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Klub in der Krise Hertha-Geldgeber Windhorst: "Gibt viele Beispiele, bei denen es durch Investoren positive Entwicklungen gegeben hat"

Lars Windhorst sieht in der 50+1-Regel ein "hoch emotionales Thema"
Lars Windhorst sieht in der 50+1-Regel ein "hoch emotionales Thema"
© Christophe Gateau / DPA
Lars Windhorst polarisiert mit seinem Millionen-Investment bei Hertha BSC. Im Interview spricht der Unternehmer über die schwierige Lage der Berliner, den Begriff "Big City Club" und über die 50+1-Regel.

Im Sommer 2019 stieg Lars Windhorst überraschend als Millionen-Investor bei Hertha BSC ein. Seither ging es für den Berliner Fußball-Bundesligisten sportlich bergab. Das Verhältnis zwischen dem im Finanzgeschäft bekannten Geldgeber und der Club-Führung galt als kompliziert bis angespannt. Von seinen langfristigen Zielen will sich Windhorst aber nicht abbringen lassen.

Welche Fußball-Position passt am besten zum Menschen Lars Windhorst: Torwart, Abwehrchef, Mittelfeldstratege oder Torjäger?

Lars Windhorst: Ich würde sagen, ich bin eine Kombination aus Mittelfeld und Torjäger, definitiv Allrounder, der offensiv ausgerichtet ist.

Sie prägten den Begriff Big City Club. War das ein Fehler?

Fakt ist, dass der Begriff Big City Club beschreibt, dass Hertha der Fußballverein der größten Stadt Deutschlands ist. Berlin ist eine weltweite Marke, eine tolle Bühne und ein tolles Umfeld für einen Fußball-Club, um sich positiv und international zu entwickeln. Ist doch klar, dass der Einstieg eines Investors bei einem Verein wie Hertha einen Kulturwandel und eine Herausforderung bedeuten, die nicht reibungslos verlaufen. Das ändert nichts daran, dass ich weiter daran glaube, dass Berlin als große Stadt und Metropole Deutschlands und Europas mit Hertha BSC als Verein dieses Synonym rechtfertigt.

Kritiker sagen, das Engagement von Lars Windhorst bei Hertha hat sich schon bald wieder erledigt. Wie langfristig planen Sie wirklich?

Es ist sehr langfristig angelegt. Wir können uns durchaus vorstellen, hier zehn, zwanzig, dreißig Jahre engagiert zu bleiben. Es gibt auch Beispiele, wo andere Unternehmen sich langfristig im Fußball engagiert haben, Juventus Turin zum Beispiel mit der Familie Agnelli. Es würde mich freuen, wenn das möglich ist, das ist definitiv mein Wunsch. Niemand kann die Zukunft vorhersagen, ich auch nicht, aber es ist mein Anliegen, mich langfristig zu engagieren.

Hand auf's Herz. Wie oft haben Sie das Investment schon bereut?

Gar nicht, noch nie. Ich bin doch nicht mit der Erwartungshaltung eingestiegen, dass Hertha BSC zwölf Monate später einen Riesen-Börsengang hinlegt, Champions League spielt und ich mein Geld verdoppelt habe. Natürlich gab es gewisse Hürden, gewisse Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie ich es mir erhofft hatte. Im schlimmsten Fall haben wir jetzt ein paar Monate Zeit verloren, das heißt aber doch nicht, dass die langfristigen Ziele nicht zu erreichen sind.

Aufsichtsrat Jens Lehmann forderte mehr Dankbarkeit für Sie in den Gremien des Vereins. Hat er Recht?

Hertha BSC als traditionsreicher Verein hat in seiner Geschichte seine eigene Kultur entwickelt. Ich bin ja komplett neu von außen dazugekommen. Es ist doch klar, dass da zwei unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten aufeinanderstoßen. Das hat in vielen Bereichen etwas Eingewöhnungszeit in Anspruch genommen. Mir ist öfter von Finanzinvestoren oder selbst von Leuten in meiner Gruppe vorgehalten worden: Was ist denn das für ein Investment, kein Gewinn, kein Erfolg und nichts zu bestimmen? Die Ruckeleien zwischen Investor und Vereinsführung sehe ich als gegenseitiges Abtasten. Klar hätte man weiter sein können. Aber gemessen am Gesamtziel sind die paar Hürden doch überwindbar.

