Vorstellung mit 0:1 (0:1).

Wie schon beim Aus gegen Real Madrid (2014) und den FC Barcelona (2015) verpassten es die Bayern trotz einer Steigerung in der Schlussphase erneut, in der ersten Partie das so wichtige Auswärtstor zu erzielen. Den entscheidenden Treffer des Abends erzielte der 21 Jahre alte Saul Niguez (11. Minute) nach einem tollen Sololauf, der bezeichnend war für das zu körperlose Spiel der Münchner.

Münchner hatten auch Glück

Am kommenden Dienstag besteht im eigenen Stadion allerdings noch die Möglichkeit, gegen Atléticos Abwehrbollwerk den Traum vom Endspiel am 28. Mai in Mailand doch wahr werden zu lassen. Atlético bewies aber, dass man unter Trainer Diego Simeone in der Lage ist, auf Ergebnis zu spielen. Glück hatten die Münchner zudem bei einem Pfostenschuss von Fernando Torres (75.).

Trainer Guardiola muss zudem eine glücklichere Hand bei der Auswahl seines Personals und der Taktik haben. Die mutlose Start-Aufstellung vor mehr als 50.000 Zuschauern im Éstadio Vicente Calderon ohne die Offensivasse Thomas Müller und Franck Ribéry erwies sich als Eigentor. Die Siegermentalität des Duos, das erst in der zweiten Halbzeit kam, fehlte.

Auf Kontrolle bedachte Grundformation

Guardiola wählte eine auf Kontrolle bedachte Grundformation inklusive seines kompletten Spanien-Quartetts mit Javier Martinez und Juan Bernat in der Viererkette und davor Xabi Alonso und Thiago im Verbund mit dem chilenischen Abräumer Arturo Vidal. Für Jérôme Boateng war nach seiner Adduktorenverletzung noch nicht die Zeit für ein Comeback.

Alle Bayern-Vorsicht nützte nichts. Atlético brauchte keine Warmlaufphase. Die Hausherren drückten sofort und trafen tatsächlich auf erstaunlich verhaltene Münchner. Eine nicht gekannte Anzahl an Abspielfehlern machte einen gefährlichen Spielaufbau der Bayern unmöglich. Es fehlte jede der Bedeutung angemessene Aggressivität.

Neuer beim Tor chancenlos

Niguez düpierte fast die komplette Hintermannschaft, ließ Thiago und Bernat stehen, umdribbelte auch noch Alonso und den zögerlichen David Alaba. Vidal grätschte zu spät - Torwart Manuel Neuer war chancenlos.

Zwar musste José Maria Gimenez kurz nach dem Treffer per Kopfball kurz vor der Linie klären. Gefahr für das Atlético-Tor gab es aber in der kompletten ersten Hälfte nicht. Douglas Costa schoss einmal ans Außennetz - eine echte Chance war das aber auch nicht.

Keine Spur von Mia san Mia

Guardiola agierte ruhig in seiner Coachingzone und musste mit ansehen, wie Neuer gegen den heranstürmenden Antoine Griezmann (30.) mit dem Fuß parieren konnte. Der FC Bayern war als solcher nicht zu erkennen. Von Mia san Mia war keine Spur.

Auch in der zweiten Halbzeit fehlte erstmal der große Zug zum Tor. Die ersten offensiven Lebenszeichen setzten ausgerechnet die Innenverteidiger: Alaba (54.) drosch aus 30 Metern an die Unterkante der Latte. Kurz darauf prüfte Martinez (57.) Atlético-Torwart Jan Oblak per Kopfball. Die Bayern nahmen endlich Fahrt auf.

Robert Lewandowski zog aus spitzem Winkel knapp vorbei. Atlético hatte sich in seiner Hälfte eingeigelt. Guardiola brachte jetzt Ribéry für den wirkungslosen Kingsley Coman. Vidal (73.) versuchte es gegen Oblak per Gewaltschuss. Jetzt gingen die Münchner volles Risiko. Belohnen konnten sie sich nicht mehr.

tkr/Klaus Bergmann / DPA

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