FUSSBALL Rechte-Hick-Hack: Weniger Bundesliga im Radio?


Im Free-TV wurde die Bundesliga bereits auf 20.15 verbannt. Jetzt geht es wohl auch den bisher recht ausführlichen Live-Übertragungen im Radio an den Kragen.

Im Free-TV wurde die Bundesliga bereits auf 20.15 verbannt. Jetzt geht es wohl auch den bisher recht ausführlichen Live-Übertragungen im Radio an den Kragen. Maximal 40 Live-Minuten pro Spieltag will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Sendern der ARD pro Spieltag zugestehen. In der letzten Saison waren einige Sender noch bis zu drei Stunden live dabei.

Die »Privaten« gehen leer aus

Der Krach um die Bundesliga im Radio geht aber noch weiter. Gescheitert sind auch die Verhandlungen der privaten Hörfunk-Stationen mit dem DFB, der pro Verein und Sender bis zu 40 000 Mark verlangt haben soll. Das ZDF ist sich unterdessen mit der Kirch-Gruppe als Inhaber der TV-Rechte einig, dass das Sportstudio Berichte von allen sieben Samstags-Spielen zeigen kann.

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Interessenkonflikt der ARD

Problematisch und zum Teil verworren ist die Situation vor allem bei der ARD, wo die Interessen von TV und Hörfunk nur schwer vereinbar scheinen. Das Fernsehen benötigt zum einen von der Kirch-Gruppe bewegte Bundesliga-Bilder für ihre Nachrichten und die Sportsendungen in den 3. Programmen sowie die WM-Rechte 2006. Zum anderen will die ARD vom DFB auch in Zukunft TV-Rechte für Länderspiele und den DFB-Pokal erwerben. Deshalb kann es sich die ARD nicht leisten, auf totalen Konfrontationskurs mit Kirch und DFB zu gehen. Infolge dessen wird intern über den Wunsch des DFB diskutiert, die Radioberichterstattung zu verknappen.

Deutliche Reduzierung

Für Sender wie den Bayerischen (BR) und den Norddeutschen Rundfunk (NDR) wäre das eine deutliche Reduzierung gegenüber der abgelaufenen Saison, in der etwa beim BR pro Spieltag mehr als drei Stunden gesendet wurden. Beim Hörfunk prallen die unterschiedlichen Rechtsauffassungen von ARD und DFB aufeinander. Im Gegensatz zum DFB bestreitet der öffentlich-rechtliche Senderverbund, dass es überhaupt Hörfunk-Rechte gibt. Bisher gab es die stillschweigende Übereinkunft, dass die Hörfunk- mit den TV-Rechten abgegolten sind.

Nutznießer Kirch

Wie immer sich die Situation auch entwickeln wird, Nutznießer wird die Kirch-Gruppe sein. Durch den späteren Start im Fernsehen wollten viele Fans auf die Radio-Übertragungen ausweichen. Dem wirkt der DFB jetzt mit der Verknappung der Radio-Zeiten entgegen.

So kann Monopolist Kirch den hauseigenen Sender SAT.1 und den defizitären Pay-TV- Sender Premiere stärken. Deshalb laufen hinter den Kulissen die Verhandlungen vor allem über die Kurzberichte auf Hochtouren.

ZDF-»heute« mit 90 Sekunden

Einig ist sich inzwischen das ZDF mit der Kirch-Gruppe über die Nachverwertung im Sportstudio und über die 90-Sekunden-Beiträge in der »heute«-Sendung am Samstag um 19.00 Uhr. Das bestätigte ein Kirch-Sprecher. Danach dürfen wie zuletzt ein oder zwei Spiele in kurzen Ausschnitten gezeigt werden. Allerdings ist die Auswahl nach Informationen aus dem ZDF eingeschränkt. Die Kirch-Gruppe, die sich dazu nicht äußern wollte, kann zwei Spitzenspiele für das ZDF sperren. Eine ähnliche Vereinbarung wird auch für die ARD-Tagesschau um 20.00 Uhr angestrebt.

Die ersten Kurzberichte von den Top-Spielen könnten in den SAT.1- Nachrichten um 18.30 Uhr laufen. Der Kirch-Sender hat nach Angaben von SAT.1-Sprecherin Kristina Faßler hausintern das Recht erhalten, rund zwei Stunden vor »ran« bewegte Bundesliga-Bilder als »Appetitanreger« zu zeigen. »Es ist noch nicht entschieden, ob und in welcher Form wir dieses Recht nutzen. Wir wollen die Spannung steigern und nicht kaputt machen«, sagte Faßler.


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