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Fußball-Bundesliga Die Rückkehr der weißen Bestie


Grüße nach Dortmund: Die Bayern sind nach dem Zittersieg in Nürnberg die Gewinner des Spieltags, Werder und Leverkusen dagegen die großen Verlierer - Robin Dutt ist kaum noch zu retten.
Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Was war das bitte für ein Fußball-Fest, was Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart da am Freitagabend zelebriert hatten! Alle waren sich nach dem berauschenden 4:4 zum Auftakt des 28. Bundesliga-Spieltags einig: Dieses war bisher das beste Match der Saison. Aber nicht nur wegen der Dramatik und der acht Tore. Es war die spielerische Klasse der beiden Mannschaften, die so sehr beeindruckte. Selig sank der objektive Betrachter hinterher in sein Bett. Nur die Dortmunder, die ärgerten sich über zwei in der Nachspielzeit weggeschenkte Punkte. Zwei Punkte, die dem BVB am Ende fehlen könnten, um erneut deutscher Meister zu werden.

Natürlich haben sie bei der Borussia die Bayern immer auf dem Zettel gehabt. Auch als ihr Vorsprung noch größer war. Dafür haben sich die Münchner zuletzt mit viel zu viel Wucht herangepirscht. Aber nun kommt etwas Neues, Gefährliches für die Schwarz-Gelben hinzu. Der 1:0-Sieg der Bayern im Derby beim 1. FC Nürnberg war ein dreckiger Sieg. Die drei Punkte waren glücklich. Selber würden sie das nie zugeben. Nach dem Spiel fielen Worte wie "effektiv" und "abgezockt". Siegtorschütze Arjen Robben sprach immerhin von "erzwungenem Glück".

Dutt vor dem Aus

"La bestia negra", die "schwarz Bestie" - das ist der Spitzname, unter dem der FC Bayern wegen seiner oftmals unterkühlt-erfolgreichen Spielweise im spanischen Fußball firmiert. In Nürnberg hatte die Bestie Bayern weiße Trikots an, und alle Gegner, auch Borussia Dortmund, sollten sich vor der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes wegen dieses wiederentdeckten Stilmittels in Acht nehmen. Das Meisterrennen ist am 28. Spieltag neu gestartet worden - auch weil die Bayern nun wieder aus eigener Kraft den Titel holen können. Dafür müssen sie nur die restlichen sechs Spiele gewinnen.

Zwei andere Klubs, die mit großen Ambitionen in die Saison gestartet sind, Bayer Leverkusen und Werder Bremen, sind von Borussia Dortmund und den Bayern derzeit soweit entfernt, wie die Kuh vom Tanzen. Gegen Freiburg gab's für Bayer die fünfte Pflichtspiel-Niederlage in Serie. Das eigentliche Ziel der Mannschaft von Robin Dutt war die Champions-League-Qualifikation. Nun ist sogar die Europa League in Gefahr. Was die Sache in Leverkusen so unangenehm macht: Die Fans haben sich längst von Mannschaft und Trainer entfernt. Gegen Freiburg musste sich der Coach 45 Minuten lang Hohngesänge der eigenen Anhängerschaft gefallen lassen.

Nach dem 0:2 geisterten bereits Trennungsgerüchte durch die Arena. Rudi Völler würde gemeinsam mit Ex-Profi Sami Hyypiä das Trainer-Amt als Doppelspitze übernehmen. Soweit ist es noch nicht, aber die Zeit für Robin Dutt, der in Leverkusen nie eine echte Bindung zu seiner Mannschaft aufbauen konnte, scheint nach diesem neuerlichen Tiefpunkt abgelaufen. Wobei die Spieler mindestens genauso viel Schuld an der Misere haben. Alle bei Bayer Leverkusen müssen sich fragen, ob man mit so einer Einstellung wie gegen Freiburg ein Bundesliga-Spiel bestreiten sollte.

Werder auf dem Weg zur grauen Maus

Auch Werder war mal ein Anwärter auf einen Platz im internationalen Geschäft. Aber das 0:3 gegen Mainz hat bewiesen: Andere Teams wie Stuttgart, Wolfsburg und auch Hannover 96 sind einfach besser und haben es deshalb auch mehr verdient, nächste Saison in der Europa League zu starten. Immerhin: Anders als die Leverkusener stimmt bei Bremen die Einstellung. Auch das war nicht immer so. Trotzdem haben die vielen offenen Personalien von Claudio Pizarro über Tim Wiese bis zu Naldo Unruhe in den Verein gebracht. Unruhe, die sich in letzter Konsequenz auf die junge Mannschaft auswirkt. Trainer Thomas Schaaf muss seinen Spielern nach der dritten Niederlage in den vergangenen fünf Partien die Harmlosigkeit austreiben. Wenn nicht, endet die Saison für Werder wieder nur im Mittelfeld. Und Mittelfeld ist grau.


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