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FUSSBALL: Letzter Halt: Albanien

Letzte Reise, letztes Spiel, letzter Auftrag: Mit einem finalen Kraftakt gegen Albanien will Rudi Völler sein erstes Jahr als DFB-Teamchef mit einem Sieg beschließen

Letzte Reise, letztes Spiel, letzter Auftrag: Mit einem finalen Kraftakt beim unangenehmen Fußball-Zwerg Albanien will Rudi Völler sein erfolgreiches erstes Jahr als DFB-Teamchef mit einem Sieg beschließen und ein drohendes »Endspiel« gegen Erzrivale England in der WM-Qualifikation unbedingt vermeiden. »Wir wissen um unsere Verantwortung. Wir sind selbstbewusst genug zu sagen, wir wollen da gewinnen«, verkündete der Teamchef am Dienstag und forderte von seinem Personal die Mobilisierung aller Kraftreserven für die letzten 90 Minuten der Saison 2000/01: »In Tirana geben wir Gas.«

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stern.de: Bleibt Völler bis 2004 Teamchef?

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Sieg, egal wie

Heute (19.30 Uhr/ARD) geht es für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen den Tabellenletzten der Gruppe 9 nicht nur um das Ticket zur Weltmeisterschaft 2002. Zwölf Monate nach dem EM-Debakel steht auch ein gutes Zwischenzeugnis auf dem Weg nach Südkorea und Japan auf dem Spiel. Wobei er Rudi Völler ziemlich egal wäre, wie hoch das Spiel gewonnen wird: »Für ein 1:0 oder 2:1 wäre ich mir nicht zu schade«, sagte der 41-Jährige, der zwei Monate nach dem peinlichen 2:1-Hinspielerfolg von Leverkusen erneut eindringlich vor den »starken Albanern« warnte: »Ich weiß, dass es keiner mehr hören kann.«

Absolute Priorität genoss für den Teamchef am Dienstag beim Start der DFB-Maschine aber, dass »wir den Punkteabstand auf England beibehalten«. Die Verfolger von der Insel rangieren mit sieben Zählern, aber einem Spiel weniger, hinter Deutschland (13) auf Platz zwei. Zum Gipfeltreffen der beiden Fußballnationen kommt es am 1. September im Münchner Olympiastadion.

Ungewöhnlicher Spielball

»Als Deutschland müssen wir in Albanien gewinnen. Dann können wir auch alle zufrieden sein«, formulierte Angreifer Carsten Jancker das einzige Ziel für den letzten Arbeitstag der Saison. Völler setzte vor dem Endspurt nur noch ganz dosiert auf die Arbeit auf dem Trainingsplatz. Beim Abschlusstraining in Tirana stand die Gewöhnung an den unbekannten Spielball namens »Tramondi« darum im Mittelpunkt. Ansonsten bevorzugte Völler mit Gesprächen die mentale Einstimmung auf den Gegner und die Atmosphäre in der nur 18 000 Zuschauer fassende Arena: »Die Albaner werden sich bis zur Erschöpfung verausgaben. Ich habe dort selbst 1983 gespielt und war überrascht, wie frenetisch die Kulisse ihr Team anfeuerte.«

Deisler soll Druck machen

Zwei zentrale Figuren stehen dabei im Blickpunkt: Jens Nowotny und Sebastian Deisler. Der beim 2:2 in Finnland gesperrte Berliner Deisler soll das Angriffsspiel wie beim 4:2-Sieg in Griechenland an sich reißen, lenken und zum Erfolg führen. »Ich bin topfit, ich kann 90 Minuten volle Power gehen«, sprühte der 21-Jährige nur so vor Tatendrang, sperrte sich aber gleichzeitig gegen die Rolle des alleinigen Hoffnungsträgers: »Ich bin nicht der neue Mittelfeld-Chef, das muss man auf mehrere Schultern verteilen«, sagte er.

Allerdings will Deisler auf Dauer in eine verantwortungsvolle Führungsposition hineinwachsen, wobei er auf Völler als wichtigen Helfer vertrauen kann. »Sebastian soll einfach Sebastian sein«, ordnete der Teamchef die Ansprüche an das größte deutsche Talent realistisch ein: »Ihm werden wir auch schwächere Spiele verzeihen.«

Ziege für Marco Bode

Dem sechs Jahre älteren Nowotny hat Völler dessen Durchhänger in Helsinki ebenfalls verziehen. Aber nach den Streicheleinheiten für den Leverkusener erwartet er in Tirana wieder eine Top-Leistung: »Ich bin fest überzeugt, dass er Organisator und Ruhepol in der Abwehr sein wird.« Völler hält insgesamt an der Dreierkette Rehmer-Nowotny- Linke fest und plant ansonsten neben dem Tausch Deisler für Ricken nur noch eine personelle Umstellung: Christian Ziege soll für Marco Bode auf der linken Seite zu mehr Stabilität beitragen.

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