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Fußball: Trauer und Entsetzen über Tod von Marc-Vivien Foé

Die Fußball-Welt trauert um Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foé. "Er war ein fantastischer Mensch", so Kameruns deutscher Trainer Winfried Schäfer.

Die Fußball-Welt trauert um Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foé. Tiefe Trauer und Entsetzen hat der plötzliche Tod des 28 Jahre alten Mittelfeldspieler von Manchester City am Donnerstag im Halbfinalspiel um den Confederations Cup gegen Kolumbien in Lyon ausgelöst. «Wir sind alle zutiefst traurig. Marc-Vivien war ein fantastischer Mensch. Dass er auch einer der größten Fußballer des Landes war, ist angesichts des Dramas völlig nebensächlich», sagte Kameruns deutscher Trainer Winfried Schäfer, der vor der Zugabfahrt am Freitag nach Paris noch unter Schockwirkung stand.

«Uns geht es allen sehr schlecht. Er war unser kleiner Bruder und fehlt uns enorm», sagte voller Trauer Kameruns Legende Roger Milla. Kapitän Rigobert Song weinte, als er vor die Presse trat: «Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es passiert ist. Es ist einfach schrecklich, ich bin so traurig.»

"Wo sollen sie die Kraft hernehmen?"

Im Stade de France will Kamerun trotz des Todesfalls das Finale gegen Frankreich am Sonntag «im Gedenken an Marc-Vivien Foé» mit Trauerflor bestreiten. Milla: «Er hätte das so gewollt, denn er wollte dieses Turnier gewinnen.» «Es war ausdrücklicher Wille der Mannschaft, für Marc zu spielen. Ich habe aber vollstes Verständnis, wenn der eine oder andere Spieler nicht die Kraft hat, zu spielen», sagte Schäfer. Einige Akteure ziehen es offensichtlich vor, nicht zu spielen. «Wir haben einen Freund und Teamgefährten verloren. Wie können wir da weiter spielen, als wäre nichts passiert?» meinte ein Spieler, der namentlich nicht genannt werden wollte. Auch Akteure von Endspiel-Gegner Frankreich hätten Verständnis. «Wo sollen sie die Kraft hernehmen?» fragte Mittelfeldspieler Ludovic Giuly.

Todesursache noch unklar

Foé war beim Halbfinalspiel des Afrikameisters gegen Kolumbien (1:0) in der 71. Minute zusammengebrochen und später gestorben. Die Todesursache stand am Freitagmittag noch nicht fest. «Es sah aus wie eine Herzattacke», sagte der Präsident des Weltverbandes FIFA, Josef Blatter, nach einem Gespräch mit FIFA-Arzt Alfred Müller. Der französische Teamarzt Jean-Michel Ferret vermutet, dass Foé an den Folgen eines Aneurysma, einer sackartigen Erweiterung einer Schlagader, starb. Für den dramatischen Fall habe es keine Warnsignale gegeben, erklärte Kameruns Teamarzt Olivier Assamba. Vier Tage vor dem Spiel habe sich Foé wegen einer Magen-Darm-Entzündung untersuchen lassen. «Ich denke aber nicht ernsthaft, dass es eine Verbindung zwischen dem Durchfall und dem Tod gibt», meinte Assamba.

FIFA-Präsident Blatter war Freitagvormittag von Paris ins Trainingslager der Kameruner nahe St. Etienne geeilt, um Foés Familie, den Mitspielern und dem Verband Kameruns sein Beileid auszusprechen. In einem sehr bewegenden Moment betete Blatter zusammen mit den weinenden Spielern. «Die FIFA und die gesamte Familie des Fußballs sind zutiefst bestürzt über diese unglaubliche Tragödie. Unser Sport hat einen bemerkenswerten Menschen und Spieler verloren», erklärte der Schweizer. Zu Winfried Schäfer sagte Blatter: «Danke, dass sie spielen.» Bei der FIFA besteht die Überlegung, den nächsten Confederations Cup nach dem Verstorbenen zu benennen.

Eine Stunde Reanimation

Foé, der erste Spieler, der während eines offiziellen Spiels in der FIFA-Geschichte auf dem Spielfeld starb, kam im Stade Gerland, der Spielstätte seines Ex-Clubs Olympique, unter dramatischen Umständen ums Leben. Bei rund 30 Grad Celsius war der 1,94 m große und 87 kg schwere Modellathlet ohne Einwirkung eines Gegenspielers bewusstlos zusammengebrochen. Der Kaiserslauterner Schiedsrichter Markus Merk unterbrach die Partie, Sanitäter leisteten sofort Erste Hilfe. An der Seitenlinie wurde mit der Reanimation begonnen. Fast eine Stunde kämpften die Mediziner um das Leben von Foé. Im Medizinischen Zentrum von Lyon konnte nur noch der Tod festgestellt werden.

"Ein Löwe ist tot"

Foé spielte für Manchester City, an den er von Olympique Lyon ausgeliehen war. Für Kamerun bestritt er 64 Länderspiele, spielte bei zwei Weltmeisterschaften (1994/2002), darunter bei der 0:2-Niederlage gegen Deutschland bei der WM 2002. Zwei Mal wurde er mit Kamerun Afrikameister, zwei Mal französischer Meister: 1998 mit Racing Lens und 2002 mit Lyon, wo er vor seinem Wechsel in die englische Premier League aktiv war. «Marc-Vivien Foé ist im Stadion von Lyon gestorben, in seiner Stadt, dort, wo er gerade zum dritten Mal Vater geworden war, dort, wo er immer noch ein Haus hatte und sein Bruder studierte», schrieb am Freitag das Fachblatt «L’Equipe». «Ein Löwe ist tot», hieß es in «Le Parisien».

Der Sport geriet zur Randnotiz: Nach Kamerun erreichte auch Frankreich durch ein 3:2 gegen den WM-Dritten Türkei das Finale der Mini-WM. Die FIFA hatte in Absprache mit den Teams entschieden, auch das zweite Halbfinale wie geplant anzupfeifen. Mit einer Schweigeminute gedachten die Profis ihres verstorbenen Kollegen.

DPA

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