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Gareth Bale zu Real Madrid: Der teuerste Irrsinn der (Fußball-)Welt

Der teuerste Transfer in der Geschichte des Fußballs rückt näher: Real Madrid wird für den Waliser Gareth Bale über 100 Millionen Euro an Tottenham überweisen. Die Geschichte des Deals.

Von Klaus Bellstedt

Nein, auch am Donnerstag konnte Gareth Bale, 24, nicht trainieren. Seine Kollegen von den Tottenham Hotspurs spulten ihr Pensum auf dem Clubgelände in Enfield ganz im Norden von London erneut ohne den Mann ab, über den gerade die ganze Fußballwelt redet. Mindestens. Bale pausiert, offiziell wegen muskulärer Probleme. So heißt es in einer Mitteilung der Spurs. Der Waliser wird auch den Wochenendtrip seines Vereins nach Südfrankreich nicht mitmachen. Samstagabend testet Tottenham in Monaco gegen den ortsansässigen AS. Bale wird wahrscheinlich so schnell nicht wieder das schneeweiße Trikot des Londoner Traditionsclubs tragen. Der Waliser steht vor einem Wechsel zu Real Madrid. Er will das unbedingt, die Königlichen sowieso. Und Tottenham im Grunde auch. Der Transfer, der nach übereinstimmenden englischen und spanischen Medienberichten wohl spätestens Anfang nächster Woche über die Bühne gehen soll, sprengt alle Dimensionen. Er ginge als teuerster Wechsel in die Geschichte ein.

Um sich der Dimension einmal bewusst zu werden, lohnt nochmal der Blick nach Monaco. Die Monegassen spielten in der vergangenen Saison noch in der zweiten französischen Liga. Nach dem diesjährigen Aufstieg verstärkte sich der Club, der im Dezember 2011 vom russischen Milliardär Dimitri Rybolowlew übernommen wurde, für knapp 150 Millionen Euro. Star-Transfer war der Kolumbianer Ramadel Falcao, er alleine kostete die Monegassen 60 Millionen Euro. Für Gareth Bale wird Real Madrid aller Voraussicht nach das Doppelte hinblättern. Vielleicht ein bisschen weniger. So oder so: Es ist ein Wahnsinn. Bale wird den bisherigen "Weltrekordhalter" übertreffen – und mit diesem wahrscheinlich schon in ein paar Tagen gemeinsame Sache machen können: Cristiano Ronaldo wechselte 2009 für 96 Millionen Euro von Manchester United zu Real Madrid.

100 Millionen plus Stürmerjuwel

Bei der Suche nach Antworten auf die Frage, warum ein Fußballverein so viel Geld für einen Spieler ausgibt, der zwar hochbegehrt ist, aber eben auch nicht auf einer Stufe mit Lionel Messi steht, muss man die Welt von Real Madrid verstehen. Die Verpflichtung von Gareth Bale ist für Florentino Pérez, den mächtigen Präsidenten der Madrilenen, praktisch ein Muss. Im ständigen Kampf mit dem Erzrivalen FC Barcelona und dessen spektakulärer Verpflichtung des Brasilianers Neymar muss Pérez auf dem Transfermarkt zurückschlagen. Bei der Präsentation des neuen Trainers Carlo Ancelotti vor ein paar Wochen hatten die Fans ihre Meinung bereits kundgetan: "Hol Bale", riefen sie dem Präsidenten im Santiago Bernabéu zu. Und der liefert jetzt. Ein Treffen zwischen Daniel Levy, dem Boss der Spurs, und Pérez steht in den nächsten Tagen an. Die Zeichen stehen auf Einigung.

Der "Guardian" verkündete am Donnerstag, dass Levy bereit wäre, Bale aus seinem Vertrag zu lassen, wenn die Madrilenen 100 Millionen Euro überweisen und zudem Stürmer Alvaro Morata nach Tottenham abgeben. Der 20-Jährige gilt im Bernabéu als eines der größten Talente. Bei der U21-Europameisterschaft sicherte er sich zuletzt den "Goldenen Schuh". Bei Real glaubt man, Morata könne Spaniens zukünftige Nummer 9 werden. Von so einem Akteur werden sich die "Königlichen" auch für Bale nur sehr schwer trennen können. Aber es muss dann wohl sein. Auch wenn Real statt Morata lieber Angel di Maria und Fabio Coentrao verrechnen und ins Flugzeug nach Heathrow setzen würde.

Gehalt: 9,8 Millionen Euro im Jahr

Der 100-Millionen-Euro-Mann selbst hat sich öffentlich übrigens noch nicht geäußert. Sein Kontrakt in London läuft noch bis 2016. Eine Ausstiegsklausel gibt es nicht, wohl aber ein Versprechen von Levy, dass Bale bei einem Angebot von Real wechseln dürfe. In London sind sie sicher: Bale wird kämpfen, um seinen Real-Traum zu verwirklichen.

Der Ausnahmekicker ist einer der größten Stars der Premier League. In seiner sechsten Saison bei den Spurs hatte der Profi zuletzt in 33 Partien 21 Tore erzielt. Bale räumte fast alle Auszeichnungen ab, die es zu gewinnen gab, und wurde gleich mehrfach zum Spieler der Saison gewählt. Es stimmt schon: Bale ist ein Champions-League-Spieler bei einem Europa-League-Teilnehmer. Für ihn persönlich wäre ein Wechsel deswegen auch der richtige Schritt. Nur die Transfersumme darf ihm nicht zu Kopf steigen. Und über sein zukünftiges Gehalt sollte er auch besser nicht allzu viel nachdenken. Angeblich soll Bale bei Real Madrid 9,8 Millionen Euro pro Saison verdienen. So viel wie Ronaldo. Oh, du irre Fußballwelt.

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