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Vorwürfe nach St-Pauli-Verzicht: Wie die "Bild"-Zeitung ihre eigene Flüchtlings-Aktion torpediert

Weil der FC St. Pauli nicht bei einer Flüchtlings-Aktion der "Bild"-Zeitung mitmachen will, kann sich Chefredakteur Kai Diekmann einen Vorwurfs-Tweet nicht verkneifen. Und schon geht es um alles - nur nicht mehr um Flüchtlinge.

Von Felix Haas

Das Logo mit der Aufschrift "Wir helfen - #refugeeswelcome"

Mit diesem Logo auf den Trikot-Ärmeln werden viele Bundesligaclubs am kommenden Wochenende auflaufen.

In den vergangenen Wochen und Monaten trieb die "Bild"-Zeitung eine eigentlich schöne PR-Idee voran. Sie kreierte das Logo "Wir helfen" und setzte damit ein starkes Zeichen für Flüchtlingshilfe. SPD-Chef Sigmar Gabriel trug einen Aufnäher im Parlament, nun schaffte es die Zeitung auch, die Unterstützung der Bundesliga zu bekommen. Die meisten Vereine werden am Wochenende mit dem Logo auf dem Ärmel ihre Spiele bestreiten. Natürlich dient das auch alles der Bild zur Imagepflege, doch es dient auch einem guten Zweck. So weit, so gut. Nun sorgt die "Bild" selbst dafür, dass der gute Zweck aus dem Fokus gerät.

Chefredakteur Kai Diekmann twitterte am Mittag, der FC St. Pauli werde nicht an der Aktion teilnehmen. "Darüber wird sich die AFD freuen: Beim FC St. Pauli sind #refugeesnotwelcome", schrieb Diekmann. Das Thema liegt Diekmann offenbar sehr am Herzen, er schob eine zweite Nachricht hinterher. Der Inhalt diesmal: "Kein Herz für Flüchtlinge: Schade eigentlich, FC St. Pauli! #refugeesnotwelcome. St. Pauli boykottiert „WIR HELFEN“.

FC St. Pauli - ein Vorzeigeclub in Flüchtlingsfragen

Ausgerechnet der FC St. Pauli also nimmt nicht an der Aktion teil. Klar, dass das bei der "Bild" für Schmerzen sorgt. Die Hamburger sind schließlich der Club, der sich von allen Vereinen der Bundesliga am intensivsten in der Flüchtlingshilfe engagiert. Unlängst veranstaltete St. Pauli ein Benefizspiel gegen Borussia Dortmund am Millerntor. Das Motto: "Refugees Welcome". Fanclubs und Spieler engagieren sich seit Jahren in Flüchtlingsheimen. Mit anderen Worten: St. Pauli ist in Flüchtlingsfragen der Vorzeigeclub.

Medien und Fans sind entsetzt über Diekmanns Tweets. Sie betonen, der "Bild" gehe es bei der Kampagne nicht um Flüchtlinge, sondern nur um ein gutes öffentliches Bild. In den Sozialen Netzwerken hat sich der Hashtag #bildnotwelcome etabliert. "Wie der selbstgefällige Chefredakteur die Absage des FC St. Pauli an die Werbeaktion der "Bild" kommentiert, ist der eigentliche Skandal", schreibt @callmeuschi auf Twitter. "Wie populistisch, peinlich und falsch soll es denn noch werden?", fragt auch das Onlinemagazin Vice.

Flüchtlinge geraten aus dem Fokus

In der Tat hätte sich Diekmann wohl kaum ein schlechteres Beispiel als St. Pauli für den Hashtag #refugeesnotwelcome aussuchen können. Wie groß der Schaden für die Kampagne ist, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Bei vielen Fußballfans hat die "Bild" ihre eigene Flüchtlings-Aktion allerdings schon jetzt ruiniert. Egal ob vom BVB, HSV oder VfB Stuttgart - viele Anhänger fordern ihre Clubs über die sozialen Medien auf, dem Beispiel von St. Pauli zu folgen und nicht an der "Bild-" und Bundesliga-Aktion teilzunehmen.

Leider scheint in der Diskussion vor allem die echte Solidarität mit Flüchtlingen in den Hintergrund zu geraten. Vielleicht hätte Kai Diekmann also einfach twittern sollen: "Schade, St. Pauli". So ganz ohne Vorwurf und persönliche Abrechnung. Das bisschen Größe hätte sicherlich allen gutgetan - vor allem denen, um die es eigentlich geht: die Flüchtlinge.

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