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Fußball-Brüder: Traum oder Trauma?

Wie geht's den kickenden Brüdern von Fußball-Profis? Einige wollen auch ganz nach oben, andere sind zufrieden in der Kreisliga. Der bekannte Name hilft nicht immer.

Die einen träumen von der gemeinsamen Karriere in der Bundesliga, bei den anderen liegen Welten dazwischen: Für viele Brüder von Fußball-Profis ist die Last des großen Namens zu schwer. "Es wäre mir unangenehm, mit Kevin verglichen zu werden", sagt Kenny Kuranyi, der ältere Bruder des Stuttgarter Jung- Nationalspielers Kevin. Der 22-Jährige stürmt "nur" in der Kreisliga beim SV Möhringen. Malte Metzelder vom SC Preußen Münster dagegen darf auf eine ähnliche steile Bundesliga-Karriere wie Vize- Weltmeister Christoph Metzelder (Borussia Dortmund) hoffen.

Für Kenny Kuranyi ist Fußball nur ein Hobby

Nach dem Aufstieg von Kevin Kuranyi beim VfB steht der Familien- Name für Torgefährlichkeit. Kenny hat nicht das Talent, mit dem Kevin derzeit die Schwaben verzückt. Daher ist der Student froh, bei seinem Hobby nicht ständig auf den bekannten Bruder angesprochen zu werden: "Bisher gab es keine Sprüche und Vergleiche, weder vom Trainer noch von Gegenspielern. Mich stört es auch nicht, dass ich nicht so erfolgreich im Fußball bin."

Aus dem Schatten des Bruders heraus

Beim Deutschen Meister aus Dortmund ist Dede eine feste Größe auf der linken Außenbahn. Sein Bruder Leandro, der bei den BVB-Amateuren kickt, will einmal in seine Fußstapfen treten. Bisher kam der 26- Jährige in der Bundesliga vier Mal zum Einsatz und erzielte ein Tor. Deshalb zeigt jetzt Liga-Rivale Arminia Bielefeld Interesse. Sollte ein Wechsel zu Stande kommen, hätte Leandro einen ersten Schritt aus dem Schatten seines Bruders und Beraters getan.

Erstmal nur dritter Torwart

Dieses Ziel verfolgt auch Toni Tapalovic. Die Chancen des 22- Jährigen stehen als dritter Torwart des VfL Bochum eher schlecht. Auf dessen vier Jahre älteren Bruder Filip will und kann Trainer Peter Neururer aber nicht verzichten. Der kroatische Nationalspieler kämpft nach langwieriger Verletzung zwar noch um den Anschluss an die Stamm- Elf, doch in der Hinrunde war er im defensiven Mittelfeld gesetzt.

Metzelder zwo gilt als Talent

Wie schnell der Aufstieg zum Star gehen kann, zeigte Christoph Metzelder. Der Abwehrspieler kam 2000 aus Münster zum BVB und feierte nach nur 20 Erstliga-Spielen sein Nationalelf-Debüt. Eine ähnliche Entwicklung wird Bruder Malte prophezeit. Der 20-jährige Verteidiger erinnert in seinen Bewegungen an den BVB-Profi, ist groß, laufstark und technisch versiert. Etliche Bundesliga-Clubs haben beim U 21-Nationalspieler schon angeklopft, auch der BVB. Christoph hofft, dass Malte so viel Glück hat wie er: "Er bringt den nötigen Ehrgeiz, den nötigen Willen und die nötige Disziplin mit. Ich glaube schon, dass der Name die eine oder andere Tür öffnet. Andererseits ist es für ihn doppelt so schwer wie für mich, sich dann zu etablieren."

Brüder ohne aktuelle Perspektiven

Diese Perspektive fehlt anderen Brüdern von erfolgreichen Kickern. Richard Akpoborie, Bruder des Ex-Bundesligaprofis Jonathan, strandete in der Verbandsliga bei Renault Brühl und spielte später in der Kreisliga beim SC Fliesteden. Bright Ojigwe konnte ebenfalls nicht seinem Bruder Pascal (Bayer Leverkusen) folgen. Der Vertrag des 21- jährigen Nigerianers beim Regionalligisten SG Wattenscheid 09 wurde in dieser Saison aufgelöst. Wjatscheslaw Hleb kämpft gerade um seine letzte Chance beim VfB Stuttgart. Der "kleine Bruder" des hoch gelobten Alexander Hleb spielte bisher bei den Amateure in der Oberliga Baden-Württemberg. Derzeit darf er beim Tabellenzweiten der Bundesliga mittrainieren. "Am Saisonende wird sich zeigen, ob er beim VfB bleibt oder ausgeliehen wird", sagt Team-Manager Felix Magath.

Susan Mühne / DPA

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