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Vor Deutschland-Spiel: Fußball und Politik wieder im Gleichschritt: Wie die Merkel, so der Löw

Die Parallelen zwischen dem deutschen Fußball und der deutschen Politik sind immer wieder frappierend. Vor dem Nations-League-Spiel bei Weltmeister Frankreich ist das nicht anders. Hängt gar das Schicksal der GroKo an der Nationalelf?

Angela Merkel und Joachim Löw

Wie die Politik, so der Fußball: Angela Merkel und Joachim Löw - zwei Führungspersönlichkeiten auf Abruf

DPA

Wir übertreiben jetzt mal und stellen folgende Frage: Entscheidet sich im Nations-League-Spiel der deutschen Mannschaft bei Fußball-Weltmeister Frankreich das Schicksal der GroKo in Berlin? Das ist natürlich Unsinn, so direkt hat das selbstverständlich nichts miteinander zu tun. Aber eines ist dennoch kaum zu übersehen: In der langen Geschichte des historischen Gleichschritts zwischen der deutschen Nationalelf und der deutschen Politik wird gerade ein neues Kapitel geschrieben. Bei jeder Wahl droht der endgültige Absturz der Volksparteien ebenso wie bei jedem Spiel der Absturz des Weltmeisters von 2014 ansteht. Angela Merkel und Joachim Löw - zwei prominente Führungspersönlichkeiten auf Abruf.

Zwischendurch die Rückblende: 1954, Wirtschaftswunder und Wunder von Bern, neues Selbstwertgefühl und Re-Integration in die zivilen Nationen. Danach: Aufbruch durch die 68er, dazu passend die Leichtigkeit und Eleganz der goldenen Fußball-Generation: 1972 werden Beckenbauer, Müller, Netzer, Overath und Co. Europameister. 1973, echte Wirtschaftsdelle durch die Ölkrise, der WM-Titel 1974 wird prompt mehr erzwungen denn erspielt. Wenige Jahre danach: Stagnation der späten Bonner Republik gepaart mit Rumpelfußball, ehe 1990 der WM-Titel die unverhoffte Wiedervereinigung quasi vollendete. Anschließend doch keine blühenden Landschaften, wie von Kanzler Kohl versprochen und auch keine Unbesiegbarkeit, wie von Coach Beckenbauer verkündet. Geplanter und gelungener Neuanfang zum Sommermärchen 2006, das einen neuen, fröhlichen Nationalstolz auslöste. Die Nationalelf nimmt das Land mit: spielerischer Aufstieg, gelungene Integration, Weltmeistertitel 2014. Kanzlerin Merkel sonnt sich im Erfolg der Kicker und gleichzeitig im Erfolg der Bewältigung der Eurokrise.

Die Mannschaft und GroKo - beides marode

Und jetzt? Weiter geht's im Gleichschritt: Die Nationalelf ist vor dem Spiel am Abend in Paris in einem ähnlich maroden Zustand wie die Berliner Regierung. Beide haben den Neuanfang verpasst, auch durch die Beharrungskräfte ihrer Führung. Angela Merkel hätte 2017 den Weg für einen Nachfolger ebenso frei machen sollen wie Joachim Löw nach dem WM-Desaster 2018. Beide blieben, auch weil für beide aktuell kein Ersatz greifbar ist. Beide setzen ihr Ansehen und Lebenswerk aufs Spiel. Sie haben die Situation damit so verfahren, dass beide nun bei einem kurzfristigen Rücktritt Chaos hinterlassen würden.

Und da ist noch mehr: Weder Löw noch Merkel noch die großen Parteien haben es geschafft, frische Kräfte einzuwechseln. Nahles und Neuer statt Kühnert und ter Stegen. Abgesang auf den Ballbesitz-Fußball und Abgesang auf die "Politik von vor 30 Jahren". "So können wir nicht weitermachen" (Nationalspieler Julian Draxler nach dem 0:3 gegen die Niederlande) und "Ein 'Weiter so' kann es nicht geben" (SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil nach der Bundestagswahl). Fehlt eigentlich nur noch der gleichzeitige Verzicht.

Fußball und Politik - abgerechnet wird zum Schluss

Was bedeutet das alles für das Match gegen Frankreich? Wird es ein Spiel wie die Umfragen für die Hessen-Wahl in knapp zwei Wochen, dann wird es wohl ein Unentschieden. Wird es ein Spiel wie die Bayern-Wahl, dann wird "die Mannschaft", die keine mehr ist, vom Weltmeister abgeschossen. Und würde Löw danach zurücktreten, wäre das ein Zeichen für die Hessen-Wahl und die Folgen? Auch da sind sich Politik und Fußball ähnlich: Wie's ausgeht, weiß man erst zum Schluss.

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