HOME

FUSSBALL: Anklage: Daum soll 63 Mal Kokain gekauft haben

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat heute Anklage gegen den ehemaligen Bundesliga-Trainer Christoph Daum erhoben.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat heute Anklage gegen den ehemaligen Bundesliga-Trainer Christoph Daum erhoben. Sie wirft dem 47-Jährigen unerlaubten Erwerb von Kokain in 63 Fällen vor. In den vergangenen zwei Jahren soll Daum jeweils mindestens drei bis fünf Gramm zu einem Preis von 160 Mark pro Gramm erworben haben, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Erich Jung. Zudem werde Daum »Anstiftung zum Handeltreiben mit Kokain in nicht geringer Menge zur Last gelegt«.

Prozess im Sommer?

Am Dienstag war die Anklage gegen Daum - derzeit Trainer beim türkischen Verein Besiktas Istanbul - durch die Aussagen von Verteidigern anderer Beschuldigter bekannt geworden. Nach Auskunft des Landgerichts Koblenz könnte möglicherweise im Spätsommer der Prozess gegen Daum und vier andere Angeschuldigte beginnen. Allen werden Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Besitz, Handel und Herstellung illegaler Drogen werden nach deutschen Gesetzen mit bis zu fünf Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet. Mitglieder von Drogenbanden müssen mit höheren Haftstrafen rechnen.

__________________________________________________________

Christoph Daum - Geldstrafe oder Haft? Diskutieren Sie im stern.de-Forum.

__________________________________________________________

Stammkunde

Die Anklage wirft Daum vor, sein Kokain stets von dem nun in Untersuchungshaft sitzenden angeklagten Haustechniker eines Kölner Hotels erworben zu haben. Zudem habe der Fußballtrainer bei dem 40-Jährigen im Sommer 2000 die Beschaffung von 100 Gramm Kokain »zumindest durchschnittlicher Qualität« in Auftrag gegeben. Nicht ermittelt werden konnte laut Staatsanwaltschaft, ob Daum diese Drogenmenge auch jemals bekommen hat.

Ob der Fußballlehrer, der nach dem Willen des DFB in diesem Jahr ursprünglich Nationaltrainer werden sollte, die Drogen erhalten hat, konnte in den Ermittlungen nicht geklärt werden.

Daum sagte am Dienstagabend in der ARD-Sendung »Boulevard Bio«, die Staatsanwaltschaft habe alles unternommen, um ihn vor Gericht zu bringen. Gesprächsangebote an die Adresse der Ermittler seien abgelehnt worden.

Der zuständige Staatsanwalt habe ihm gegenüber erklärt: »Nein, wir sehen uns auf der Anklagebank wieder.« Er sei zufrieden, dass das Verfahren nun »an eine Instanz abgegeben wird, wo die Wahrheit besprochen wird, wo die Sache zum Abschluss gebracht wird

Seit März in Istanbul

Daum hatte am 12. Januar auf einer Pressekonferenz in Köln erstmals den Konsum von Kokain zugegeben. Bereits im Oktober 2000 war eine Haarproben-Analyse positiv ausgefallen. Bayer Leverkusen verkündete daraufhin die Trennung von Daum. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erklärte die Vereinbarung, wonach Daum am 1. Juni 2001 Bundestrainer werden sollte, mit sofortiger Wirkung für aufgelöst. Der arbeitslose Fußballlehrer zog sich nach Florida zurück. Am 7. März unterschrieb er einen bis 30. Juni 2002 befristeten Vertrag bei Besiktas Istanbul.

Wissenscommunity