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Posse aus Rheinland-Pfalz: Kurioses Ende eines Pokalspiels: Es geht ins Elfmeterschießen. Dann kommt das Ordnungsamt

2:2 stand es nach Verlängerung in der ersten Runde des Fußball-Kreispokals Rhein-Pfalz zwischen dem Pirates FC aus Frankenthal und dem SV Studersheim. Im Elfmeterschießen nahm das Duell eine kuriose Wende – die für ein Nachspiel sorgte.

Fußballszene

Das Fußball-Pokalspiel zwischen dem Pirates FC und dem SV Studersheim wurde im Elfmeterschießen von Amts wegen beendet (Symbolbild)

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Flutlicht. Lokalderby. Pokalspiel. Das sorgt nicht nur bei Spielern und Fans der Bundesliga für ganz besondere Momente, auch die unzähligen Amateurfußballer und ihre Anhänger in ganz Deutschland fiebern auf solche Duelle hin. So ging es auch den Spielern des Pirates FC aus Frankenthal in der Pfalz und vom benachbarten SV Studernheim.

Alles war am Dienstagabend angerichtet. Gut 30 Zuschauer haben sich an dem Grandplatz in einem Frankenthaler Wohngebiet eingefunden, geplanter Anpfiff war 19.30 Uhr, tatsächlich los ging es knapp eine Viertelstunde später. 90 Minuten Kampf, die Mannschaften schenkten sich nichts, am Ende stand es 1:1– Verlängerung. Der Pirates FC ging in Führung, kassierte allerdings kurz vor Abpfiff noch den Ausgleich: 2:2, Elfmeterschießen. Fünf Schützen pro Team mussten antreten, so sehen es die Regeln vor. Dann sollte feststehen, wer in die zweite Runde des Kreispokals Rhein-Pfalz einzieht. Nachdem aus jeder Mannschaft ein Spieler jeweils den ersten Elfmeter verwandelt hatte, betraten jedoch zwei neue Akteure den Platz – und sollten dem Abend einen ganz anderen Verlauf geben.

Fußballverband will Nachholspiel ansetzen

"Gegen 22.15 Uhr kam ein Dienstwagen vom Ordnungsamt Frankenthal an unserem Sportplatz vorgefahren, zwei Herren in Uniform stiegen aus", sagt Pirates-FC-Vorsitzender Georg Höß dem stern. "Es hätten sich Anwohner in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt und beschwert, daher würden die beiden Beamten das Spiel jetzt abbrechen." Gutes Zureden und der Verweis auf die wenigen verbleibenden Schützen hätten nichts geholfen. "Das sei ihnen egal, sagte einer der beiden. Auch wenn es nur noch ein Schütze wäre, würde dies nichts ändern." Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien auf den Platz gegangen und hätten dem Schiedsrichter die amtliche Kunde vom Spielabbruch überbracht – und auch der Unparteiische war gegen die Bürokratie machtlos. Er musste die Parte im laufenden Elfmeterschießen abbrechen.

Höß ist auch einen Tag nach dem Erstrundenspiel noch einigermaßen fassungslos: "Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich weiß auch nicht, ob es so etwas überhaupt schon einmal gegeben hat." Vor allem für die Spieler beider Teams sei der Abbruch ärgerlich: "Das war ein faires, ein spannendes und ein gutes Duell. Wenn jetzt das gesamte Spiel nachgeholt werden muss, ist es unfair, wenn eine der Mannschaften dann auf diesem Weg aus dem Pokal ausscheidet." Der Vereinsvorsitzende wünscht sich, dass nur das Elfmeterschießen nachgeholt werden könnte.

Doch daraus dürfte nichts werden. "Bei einem Spielabbruch sehen die Bestimmungen die Wiederholung der ganzen Partie vor", erklärt der Spielbetriebsleiter Franz-Josef Kolb vom Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) auf stern-Anfrage. Der SWFV werde auch auf das Frankenthaler Ordnungsamt zugehen und "mehr Fingerspitzengefühl" einfordern. Kolb selbst habe in 35 Jahren Arbeit für den SWFV noch nie einen vergleichbaren Fall erlebt.

Im Rathaus der 48.000-Einwohner-Stadt Frankenthal bei Mannheim gibt man sich indes unbeeindruckt. "Aufgrund der Nachtruhe war die Fortsetzung des Spiels keine Option", teilt eine Sprecherin der Stadtverwaltung mit. Es sei am Spieltag eine "Vielzahl von Beschwerden" eingegangen. "Die Nachtruhe gilt ab 22 Uhr und die Anwohner haben ein Anrecht auf Einschreiten der Behörde." Um 22.40 Uhr sei die Nachtruhe hergestellt gewesen.

Wann der Pirates FC und der SV Studersheim das Pokalspiel erneut bestreiten, steht noch nicht fest. "Für das Nachholspiel werden wir in jedem Fall eine frühere Anstoßzeit festsetzen, wir haben aus dem Abbruch gelernt", verspricht SWFV-Spielbetriebsleiter Franz-Josef Kolb.

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