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FUSSBALL: Arena: Das neue Herz auf Schalke

Das modernste Fußball-Stadion Europas geht in Betrieb. Mit einer großen Eröffnungsparty am Montag wird die 358 Millionen Mark teure Arena »AufSchalke« ihrer Bestimmung übergeben.

Das modernste Fußball-Stadion Europas geht in Betrieb. Mit einer großen Eröffnungsparty am Montag wird die 358 Millionen Mark (183 Millionen Euro) teure Multifunktions-Arena »AufSchalke« nach nur 33 Monaten Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben.

Promis bei der Eröffnung

Zur zweitägigen Eröffnungsfeier haben sich hochrangige Gäste aus Politik, Sport und Unterhaltung angesagt. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement wird ebenso erwartet wie FIFA-Präsident Joseph Blatter und UEFA-Chef Lennart Johansson. Auch »Kaiser« Franz Beckenbauer, der seit Jahren um ein ähnliches Projekt in München kämpft, lässt sich die Eröffnung des »raumschiffähnlichen Fußball-Tempels« nicht entgehen.

Rasen eingeweiht

Die Profis des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 haben am Donnerstag zum ersten Mal auf dem Spielfeld der neuen Arena »AufSchalke« trainiert. »Der Rasen ist super«, zeigte sich Mittelfeldspieler Andreas Möller von ihrer neuen Arbeitsfläche begeistert. Allerdings fand die Übungseinheit unter Trainer Huub Stevens noch nicht im neuen Stadion, sondern außerhalb statt. Dort ruht noch die große Betonwanne mit dem Rasen, die für die Spiele in die Arena geschoben wird.

Neue Dimensionen

Das Schalker Schmuckstück stößt im Bereich Stadionbau in eine neue Dimension vor. An scheinbar alles wurde bei Projekt gedacht. Prunkstücke sind das Schiebedach und die Rasen-Schublade. Die in einer 11 000 Tonnen schweren und 118 x 79 m großen Betonwanne ruhende Grünfläche kann zwecks Belüftung und Bewässerung in sechs Stunden auf 300 m langen Teflon-beschichteten Stahlschienen unter der beweglichen Südtribüne hindurch ins Freie bugsiert werden. Und die 580 Tonnen schwere Dach-Konstruktion wird im Bedarfsfall, vor allem bei Abendspielen, in 30 Minuten geschlossen.

Infrastruktur

60 400 Besucher (42 900 Sitz-, 17 500 Stehplätze) finden bei Bundesliga-Spielen Platz, bei internationalen Partien werden die Stehränge in Sitzplätze umgewandelt. So verringert sich die Kapazität auf 52 200 Plätze. 72 Logen (Preis: 90 000 bis 140 000 Mark), 1400 Business-Seats und 100 Rollstuhlfahrer-Plätze sind inklusive. Die Verpflegung mit Bier und Bratwurst ist an 32 Imbiss-Buden sowie mehreren Restaurants, die Versorgung mit Fan-Artikeln an fünf Verkaufsständen gesichert.

Bier-Leitungen

Das auf drei Grad heruntergekühlte Bier des Sponsors Veltins kommt nicht aus Fässern, sondern wird durch insgesamt 5 km Leitungen zu den 112 Zapfhähnen geleitet. Diese Bier-Infrastruktur garantiert, dass pro Abend im Extremfall bis zu 48 000 Liter Gerstensaft in durstige Kehlen gelangen könnte. Bezahlt wird nicht mit barer Münze, sondern mit der »KnappenKarte«, auf die zuvor Geld geladen wird. Ein »Knappen« entsprich dem Gegenwert von zwei Mark.

Sicherheit geht vor

Eine elektronische Einlasskontrolle, Video-Überwachung und Metall-Dedektoren sollen maximale Sicherheit garantieren. Ein weiterer Clou ist die 70 Quadratmeter große Kapelle, die schon am Sonntag mit einem Weihgottesdienst ihrer Bestimmung übergeben wird. Für den guten Ton auf allen Plätzen sorgt die hypermoderne Akustik-Anlage. Der bisher einzigartige und weltgrößte Video-Würfel des Arena-Partners Philips, in rund 25 Metern Höhe über dem Anstoßpunkt angebracht, soll auf vier 35 Quadratmeter großen Schirmen alle Szenen ins rechte Bild setzen. Zudem sind 500 TV-Monitore im weiten Oval verteilt.

Privat finanziert

Besonders stolz sind die Schalker darauf, dass die Arena ausschließlich privatwirtschaftlich finanziert wurde. »Nach langer und harter Arbeit steht die Finanzierung solide und auf breiter Basis«, versichert »Finanzminister« Josef Schnusenberg. Andere Experten beurteilen das unternehmerische Risiko weniger euphorisch. Sie zweifeln, ob das multifunktionale Objekt, das auch als Opernhaus, Zirkus oder Konzertsaal dienen soll, auf lange Sicht ausgelastet sein wird und sich rentiert.

Allein durch den größten Batzen, den 225-Millionen-Mark-Konsortial-Kredit unter Führung der Hamburgischen Landesbank, der durch eine 80-prozentige Ausfallbürgschaft des Landes Nordrhein- Westfalen abgesichert ist, werden saftige Zinsen fällig. 21 Millionen Mark jährlich muss der Club aufbringen, die Stadion-Betreiber GmbH steht für etwa sieben Millionen Mark gerade.

Zahlen und Fakten zur Arena »Auf Schalke« Baubeginn:

21. November 1998

Eröffnung:

13. August 2001

Gesamt-Investition:

358 Millionen Mark (183 Millionen Euro)

Reine Baukosten:

250,4 Millionen Mark

Baugrundstück:

154 410 Quadratmeter mit allen Außenflächen

Rauminhalt:

1,619 Mio. Kubikmeter (bei geschlossenem Dach)

Länge:

225 Meter

Breite:

187 Meter

Höhe:

53,5 Meter

Kapazität:

60 400 Plätze (bei Bundesliga-Spielen)

52 500 Sitzplätze (bei internationalen Spielen)

Sitzplätze:

42 900 (bei Bundesliga-Spielen)

Stehplätze:

17 500 (bei Bundesliga-Spielen)

Rollstuhl-Plätze:

100

Business-Seats:

1400

Logen:

72

Kioske:

32

Parkplätze:

14 000

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