HOME

FUSSBALL: Fußball als Pflicht: Derby unter schwierigen Vorzeichen

Vor dem 117. Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund ist von der sonst von großer Vorfreude und Spannung geprägten Stimmung wenig zu spüren.

Vor dem 117. Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund ist von der sonst von großer Vorfreude und Spannung geprägten Stimmung wenig zu spüren. Die traditionelle Rivalität der beiden Vereine dokumentiert sich nach den Terroranschlägen in den USA auch in den unterschiedlichen Ansichten, wie schnell man in der Fußball-Bundesliga zum »normalen« Geschehen übergehen sollte. Während in Dortmund die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga (DFL), alle Partien auszutragen, überwiegend begrüßt wird, vertritt Schalke vor dem ersten Pflichtspiel-Derby in der neuen Arena am Samstag eindeutig eine Gegenposition.

Schalke wollte nicht spielen

Schalke-Manager Rudi Assauer befürchtet nach der bedrückten Atmosphäre beim nicht abgesagten Champions-League-Spiel gegen Panatinaikos Athen am Dienstagabend das »zweite Trauerspiel«. Als einer der wenigen Bundesliga-Vertreter sprach sich Assauer klar gegen die Austragung des 6. Spieltages aus, fühlt sich aber mit seiner Ansicht »allein auf weiter Flur«. Die DFL-Haltung findet er inkonsequent: »Ich kann doch nicht das Vorprogramm streichen, die Musik ausmachen, den Videowürfel ausschalten, den Trauerflor überstreifen, eine Schweigeminute einlegen und dann von einer Minute zur anderen sagen: Jetzt legen wir den Hebel um und spielen wieder Fußball. Fußball soll ja Unterhaltung sein, aber so macht er doch keinen Spaß. Auch am Samstag nicht, weder Fans noch Spielern«.

Innenminister hätte eine Entscheidung treffen sollen

Assauer gibt zu, dass die Entscheidung für den Verband nicht leicht gewesen sei. »Egal, was du machst, es gibt immer was auf die Mütze. Ich weiß jetzt schon, was die Kritiker sagen werden: Der Kommerz hat über die Menschlichkeit gesiegt. Die Buhmänner sind die Fußballer«. Der Manager des Vizemeisters hätte sich daher eine klare Vorgabe durch die Politik gewünscht: »Der Bundesinnenminister hätte den Spieltag absagen sollen«.

Dortmund begrüßt die Entscheidung

Eine andere Position vertreten die Borussen. »Die DFL hat sich die Sache reiflich überlegt. Ich glaube, dass die Entscheidung vertretbar ist«, meinte BVB-Präsident Gerd Niebaum, der den Europäischen Verband (UEFA) für die Nicht-Absage der Champions-League-Spiel am Dienstag noch scharf gerügt hatte. Trainer Matthias Sammer pflichtete ihm bei. So schwer es auch sei, man müsse versuchen, allmählich zur Normalität überzugehen: »Es gilt, was der frühere US-Außenminister Kissinger gesagt hat. Man muss Trauer zeigen. Aber sie darf nicht zum Stillstand führen«. Sammer weiß wie sein Trainer-Kollegen Huub Stevens, wie schwer es für alle ist, die »Köpfe frei zu bekommen« für die angeblich schönste Nebensache der Welt. »Ich hoffe, wir haben bis Samstag alles einigermaßen verarbeitet«, sagte auch Stevens.

Schalke trotzdem motiviert

Ungeachtet dessen will keiner dem anderen das Feld überlassen und dem Rivalen das Toreschießen so schwer wie möglich machen. Vor allem der BVB hat etwas gut zu machen, denn der letzte Dortmunder Sieg in einem Pflichtspiel gegen Schalke liegt schon drei Jahre zurück und gelang am 14. November 1998 beim 3:0 im Westfalenstadion. Die Königsblauen gewann dagegen drei der letzten vier Pflichtspiele. Besonders schmerzhaft für Sammer war die 0:4-Niederlage im Vorjahr vor eigenem Publikum. »Es ist immer schlecht, offene Rechnungen unbezahlt zu lassen«, kündigte Sammer einen großen Fight an. Auch wenn er fast seine besten Formation ins Rennen schicken kann, rechnet Sammer mit großer Gegenwehr der Knappen, die auf den gesperrten Abwehrchef Tomasz Waldoch verzichten müssen: »Schalke weiß, wenn wir Dortmund schlagen, ist die gesamte Saison einigermaßen gerettet«.

Wissenscommunity