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Frauen-WM: "Elf Küsschen, elf Tore"

Nach dem famosen 11:0-Auftakterfolg wächst in China der Medienrummel um die deutschen Damen. Im Mittelpunkt steht ausnahmsweise mal nicht Birgit Prinz, sondern eine kickende Kommisars-Anwärterin. Die wünscht sich Küsse von DFB-Boss Zwanziger.

Etwas ungläubig schaute Sandra Smisek in die große Runde. "Vor ein paar Jahren gab es das nicht, dass so viele Journalisten etwas von uns wollten", sagte die deutsche Nationalstürmerin einen Tag nach dem 11:0-Rekordsieg im Eröffnungsspiel der Fußball-WM in China gegen Argentinien. Die 30- Jährige war vor allem überrascht davon, dass sich fast alle Reporter beim täglichen Pressegespräch im deutschen Mannschaftshotel nur für sie interessierten. Die Frankfurterin ist es einfach nicht gewöhnt, derart im Rampenlicht zu stehen.

Und sie braucht das auch gar nicht. Sie ist sogar froh, dass andere wie die dreifache Weltfußballerin und Frankfurter Teamkollegin Birgit Prinz oft die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. "So wie die Birgit im Vordergrund zu stehen, ist nicht mein Ding. Dennoch kann ich meinen Beitrag dazu leisten, dass wir als Team erfolgreich sind", sagte Smisek. Und wie: Gleich drei Tore gelangen der quirligen Mittelstürmerin in der 2. Hälfte innerhalb von nur zwölf Minuten, und auf ihren ersten "Dreierpack" im 118. Länderspiel war sie schon ein wenig stolz.

"Köttel in der Hose"

Smisek gehört schon lange zum DFB-Kader. Bereits mit 17 Jahren debütierte sie gegen Polen. Und daran, dass sie der frühere Trainer Gero Bisanz im WM-Finale 1995 gegen Norwegen einwechselte, erinnert sich die 1,62 Meter große Stürmerin noch jetzt mit Schmunzeln. "Erst habe ich gedacht, er meint Sandra Minnert. Aber als ich merkte, er meint mich, hatte ich Köttel in der Hose."

Das ist lange her, doch selbst mit 30 Jahren versprüht Smisek noch jugendlichen und erfrischenden Charme, plaudert mit ihrem hessischen Dialekt munter drauf los. Besondere Motivation für ihren starken Auftritt und die Gala-Vorstellung des Teams seien zwei Dinge gewesen. "Der Herr Zwanziger hat jede von uns vor dem Anpfiff geküsst. Elf Küsschen, elf Tore - das passt doch", sagte sie, und ergänzte: "Vielleicht sollte er das nächste Mal jeder zwei Küsschen geben."

Den letzten Kick jedoch verlieh das merkwürdige Verhalten der Argentinierinnen vor der Abfahrt vom Hotel zum Stadion. "Die haben schon vorher gefeiert und getanzt. Das hat uns richtig aggressiv gemacht", erzählte Smisek. Da hätten sie beschlossen: "Die kriegen zweistellig."

"Bisher hat alles geklappt"

Dass dann wirklich der höchste Sieg der WM-Geschichte folgte, überraschte auch Smisek. "Wir waren sehr gut, und sie haben einen rabenschwarzen Tag erwischt. Aber man sollte das nicht überbewerten. Jetzt kommen andere Kaliber." Dank der Unterstützung ihres Arbeitgebers konnte "Smi" sich ungestört auf ihre vierte WM vorbereiten. Die Kommissars-Anwärterin bei der hessischen Polizei ("Ich habe auch schon Strafzettel verteilt") wurde für sämtliche Lehrgänge freigestellt. Mit Erfolg, denn bisher hat sie all ihre persönlichen Ziele verwirklicht. "Zunächst wollte ich hier überhaupt dabei sein. Danach wollte ich zur ersten Elf gehören. Und gegen Argentinien wollte ich gern ein Tor machen.

Bisher hat alles geklappt", sagte sie und freute sich. Dabei war Smisek vor der WM als Sturmpartnerin von Prinz nicht unumstritten. Doch ihr großes Plus ist, dass sie im Club und in der Nationalelf schon lange an der Seite von Prinz spielt und sich "blind" mit ihr versteht. Mit den drei Toren hat sich Sandra Smisek auch für die Partie am Freitag gegen England empfohlen: "Das entscheidet die Trainerin. Aber eigentlich hat sie keinen Grund, was zu ändern."

Von Ulli Brünger, DPA / DPA

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