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Beleidigungen gegen Dietmar Hopp: Was passiert eigentlich, wenn Fußball-Spiele wegen Hass-Plakaten abgebrochen werden?

Die Vorfälle am Wochenende könnten - leider - nicht die letzten gewesen sein: Auch in Zukunft drohen Spielabbrüche in der Bundesliga, wenn die Proteste der Ultras gegen Dietmar Hopp weiterlaufen. Aber wie geht es nach einem Abbruch weiter? Eine kleine Regelkunde.

Die Profis der TSG Hoffenheim und des FC Bayern klatschen sich nach ihrem Nichtangriffspakt in den letzten 13 Spielminuten ab

Freundliches Miteinander: Die Profis der TSG Hoffenheim und des FC Bayern klatschen sich nach ihrem Nichtangriffspakt in den letzten 13 Spielminuten ab 

Getty Images

Das kuriose Ballgeschiebe von Hoffenheim und Bayern als Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung stellt auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor eine neue Herausforderung. Bisher kam es in mehreren Spielen zu den ersten beiden Stufen des sogenannten Drei-Stufen-Plans, die dritte Stufe wäre ein Spielabbruch. Wie würden solche Partien gewertet werden?

Der DFB beschreibt dazu in seinen Regeln sowie in der Rechts- und Verfahrensordnung mehrere Konstellationen.

Fall 1: Wiederholung am selben Ort

Fall 1: "Wird ein Bundesspiel ohne Verschulden beider Mannschaften vorzeitig abgebrochen, so ist es an demselben Ort zu wiederholen."

Beispiel: Im April 2008 wurde die Bundesliga-Partie zwischen Nürnberg und Wolfsburg wegen zu starken Regenschauers abgebrochen. Eine  Wiederholung erfolgte wenige Tage später ebenfalls in Nürnberg.

Fall 2: Die Zwei-Tore-Wertung

Fall 2: "Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2 Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0 Toren für gewonnen zu werten."

Beispiel: Dieser Fall ist jüngst im Nachwuchsfußball eingetreten, als eine B-Jugend von Hertha BSC geschlossen das Feld verließ, nachdem sie eine rassistische Beleidigung von einem ihrer Spieler beklagten. Das Spiel wurde gegen die Hauptstädter gewertet. 

Nach Hopp-Schmähungen: Fans wehren sich gegen Pauschalkritik

Gleiches hätte wohl auch dem FC Bayern gedroht, wenn die Hassplakate gegen Mäzen Dietmar Hopp am Samstag für einen Abbruch gesorgt hätten. Das DFB-Sportgericht hätte in diesem Fall das letzte Wort. Dass Bayern zu dem Zeitpunkt 6:0 in Führung lag, spielt deswegen keine Rolle, weil die Bayern-Fans sich das Fehlverhalten erlaubten. Markant: Laut der Rechtsordnung kann es demnach auch zwei Verlierer geben, wenn beide am Spielabbruch schuld sind. Dann wird das Spiel für beide Clubs als verloren gewertet.

Fall 3: Ergebnis wird gewertet

Fall 3: "Hat der Unschuldige zum Zeitpunkt des Abbruchs ein günstigeres Ergebnis erzielt, so wird dieses Ergebnis gewertet."

Beispiel: Dies wäre am Wochenende eingetreten, wenn beispielsweise  Verfehlungen von Hoffenheim-Fans zu einem Spielabbruch geführt hätten. Die Partie wäre dann nicht mit 2:0, sondern mit 6:0 für den FC Bayern gewertet worden.

In den Fußball-Regeln des DFB heißt es zum Thema Spielabbruch, dieser solle "nur erfolgen, nachdem alle zumutbaren Mittel, das Spiel fortzusetzen, erschöpft sind". 

Gemäß Drei-Stufen-Plan, der in Sinsheim am Samstag und bei Union Berlin gegen Wolfsburg am Sonntag bis zu Stufe zwei angewandt wurde, löst ein solches Szenario die Stufe drei aus.

tis / DPA

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