Mit Georg Kofler ist Ihr Aufsichtsrat-Quartett komplett. Carsten Schmidt ist neuer starker Mann in der Geschäftsführung. Wird es nach dem Aus von Manager Michael Preetz weitere Personalveränderungen in den Hertha-Gremien geben?

Das ist natürlich Sache der Vereinsführung. Aus eigener Erfahrung aber weiß ich, dass es immer Optimierungsbedarf gibt. Man darf nicht erwarten, dass mit einigen Personalentscheidungen schon der große Durchbruch kommt. Das ist jetzt ein wichtiger erster Schritt auf einem Weg, der für die Verantwortlichen noch viel Arbeit bedeutet.

Endet Ihr Engagement, wenn Hertha BSC in die 2. Liga absteigt?

Ich gehe fest davon aus, dass wir nicht absteigen werden. Deshalb denke ich gar nicht daran. Ich glaube fest an die Qualität der Mannschaft und an den Trainer, der es schafft, diese Qualität in eine geschlossene Einheit zusammenzuführen. Das werden wir in den nächsten Wochen schon sehen. Von daher stellt sich die Frage nicht.

Das klingt sehr optimistisch für die aktuelle Lage. Andere Clubs stiegen auch schon ab, obwohl niemand daran glauben wollte.

Fragen Sie mich, wenn es eingetreten sein sollte. Wird es aber nicht, warum sollte ich mich heute damit beschäftigen?

Ist die 50+1-Regel ein großes Ärgernis für Sie als Investor?

Das ist ein hoch emotionales Thema, das in Deutschland aktuell leider festgefahren ist. Dabei ist es nicht schwarz oder weiß. Klar, es gibt Beispiele, wo sich Investoren nicht hundertprozentig positiv für den Verein verhalten haben, sondern geschadet haben. Es gibt aber auch viele Beispiele, bei denen es durch die Investoren positive Entwicklungen gegeben hat, die den Vereinen genutzt haben. Ich würde mir wünschen, wenn mein Engagement bei Hertha, unsere Zusammenarbeit, langfristig einen positiven Einfluss auf diese Diskussion hätte.

Fans machen aber unverändert Front gegen eine Abschaffung der Regel.

Ich will doch als Investor bei Hertha keine Fans verprellen oder gegen mich aufbringen. Im Grunde haben wir doch alle das gemeinsame Ziel, den Verein nach vorn zu bringen und Spaß am Fußball zu haben. Und Wettbewerb im Fußball, zu dem auch die finanzielle Ausstattung gehört, ist doch nichts Negatives. Wettbewerb macht doch Spaß.

Viele haben Angst vor einer Alleinherrschaft des Geldgebers.

Im Ernst, der Investor ist doch nicht der Diktator, der alles von oben vorgibt. Es geht darum, Menschen mitzunehmen, zu motivieren für eine gemeinsame Sache zu kämpfen. Selbst wenn wir jetzt 100 Prozent hätten oder 50,1 Prozent Stimmrechte, kann ich als Finanzinvestor nicht einfach permanent reinregieren oder bestimmen.

Dortmunder Mats Hummels, Leverkusener Sven Bender und Wolfsburger Torfrau Almuth Schult

Sind für das Ziel Champions League weitere Investitionen als die bisher vereinbarten 374 Millionen Euro nötig?

Das kann man nicht vorhersagen. Schauen sie sich Frankfurt an. Die haben keine externen Mittel gehabt und erreichen wahrscheinlich trotzdem die Champions League oder Union, die haben noch weniger Mittel gehabt und sie waren in den letzten Wochen auf einem Europapokalplatz.

Sind neue Investitionen denn geplant?

Es ist nichts geplant. Wir werden Hertha BSC langfristig begleiten und werden alles, was in unserem Einflussbereich steht, dafür tun, dass dieses Projekt zum Erfolg führt. Wir haben uns definitiv nicht engagiert, um auf halber Strecke eine Niederlage einzustecken.

Wir nehmen Sie mit in den Online-Fan-Shop der Hertha und spendieren Ihnen ein Pal-Dardai-T-Shirt, einen Fan-Schal Spree-Athen oder die Kaffeetasse mit den Wappen aller Berliner Bezirke. Was würden Sie sich aussuchen?

Ich nehme die Kaffeetasse, weil ich an Berlin in seiner Vielfalt glaube, absolut.

tis / Arne Richter DPA

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