Geburtstag "Uns Uwe" wird 70


Deutschland gratuliert "Uns Uwe". Fußball-Idol Uwe Seeler, der auf der hanseatischen Bekanntheitsskala gleich hinter dem Hamburger Michel, Hans Albers und der Reeperbahn rangiert, feiert seinen 70.

Kein bisschen Wehmut, kein langer Blick zurück - Uwe Seeler genießt 34 Jahre nach dem Ende seiner außergewöhnlichen Fußballer-Karriere die Erinnerung an seine schönsten Tore mit Distanz. "Ich denke nicht so viel über früher nach, ich marschiere immer weiter nach vorn", sagt "Uns Uwe", das Idol einer ganzen Fußballer-Generation der 50er und 60er Jahre. Vor seinem 70. Geburtstag an diesem Sonntag bewältigt er mit Engelsgeduld einen Interview-Marathon und wird in zahlreichen Fernsehsendungen an seine spektakulären Fallrückzieher und Hinterkopftore erinnert. 530 Gäste haben bereits für das große Überraschungsfest zugesagt, das der Hamburger SV für seinen treuesten und wertvollsten Spieler der Vereinsgeschichte gibt.

Altmodisches Donnerwetter

Ein Macher wie Weggefährte Franz Beckenbauer wollte er nie werden, ein Mahner ist er allemal. "Ich bin gerne altmodisch", gesteht er. "Ich akzeptiere, dass der Fußball zum Geschäft, zur Erlebniswelt geworden ist. Aber was ich verurteile, sind Spieler wie Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz, die heucheln und von neuen Herausforderungen sprechen, anstatt klar zu sagen, dass es ums Geld geht." Das Innenverteidiger-Duo hat mit seinem unrühmlichen Abgang vom HSV den Streiter für Anstand und Ehrlichkeit empört. "Boulahrouz hat sich eines Tricks bedient und eine Verletzung vorgetäuscht. Und zwei Wochen vorher hat er die Raute geküsst."

Die Profis und ihre Berater seien das größte Problem im bezahlten Fußball. Mittelstürmer Seeler, der 1961 trotz eines Millionen- Angebotes von Inter Mailand den Hanseaten treu blieb, plädiert für ein härteres Durchgreifen der Vereine: "Man müsste so einen Spieler auch mal auf die Tribüne setzen, aber dazu muss man sehr flüssig sein wie Bayern München." Die Bayern sind für ihn das Vorbild in Sachen Führung eines Fußball-Clubs: "Sie haben Fußball-Sachverstand, davon könnte der HSV manchmal mehr gebrauchen." Er selbst will nicht noch einmal einen Posten bekleiden, auch nicht beratend. "Ich bin kein Funktionär, dafür sind mir zu viele andere Dinge wichtig. Freunde und Familie."

Er blickt mit gutem Gewissen zurück

Die bitteren Erfahrungen aus seiner Präsidentschaft von Oktober 1995 bis Juni 1998, als Finanzskandale und sportliche Misserfolge an seinem makellosen Image kratzten, haben ihn gegen jegliches Amt immun gemacht. "Im Nachhinein bereue ich es nicht, es war kein Fehler", sagt Seeler, der für diese Erkenntnis Jahre brauchte, so enttäuscht war er von Weggefährten, die ihn hintergangen hatten. Inzwischen ist er sogar stolz, dass er den Neubau des Stadions und des HSV-Internats auf den Weg gebracht hat. "Man könnte zweifeln, ob wir im alten Volkspark noch in der ersten Klasse spielen würden".

Vor Jahren strahlte Seeler noch eine gewisse Unruhe aus, war immer auf dem Sprung. Nun wirkt er gelassen und gewitzt. Er ist mit sich im Reinen und hat gelernt, gelegentlich auch Nein zu sagen. So sagte er sogar die eine oder andere Fernseh-Show vor seinem Ehrentag ab. "Ich kann nicht alles schaffen, ich brauche meine Pausen." Er gibt zu, beispielsweise nicht mehr so schnell Auto zu fahren wie früher ("die Reaktionen sind nicht mehr wie mit 20").

"Ob ich heute beim Fußball einen oder hundert Meter laufe, die Geschwindigkeit bleibt die gleiche", scherzt das einstige Synonym für Spritzigkeit und überraschende Aktionen vor dem Tor des Gegners. Seine Erfolgsbilanz: 1000 Tore für nur einen Verein, 72 Länderspiele mit 43 Treffern zwischen 1954 und 1970, vier Weltmeisterschafts- Teilnahmen, dreimalige Wahl zum "Fußballer des Jahres", deutscher Meister und Pokalsieger. Heute schwingt er nur noch den Golfschläger.

Familie als Rückzugsort

Zu Kopf gestiegen ist dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Sohn eines Hamburger Schutenführers keine Auszeichnung. Dafür hat auch Ilka gesorgt, eine ehemalige Handballerin im HSV, die Uwe vor 47 Jahren heiratete und noch heute verehrt. Wenn sich der "Dicke", wie sie ihn liebevoll nennt, mit Terminen für seinen langjährigen Arbeitgeber Adidas und seine Stiftung für unschuldig in Not geratene Menschen wieder zu viel zugemutet hat, ist sie sein Korrektiv.

"Meine Ilka sagt dann, schalte ab", erzählt Seeler, der seine Familie mit drei Töchtern und sieben Enkeln als "Insel der Ruhe" empfindet. Und vor dem großen Geburtstagsfest hat er auch seine Frau noch einmal überrascht: "Wir waren drei Wochen im Urlaub. Das hat sie vorher nicht geglaubt, dass ich es so lange aushalte", berichtet der Norddeutsche, der in seinem Ferienhaus in St. Peter-Ording die Ruhe vor dem Geburtstags-Sturm genoss.

Britta Körber/Christian Kamp/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker