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HSV in der Relegation: Fehlpass-Festival wird auch noch belohnt

Der HSV bewies gegen den KSC mal wieder, warum er das ideenloseste Bundesligateam ist. In der ersten Relegationspartie reichte es nur zu einem 1:1 und für Hoffnung auf Besserung besteht kein Anlass.

Von Alf Burchardt, Hamburg

Zarte 33 Jahre ist Dirk Orlishausen aus Thüringen alt, in der Heimat hat er lange Zeit das Tor für Rot-Weiß Erfurt gehütet in der dritten Liga. Auch als er 2011 zum Karlsruher SC wechselte, deutete vieles auf eine weitere Karriere abseits der grellen Scheinwerfer hin.

Jetzt aber stehen die Chancen gut, dass Orlishausen ab August, nachdem er eine weitere Kerze auf seine Geburtstagstorte gesteckt hat, doch noch durch die ganz großen Stadien des Landes touren darf. Nach einem 1:1 in Hamburg bei der Relegation um den letzten freien Platz in der Bundesliga muss er am Montag beim Rückspiel in Karlsruhe nur ohne Gegentor bleiben.

Kaum ein Ball in Richtung gegnerisches Tor in der ersten Halbzeit: Die Spieler des HSV schienen dem Torwart der Gäste den roten Teppich ausrollen zu wollen auf seinem Weg ins Rampenlicht. Sie selbst dagegen stehen jetzt unter Druck, mindestens ein Tor schießen zu müssen, um wenigstens die Chance auf eine Verlängerung zu haben. Für Hoffnung aber gibt es wenig Anlass, denn auch bei der ersten Zugabe zur Serie 2014/15 führten die Hamburger noch einmal eindrucksvoll vor, dass sie das Team mit den wenigsten Ideen stellten. Eine ganze Saison lang hatten sie gehofft, sich wenigstens auf Rang 15 mogeln zu können.

Verzweifelte Bälle nach vorn

Der Sieg gegen Schalke am vergangenen Wochenende, das die Saison bereits abgehakt hatte, steigerte die Zuversicht in der ganzen Stadt. Ob Psychologen oder Wahrsager: Egal, wen die Zeitungen befragten, alle waren vom Klassenerhalt überzeugt. Da durfte dann einen Tag vor der Partie gegen den KSC auch ein Blatt noch die Hochzeitspläne eines Rafael van der Vaart verkünden, der mit seinen Auftritten in Klatschspalten die Geduld der Fußballfans ohnehin schon strapaziert hatte.

Aber irgendjemand musste auch noch Fußball spielen, und das machte im Stadion am Volkspark lange Zeit nur der KSC. Gleich zu Beginn traf Rouwen Hennings, vor zehn Jahren noch Spieler in der zweiten Mannschaft des HSV, zur Führung. Anschließend hatten die Gäste keine Mühe, eine erneut planlose Heimmannschaft von ihrem Tor fern zu halten. Quer-, Rück- und Fehlpässe, dazu gelegentlich ein voller Verzweiflung lang nach vorn geschlagener Ball - das ist der Fußball, an den sich die Hamburger Zuschauer schon vor längerer Zeit gewöhnen mussten.

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Ilicevic sorgt für den Ausgleich

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten die Karlsruher Pech, als kurz nacheinander Manuel Torres und Dimitrij Nazarov nur die Latte trafen. Erst als die Gesänge der HSV-Fans, die den ununterbrochenen Verbleib in der Bundesliga beschwören, schon so ängstlich klangen wie das Pfeifen im dunklen Wald, schaffte der aussortierte Mittelfeldspieler Ivo Ilicevic doch noch den Ausgleich. Kurz vor Abpfiff musste Dirk Orlishausen sich noch einmal strecken bei einem Schuss von Marcelo Diaz. Das Spiel aber hatte gezeigt: Der Torhüter der Gäste wäre nicht der einzige Karlsruher, der auch eine Liga höher eine gute Figur abgeben würde.

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