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Fußball-Bundesliga: Alle lieben Gomez

Vier Tore gegen Wolfsburg, insgesamt schon 23 in dieser Saison. Mario Gomez ist der Ausnahmestürmer der Bundesliga. Dennoch muss man sich auch wundern: Warum trifft er in der Nationalmannschaft nicht mehr, was läuft dort falsch mit Gomez? Klar ist: Gomez liebt Stuttgart, und alle lieben ihn.

Von Jens Fischer, Stuttgart

Den Schwaben wird bekanntlich einiges nachgesagt. Dass sie lecker kochen können, Maultaschen und Rostbraten zum Beispiel. Dass Sie gerne in die Zukunft blicken, Schaffe', Spare, Häusle baue. Und spätestens seit dem glanzvollen 4:1-Kantersieg des VfB Stuttgart gegen den Tabellenführer aus Wolfsburg kommt noch etwas hinzu. Schwaben können Tore schießen, in rauen Mengen, so wie Mario Gomez, gleich vier Stück in einem Spiel.

Torjäger made in Schwaben haben durchaus Tradition: Ottmar Hitzfeld schoss einmal sechs, dem mittlerweile beinahe weltberühmten Jürgen Klinsmann - Sie wissen schon - sind einmal fünf in einem Spiel gelungen. Ohne Frage: Gomez ist derzeit - neben Franck Ribéry und Diego - der überragende Spieler der deutschen Eliteliga. Seine Tore gegen Wolfsburg: Schlichtweg Extraklasse.

Auch deshalb dauerte es mal wieder ewig, bis Gomez sich in der voll gepackten Mixed Zone den Journalisten stellte. Und wie immer erfuhr man nicht viel, was wirklich als sensationell zu bezeichnen wäre. Erst lobte Gomez, der jetzt mit insgesamt 23 Treffern auf die Torjäger-Kanone hoffen darf, nahezu jeden seiner Mannschaftskollegen, dann äußerte er sich zum gefühlten Millionsten Male beinahe euphorisch über den vorhandenen Stuttgarter Teamgeist, gleich darauf wollte er - auch das kann man nicht mehr hören - nichts von einer möglichen Meisterschaft wissen. Drei Spiele sind es noch und jedes wolle der VfB gewinnen, meinte der Torjäger wie vom Band. Nur nicht spekulieren, nur keine Erwartungen schüren.

Beinahe schüchtern

Derartige Aussagen hört man seit Monaten von dem 23-Jährigen. Wenn er vor einem steht, wirkt er beinahe schüchtern, so als könnte ihn kein Wässerchen trüben. Seine Rivalen auf dem Platz werden das anders sehen. Gomez spielt derzeit fantastisch und befindet sich laut seinem Trainer Markus Babbel in der "Form seines Lebens." Gomez ist nur wenig Egoist und kein Mann der lauten Worte. Er glaubt daran, wenn Babbel im Training von Mannschaft und gegenseitiger Hilfe spricht. Er verkörpert den perfekten Teamplayer.

Und genau das ist auch ein wenig sein Problem. Zumindest in der deutschen Nationalmannschaft. Dort hat er seit unzähligen Spielminuten nicht mehr getroffen und gilt in der deutschen Öffentlichkeit ein wenig als der personifizierte Chancentod. Auch Bundestrainer Joachim Löw weiß, in welchem Dilemma Gomez steckt und sprach ihm wohl auch deshalb erst unter der Woche schier grenzenloses Vertrauen aus. Ein "Ausnahmespieler" sei Gomez, stellte Löw vorsichtshalber klar. Auf der Tribüne sah sich Löw am Samstagnachmittag bestätigt.

Eingebauter Torriecher

Aber der Bundestrainer muss sich in Sachen Gomez auch Fragen gefallen lassen. Wieso steht dieser Ausnahmestürmer derart in der Kritik? Wieso ist das Spiel der DFB-Elf nicht mehr auf Gomez zugeschnitten? Was läuft falsch rund um den Mann mit dem eingebauten Torriecher? In Stuttgart jedenfalls lieben Gomez alle. Bei seiner Auswechselung gegen Wolfsburg in der 84. Minute tobte infernalischer Lärm durch das Stuttgarter Stadion, sie feierten ihren Helden, der nach seiner erneuten Gala-Vorstellung in Stuttgart nur schwer zu halten sein wird.

Wobei: Wohin soll er wechseln? Bayern München hat nach eigenem Bekunden mit dem Thema abgeschlossen, was nicht besonders viel heißen mag. Erlebt man Gomez dieser Tage, kann man es sich aber auch nicht vorstellen, ihn im Münchner Dress zu sehen. Bliebe letztlich nur das Ausland. Ein zu großer Schritt für den heimatverbundenen Gomez?

Auf Gomez warten wohl die wichtigsten Wochen seiner Karriere. Er muss eine Entscheidung in punkto Karriereplanung fällen und er muss dafür sorgen, dass endlich auch in der Nationalmannschaft sein Können zum Vorschein kommt. Die Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 ist auch für den 23-Jährigen eine Nagelprobe, sein erstes großer Turnier, die vergangene Europameisterschaft war für ihn verkorkst.

Gomez steht am Scheideweg. Wird das für viele biedere Stuttgart ihm zu klein oder ist er nur hier zu diesen tollen Leistungen wie gegen Wolfsburg fähig? Klar ist: Ein Stürmer wie Gomez muss in die Champions League. Wenn es nach Gomez geht, wohl am liebsten mit seinem VfB.

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