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FUSSBALL: Freude in München, Halloween bei Bayer

Bayern und Bayer zeigten in ihrem letzten Vorrundenspiel der Champions League unterschiedliche Leistungen.

Komplimente für die »Schattenmänner«, ein dickes Lob für einen Neuling und eine makellose Bilanz: Als Uli Hoeneß in Vertretung des abwesenden Franz Beckenbauer die traditionelle Mitternachtsrede hielt, gönnte er sich einen zufriedenen Blick zurück und seinem FC Bayern München viele stolze Worte.

»Ich möchte mich bei Ottmar Hitzfeld für tolle Leistungen nicht nur in der Champions League bedanken«, resümierte der Manager die erfolgreichen letzten drei Monate des deutschen Fußball-Meisters.

Trotz eines recht glanzlosen Europacup-Abends geriet er ins Schwärmen: »Wir haben abgesehen vom ersten Saisonspiel erstklassigen Fußball erleben dürfen, teilweise Fußball zelebriert.«

Lob für »Fahrtenschwimmer« Feulner

Beim 1:0 am Mittwochabend bei Sparta Prag zwar nicht. Aber die Bayern bestehen in der Eliteliga offensichtlich sogar mit dem letzten Aufgebot und können der Auslosung für die Zwischenrunde am Freitag in Genf trotz der anhaltenden Personalnot gelassen entgegen sehen. »Wir können mit dem, was wir erreicht haben, zufrieden sein«, so Hoeneß.

Einen bisher unbekannten jungen Mann hob der Manager besonders hervor. Der 19-jährige Markus Feulner meisterte den Sprung von der Regionalliga auf Europas Bühne mit Bravour.

»Er war die größte Überraschung des Spiels. Er wurde ins Wasser geworfen und ist gut geschwommen. Er hat heute seinen Fahrtenschwimmer gemacht«, urteilte Hoeneß über den Junioren-Nationalspieler.

»Wunschgegner gibt es nicht«

Entgegen aller Befürchtungen selbst der Bayern-Führung hat der Titelverteidiger auch nach dem erfüllten Traum vom Europacup-Titel mit einer Serie von insgesamt ungeschlagenen 17 Spielen in der Bundesliga und der Champions League seine Etappenziele erreicht.

Jetzt warten in der Zwischenrunde zwei Gruppen-Zweite und ein -Sieger als Gegner. Denkbar wären Namen wie Manchester United, Arsenal London oder AS Rom; den Profis des Rekordmeisters ist jede Mannschaft recht.

»Wunschgegner gibt es nicht. Wir wollen ins Viertelfinale, dann sehen wir weiter«, meinte Robert Kovac. »Wir kommen nur mit Hammer-Gruppen zurecht«, scherzte Alexander Zickler, der ausnahmsweise als Kapitän aufgelaufen war.

Andauernder Geldregen

Die Kasse stimmt bereits jetzt. 33,05 Millionen Mark hat der FC Bayern durch das Erreichen der Zwischenrunde als Sockelbetrag allein an UEFA-Prämien sicher. Dazu kommen Einnahmen aus dem TV-Pool, die sich durch das Ausscheiden von Borussia Dortmund und Schalke 04 nun für die Münchner und Bayer Leverkusen deutlich erhöhen.

In der Zusammensetzung wie in Prag dürfte das Bayern-Team, in dem zehn Stars fehlten, wohl nicht mehr antreten. Aber einige, die zuletzt im Schatten standen und wenig zum Zuge kamen, nutzten die Bewährungschance. »Auch wenn wir als B- oder C-Garnitur gesehen werden, wir sind der FC Bayern und wollen gewinnen«, erklärte Pablo Thiam.

Zustimmung von Toppmöller

»Bayern München fährt locker ohne acht bis zehn Verletzte nach Prag und gewinnt. Wenn das bei uns eintreten sollte, kann einen bange werden.« Claus Toppmöller stimmt in die Euphorie der Bayern ein. Die Leistung seines eigenen Teams im letzten Vorrundenspiel der Champions League hingegen erfreute ihn nicht derartig.

»Da kann einen bange werden«

Toppmöller wurde in der Halloween-Nacht zum Poltergeist. Was Bayer Leverkusens »zweite Garnitur« bei der 2:4-Heimpleite gegen Olympique Lyon zeigte, fand der 50-jährige Coach zum Gruseln: »Der zweite Anzug klemmt. Es war ein Tag der offenen Tür und furchtbar für einen Trainer anzuschauen.«

Chance nicht genutzt

Allerdings hatte Toppmöller, nachdem das Zwischenrunden-Ziel vorzeitig erreicht und das Duell mit dem französischen Vize-Meister ohne Bedeutung war, mit Blick auf den Bundesliga-Hit am Samstag gegen Kaiserslautern gleich sechs Stammspieler geschont.

Doch die Reservisten nutzten die ihnen offerierte Chance nicht. »Es war zu wenig, auch wenn es nur um die goldene Ananas ging«, urteilte Manager Reiner Calmund enttäuscht.

Ziel: Die Großen ärgern

Keinen großen Fischzug erwartet Toppmöller in der Zwischenrunde. »Es wird schwer sein mitzuhalten, auch wenn wir einige Große ärgern wollen«, glaubt er.

Trotz allen Ärgers zog Toppmöller nach der ersten Etappe in der »Königsklasse« eine versöhnliche Zwischenbilanz. »Wir sind dennoch zufrieden mit dem Erreichten«, meinte er und fügte ehrlich an: »Oft hat meine Mannschaft am Limit gespielt und auch Glück gehabt.«

Dies gelte für die Heimpartie gegen den FC Barcelona (2:1) und den Sieg in Lyon (1:0). »Das war das Schlüsselspiel«. Im Bundesliga-Hit des Tabellen-Zweiten gegen den -Dritten aus der Pfalz wird seine Bayer- Elf wieder an die Leistungsgrenze gehen müssen.

Ein erneuter »Tanz der Vampire« soll es nicht werden. »Wir werden wieder mit der ersten Mannschaft antreten«, kündigte Toppmöller an. »Jetzt weiß man, warum ich gegen Rotation bin.«

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