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Fußball-Nationalmannschaft: Löw bootet Frings endgültig aus

Bundestrainer Joachim Löw plant für die Fußball-WM im Sommer ohne Torsten Frings und hat seinen Entschluss dem Werder-Routinier am Mittwoch mitgeteilt. Frings zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung und äußerte Unverständnis.

Routinier, Revoluzzer und jetzt "Rentner": Torsten Frings hat von Joachim Löw nach fast einjähriger Wartezeit nun auch offiziell den Laufpass bekommen. Der Werder-Profi spielt in den Planungen des Bundestrainers keine Rolle mehr und wird definitiv nicht mit der deutschen Nationalmannschaft zur Fußball-WM im Sommer nach Südafrika fahren. Das teilte Löw dem 33-Jährigen am Mittwoch in einem persönlichen Gespräch in einem Bremer Hotel mit. "Damit musste ich ja rechnen, wenn man alle Vorzeichen gesehen hat. Mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw", sagte der 33-Jährige in einer vom Bremer Bundesligisten verbreiteten Pressemitteilung.

"Wir können seine Enttäuschung über unsere Meinung verstehen. Doch haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagte Löw. Man wolle jüngere Spieler an das internationale Spitzenniveau heranführen. Löw will am Donnerstag einen erweiterten Kader für den Fitnesstest in der kommenden Woche in Sindelfingen benennen. Dieses Aufgebot ist ein erster Fingerzeig auf Löws WM-Personal. Frings reagierte enttäuscht, aber nicht überrascht. "Ich glaube, dass ich immer noch das Potenzial habe, starke Leistungen bei einer WM abzuliefern. Und ich werde das weiterhin in der Bundesliga unter Beweis stellen", sagte er am Mittwoch.

Frings hatte sein letztes von 79 Länderspielen im Februar 2009 beim 0:1 gegen Norwegen in Düsseldorf bestritten. Danach war der Vize-Weltmeister von 2002 und Vize-Europameister 2008 von Löw nicht mehr berufen worden. Der Mittelfeld-Abräumer hatte mehrfach die Vermutung geäußert, dass dies nicht nur sportliche Gründe gehabt habe. Im Herbst 2008 war es öffentlich zum Disput zwischen Löw und Frings über den Umgang mit verdienten Nationalspielern gekommen. Kapitän Michael Ballack hatte damals Partei für Frings ergriffen und war daraufhin wie sein Freund zum Rapport zitiert worden.

Während Kapitän und Schlüsselspieler Ballack vom Bundestrainer wieder in Gnaden aufgenommen wurde, reichte es für Frings nur noch zur Norwegen-Berufung. Dessen Auftritt unter dem Düsseldorfer Hallendach lieferte allerdings wenig Argumente für weitere Frings- Spiele im Nationaltrikot.

Zweifel an der Fitness von Frings

Löw hatte anschließend mehrfach betont, dass er Zweifel an der Fitness des in der Vergangenheit häufiger angeschlagenen Mittelfeldspielers habe. Dennoch hatte er den kompletten Bruch bisher gescheut und Frings immer noch eine Hintertüre offen gelassen. Diese ist nun zugeschlagen. Bei der WM müsse er auf physisch sehr robuste Spieler setzen, lautete Löws Argumentation. Bei der EM 2008 war Frings nicht auf der Höhe seiner körperlichen Leistungsfähigkeit gewesen. Teammanager Oliver Bierhoff bezeichnete den Bremer am Mittwoch als "verdienten Nationalspieler".

Sein Länderspiel-Debüt hatte Frings im Februar 2001 in Frankreich gegeben (0:1). Seinen Durchbruch schaffte er bei der WM ein Jahr später in Japan und Südkorea, als er als Rechtsverteidiger überzeugte. Beim Confed-Cup 2005 war er erstmals Aushilfskapitän. Ausgerechnet auf dem sportlichen Höhepunkt - bei der Heim-WM 2006 - wurde er wegen seines handfesten Einsatzes nach dem Viertelfinale gegen Argentinien von der FIFA für das Halbfinale gegen Italien (0:2) gesperrt.

Werder Bremens Führungsriege, die stets Partei für Frings ergriffen hatte, reagierte erneut mit Unverständnis auf die Ausbootung des Club-Kapitäns. "Das ist eine enttäuschende Entscheidung des Bundestrainers", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs. Ärgerlich ist für die Bremer auch der Zeitpunkt. Drei Tage vor dem Bundesliga-Klassiker gegen Bayern München trägt die Personalie nicht zu einer konzentrierten Vorbereitung bei.

Von Arne Richter/DPA / DPA

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