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Vertrags-Angebot für Tuchel: Der Chaos-HSV schlägt wieder zu - und lernt es einfach nicht

Der Aufsichtsratsvorsitzende des HSV redet über große Investitionen. Dazu wird das Angebot an Thomas Tuchel publik. Der HSV macht mal wieder alles falsch. Eine kluge Methode würde jetzt helfen.

Ein Kommentar von Felix Haas

Thomas Tuchel und der HSV: Das könnte passen - doch die Hamburger machen mal wieder alles falsch

Thomas Tuchel und der HSV: Das könnte passen - doch die Hamburger machen mal wieder alles falsch

Es ist jetzt also wieder alles bekannt. Der Hamburger Sportverein will Thomas Tuchel verpflichten, und das natürlich nicht irgendwie. Sondern mit einem Rekord-Angebot. Tuchel soll 12,8 Millionen Euro in vier Jahren verdienen, so viel Geld bekam noch kein HSV-Trainer. Dazu darf der Coach - wenn er sich denn für ein Kommen entscheidet - im Sommer richtig auf den Putz hauen und 25 Millionen Euro in die Mannschaft investieren. Wenn eines jetzt schon klar ist, dann dieses: Der HSV und seine Verantwortlichen lernen es nicht, um nicht zu sagen: Sie machen schon wieder alles falsch.

Es ist schon ein Fehler, dass in der aktuellen sportlichen Situation überhaupt irgendein Vertragsangebot an die Öffentlichkeit gelangt - die Details stehen heute in der "Bild"-Zeitung. Und es ist erst recht ein Fehler, dass HSV-Aufsichtsratschef Karl Gernandt im NDR-Sportclub gleich mal die öffentliche Erklärung lieferte, wie das alles finanziert werden soll: "Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Investor, der nicht genannt werden will, sind bereit ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen - und das ohne Gegenleistungen dafür zu verlangen." Gernandt sagte auch: "Thomas Tuchel kostet viel Geld. Ob er teuer ist, muss man rausarbeiten. Wenn er es wert ist, ist er nicht teuer."

Sehnsucht nach Großem stärker als Vernunft

Es sagt viel aus über den Verein, sein Umfeld und sein Denken, wenn ein Aufsichtsratsvorsitzender vor den kommenden, entscheidenden Wochen (öffentlich!) den Blick auf Träumereien in der Zukunft legt. Die Sehnsucht nach dem Großen ist beim HSV stärker als die Vernunft. Der Verein möchte eine große Nummer in Deutschland sein. Leider besteht die Größe nur aus Futur-Konstruktionen im Konjunktiv und aus der Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

In der Gegenwart schwankt der Verein nämlich durch die Saison wie ein Mittfünfziger nach durchzechter Nacht über die Reeperbahn. Doch statt zu merken, dass es erstmal wichtig ist, sicher nach Hause zu kommen, wird öffentlich verkündet, wie die nächste Sause finanziert wird.

Tuchel könnte eine Ära prägen

Klar, Thomas Tuchel ist ein hervorragender Trainer. Und klar, Tuchel und der HSV, das könnte eine Erfolgskombination werden. Es lohnt sich daher, um ihn zu buhlen, ihn zu locken, ihm ein verführerisches Angebot zu machen. Doch in die Öffentlichkeit gehört das erst, wenn ein entscheidender Vertragsbestandteil - nämlich der Verbleib in der ersten Liga - geklärt ist. Der HSV hat ein mehr als schweres Restprogramm vor der Brust (Leverkusen, Wolfsburg in den nächsten Wochen) - man täte also gut daran, alles Reden, alles Spekulieren einzig den Fans und der Öffentlichkeit zu überlassen.

Aber in Hamburg sind sie schon wieder einen Schritt weiter. Alle reden davon, dass Tuchel eine Ära prägen könnte - wie Jürgen Klopp in Dortmund. Vielleicht sollten die Hamburger nochmal beim BVB nachfragen. Mit großem Tamtam und Millioneninvestitionen hatte der Erfolg in Dortmund nämlich überhaupt nichts zu tun. Als Klopp kam, hat erstens beim BVB niemand von ihm eine große Ära erwartet. Zweitens wurde er auch nicht mit einem Millionenbudget ausgestattet.

Das Beste: Einfach mal nichts sagen

Der HSV muss ruhig geführt werden und gezielt investieren. Andere Bundesligisten mit ähnlicher Tradition oder ähnlichem finanziellen Hintergrund haben das längst erkannt. Gladbach, Wolfsburg oder auch Hoffenheim machen es vor. Dort hat man nach jahrelangem Misserfolg und vielen großen Tönen eine kluge Methode entdeckt. In bestimmten Momenten ist es das Beste, einfach mal nichts zu sagen. Und nur zu arbeiten.

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