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FIFA: Blatter räumt Zahlungen ein

Der FIFA-Präsident Blatter bestätigt Zahlungen an Koloskow und Bouchardeau. Den Vorwurf der Korruption, Misswirtschaft und Verschleierung weist er jedoch zurück.

Joseph Blatter hat Zahlungen an das russische Exekutivmitglied Wjatscheslaw Koloskow und an Schiedsrichter Lucien Bouchardeau (Niger) eingeräumt und ein baldiges Dossier zu seiner Verteidigung angekündigt. »Ich weise den Vorwurf der Korruption, ebenso der Misswirtschaft und der Verschleierung zurück«, betonte der umstrittene Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA) vor Medienvertretern am Dienstag in Zürich. »Ich habe keine Statuten verletzt und keine Akten verschwinden lassen.« Koloskow und Bouchardeau hätten die Gelder für geleistete Arbeit beziehungsweise aus humanitären Gründen erhalten.

Schriftliche Konter liegt noch nicht vor

Vor dem Wahl-Kongress der FIFA am 29. Mai in Seoul zieht der Walliser nun seine letzten taktischen Register. Sein schriftlicher Konter auf das Aufsehen erregende Dossier seines Generalsekretärs Michel Zen-Ruffinen, der seinen Chef an den Pranger der Weltöffentlichkeit gestellt hatte, lässt auf sich warten. Blatter will diesen offenbar erst kurz vor den Wahlen ausspielen, um der Opposition um den UEFA-Vorsitzenden Lennart Johansson (Schweden) und Herausforderer Issa Hayatou (Kamerun) nicht mehr die Zeit zu lassen, sich erneut auf den FIFA-Präsidenten einzuschießen.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Tränen in den Augen

Im »Fall Bouchardeau« ließ sich Blatter im Auditorium der FIFA-Zentrale von seinem Technischen Direktor Walter Gagg verteidigen. Dieser schilderte in blumigen Worten, wie der Unparteiische etwas von Korruption im afrikanischen Fußball angedeutet und berichtet habe, verschiedene Fernsehsender hätten ihm für sein Wissen 50 000 Dollar geboten. Später habe Bouchardeau einen schriftlichen Bericht verfasst. Der Schiedsrichter, so Gagg, hatte bei seinem Besuch am 21. Februar in Zürich »wirtschaftliche Schwierigkeiten und Tränen in den Augen«. Deshalb habe ihm Blatter einen Scheck über 25 000 Dollar überreicht - mit den Worten: »Das kommt aus meinem Privatvermögen, das ist kein FIFA-Geld.« Eine weitere Zahlung habe es nicht gegeben. Auf die Frage eines Journalisten, ob er dies öfter mache, antwortete der 66-Jährige: »Ja, ich gebe oft Geld an Leute mit Tränen in den Augen.«

In diesem Vorgehen sieht Blatter keine Verfehlung, dagegen räumte er im Fall Koloskow ein: »Ich habe hier eine Form missachtet. Ich hätte das Exekutivkomitee über die Zahlung informieren sollen oder zumindest die Finanzkommission.« An den Russen waren gleich zwei Mal 50 000 Dollar an Aufwandsentschädigung geflossen - und zwar 1998 und '99, als er noch gar nicht Mitglied im Exekutivkomitee war. Blatter begründete dies damit, dass Koloskow in dieser Zeit für die FIFA im Bereich der ehemaligen Sowjetstaaten tätig war. Diese beiden Fälle hatte Zen-Ruffinen als Beleg für die Korruption unter Blatter angegeben.

»Anzeigen kann jeder«

Der Weltverbands-Präsident wollte zunächst nur zu diesen Vorwürfen Stellung nehmen, »die anderen Vorwürfe werden ohnehin in sich zusammenfallen«. Nach außen hin gelassen reagierte Blatter auf die von fünf Vizepräsidenten und weiteren sechs Mitgliedern des Exekutivkomitees am Freitag in Zürich eingereichte Klage: »Eine Anzeige ist noch keine Klage. Anzeigen kann jeder.«

Blatter: Beweise sind ungenau

Bitter beklagte sich der Walliser noch einmal über seinen einstigen Zögling Zen-Ruffinen, der jahrelang systematisch Dokumente gesammelt habe, um sie jetzt öffentlich zu machen. Die Beweise des Juristen und früheren Schiedsrichters seien jedoch »ungenau und unklar, teilweise beweisen sie sogar das Gegenteil«. Er könne aber unmöglich aus dem Stand heraus auf ein so umfangreiches Dossier antworten. Seine schriftlichen Ausführungen befänden sich in Arbeit und seien in erster Linie für das Exekutivkomitee und die nationalen Verbände bestimmt.

Blatter räumte ein, dass die Führungskrise bei der FIFA »dem Fußball und auch der Weltmeisterschaft geschadet hat. In 17 Tagen beginnt die WM und niemand spricht über die WM. Das ist schade.« Seine Chancen, in Seoul für weitere vier Jahre zum FIFA-Präsidenten gewählt zu werden, bezeichnete er als intakt - »wenn mein Ruf vorher nicht völlig zerstört wird«. Vorerst will sich der mächtige Funktionär jedoch aus der Schusslinie bringen. Nach einer Stippvisite beim Champions-League-Finale am Mittwoch in Glasgow plant er von Sonntag an eine Reise zum Ozeanien-Kongress der Fußball- Verbände nach Tonga. »Das ist bereits das dritte Königreich, das ich besuche«, sagte die angeschossene »Majestät« vom Zürcher Sonnenberg lächelnd.

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