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Absturz des Traditionsklubs Für Schalke kann Rangnick eine große Chance sein

Kommt er als Retter? Ralf Rangnick ist heißer Kandidat auf den Sportdirektorenposten auf Schalke
Kommt er als Retter? Ralf Rangnick ist heißer Kandidat auf den Sportdirektorenposten auf Schalke
© Ina Fassbender / DPA
Ralf Rangnick ist ein heißer Kandidat auf den Posten des Sportdirektors bei Schalke 04. Eine ominöse Gruppe von 14 Persönlichkeiten macht Druck, und viele Fans wollen den früheren Trainer zurück. Aber ist das überhaupt eine gute Idee?

Als wäre es nicht schon alles schlimm genug, muss sich der FC Schalke 04 auf seiner Abschiedstour in der ersten Bundesliga auch noch demütigen lassen. Nach der 0:5 Klatsche gegen den VfL Wolfsburg, eingeleitet durch ein Slapstick-Eigentor von Verteidiger Shkodran Mustafi, hat sich die Hoffnung auf einen halbwegs würdevollen Abstieg aus der Bundesliga endgültig in Luft aufgelöst. Der neue Trainer Dimitrios Grammozis versuchte dennoch, das Positive zu sehen und sagte Sätze wie: "Auf diesen Dingen, die wir da gut gemacht haben, müssen wir weiter aufbauen." Es ist wie bei einem Patienten auf der Intensivstation. Man sagt etwas Nettes, obwohl alle wissen, dass es zu Ende geht.

Das Wundersame an der Niederlage war, dass sie niemanden sonderlich interessierte. Stattdessen dreht sich auf Schalke alles um die eine Frage: Wer führt den großen Traditionsverein in eine bessere Zukunft? Und da tauchte am Ende der Woche ein Name auf, den sie in Gelsenkrichen gut kennen: Ralf Rangnick. Eine ominöse Gruppe von 14 Personen hat sich laut Informationen des "Kicker" zusammengeschlossen, um Schalke zu retten. Wichtigstes Ziel der 14: Rangnick soll übernehmen und Schalke neu aufstellen. In der Aufsichtsratssitzung soll Stefan Gusenhues, selbst Mitglied im elfköpfigen Kontrollgremium, als Fürsprecher der Gruppe aufgetreten sein und den Rangnick-Plan vorgestellt haben. Angeblich soll sich Rangnick sogar "bereit" erklärt haben.

Im Aufsichtsrat hat es geknallt

Das kam nicht so gut an. Viele Aufsichtsratsmitglieder wie der Vorsitzende Jens Buchta fühlten sich überfahren. "Es knallte mächtig in der Runde" schreibt der "Kicker". Dennoch ist der Name Rangnick nun im Spiel und die Führung soll zu Gesprächen bereit sein, weil ein anderer Kandidat, Mark Krösche von RB Leipzig, am Wochenende absagte.

Jetzt also Rangnick? Viele Fans würden den früheren Coach zu gern zurücksehen. Eine Petition für die Verpflichtung hat knapp 46.000 Unterschriften eingesammelt, Tendenz steigend. In seiner langen Karriere war der 62-Jährige schließlich schon zwei Mal erfolgreich Trainer der Schalker und ist den Anhängern deswegen in guter Erinnerung. 2005 führte er die Mannschaft zur Vizemeisterschaft, 2011 erreichte er das Halbfinale der Champions League (es ging gegen Manchester United verloren) und gewann den DFB-Pokal. Auf seinen weiteren Stationen entwickelte er das Projekt TSG Hoffenheim erfolgreich und formte (mit viel Geld) RB Leipzig zum Spitzenklub. Seine Kompetenz ist unbestreitbar. Und Kompetenz ist das, was sie auf Schalke nach den vergangenen desaströsen anderthalb Jahren dringend brauchen.

Doch wie stehen die Chancen, dass es zu einer Einigung kommt? Seit Rangnick im Sommer des vergangenen Jahres bei Red Bull ausschied, ist er auf Jobsuche. Ein Engagement beim AC Milan kam nicht zustande. Die Chancen, Bundestrainer zu werden, stehen eher schlecht (alle Wege führen nach München). Deshalb soll Rangnick nicht abgeneigt sein, wieder ein Knappe zu werden. Dass ihn viel mit dem Verein verbindet, hat er stets betont.

Viele Hemmnisse für ein Engagement

Einem möglichen Engagement entgegen steht die Tatsache, dass Rangnick auf Schalke nicht die gleichen Bedingungen vorfindet wie in Hoffenheim und Leipzig. Es gibt keine ehrgeizigen Milliardäre wie Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz, die das Geld sprudeln lassen. Im Gegenteil ist Schalke mit 240 Millionen Euro verschuldet. Da wird es schon aus finanziellen Gründen schwerer, den Verein innerhalb kürzester Zeit wieder aufzurichten.

Rangnick wird es sich also genau überlegen, ob er den Job antritt. Zumal für ihn die Ausgliederung der Profiabteilung eine wichtige Bedingung wäre. Die wird von Vorstand und Aufsichtsrat favorisiert, stößt aber bei vielen Fans auf erbitterte Ablehnung. Um diese Frage tobt seit geraumer Zeit ein hoch emotionale Debatte. Einfach war es noch nie in diesem Klub. Aber wenn Rangnick kommt, ist das eine große Chance für die abgestürzten Königsblauen.

Quellen: DPA, "Kicker", "sportschau.de", "Faz"


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