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Treffen in einem Berliner Club Es war ein Dinner auf Einladung der Bundes-CDU. Mit dabei waren Großspender Lars Windhorst – und Armin Laschet

Armin Laschet (l.) und Lars Windhorst
Da ging es um "Diversity United": Armin Laschet (l.) und Lars Windhorst bei der Eröffnung einer Ausstellung in Berlin Tempelhof am 8. Juni
© Bernd von Jutrczenka/ / Picture Alliance
Die jetzt bekannt gewordene Großspende des Finanzinvestors Lars Windhorst an die CDU hat möglicherweise eine Vorgeschichte. Im Sommer traf sich auf Einladung der Bundes-CDU eine illustre Runde von Unternehmern in einem Berliner Club – darunter Lars Windhorst und Kaufhauskönig René Benko, die hier auf Kanzlerkandidat Armin Laschet trafen.

Wer in der Hauptstadt nach einem Hauch des alten West-Berlins sucht, ist in der Pan Am Lounge an der richtigen Adresse. Die exklusive Location befindet sich in einem Penthouse in der Nähe des Kurfürstendamms, im Herzen der heutigen City-West. Nach ihrer Einweihung im Jahr 1966 diente die Lounge zunächst den Crews der US-Fluggesellschaft Pan American Airways, die bei ihren Zwischenstopps Erholung und Unterhaltung suchten. Später wurde sie zu einem Hotspot für gediegene Partys im Berliner Westen.

Bis heute trägt die Luxuslounge nicht nur das Logo der legendären, längst Pleite gegangenen US-Airline. Wer die Location besucht, wird laut der Firmenwebsite für "First Class Meetings and Events" von "herzlichen Stewardessen" in Empfang genommen. In der Lounge mixt das "Kabinenpersonal" einen "original Pan-Am-Cocktail", den die Gäste auch auf einer Terrasse mit Blick auf die Berliner Skyline oder auf einer Tanzfläche genießen können. Kleine Räume bieten Rückzugsmöglichkeiten für diskrete Gespräche. 

In diesem Ambiente traf sich Anfang Juli 2021 nach Recherchen des stern eine prominent besetzte Runde. Gekommen waren unter anderem der österreichische Immobilieninvestor und Kaufhauskönig René Benko, dessen Signa-Gruppe auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gehört, und der Finanzinvestor Lars Windhorst – als Teenager einst Vorzeigeunterunternehmer von Helmut Kohl, heute Jongleur mit Milliardensummen. Erschienen waren auch Verena Pausder, eine der prominentesten Gründerinnen in der Berliner Start-up-Szene sowie einige weitere Unternehmer und Manager.

René Benko
Immobilieninvestor und Kaufhauskönig René Benko
© Marcel Kusch/ / Picture Alliance

Auch Armin Laschet war bei dem Treffen in der Pan Am Lounge dabei

Zu dem Dinner im kleineren Kreis geladen hatte die Bundes-CDU, Ansprechpartnerin war laut Angaben von Teilnehmern eine enge Mitarbeiterin des Bundesschatzmeisters der Partei. Doch die Christdemokraten waren an diesem Abend noch hochkarätiger vertreten – mit einem Politiker, der gerade darum kämpft, Bundeskanzler zu werden: Armin Laschet. Der CDU-Chef hielt eine kurze Rede und umriss seine Vorstellungen für die künftige Bundesregierung. Später tauschten sich die Gäste im kleineren Kreis aus. Worum es bei dem Treffen genau ging und was die Hintergründe waren, ist nicht ganz klar. Die Parteizentrale der CDU ließ mehrere Anfragen zu dem Termin unbeantwortet.

Bekannt ist zumindest: Einige Wochen nach dem Treffen in der Pan Am Lounge floss eine Parteispende in Höhe von 250.000 Euro an die Bundes-CDU – und zwar von einer Firma, hinter der nach Recherchen des "Spiegel" Finanzinvestor Windhorst als wirtschaftlich Berechtigter steckt. Laut einer Meldung an die Bundestagsverwaltung ging die Spende am 17. September bei den Christdemokraten ein. Die Partei meldete sie dem Bundestag am 20. September – nach dem Parteiengesetz müssen Großspenden über 50.000 Euro "unverzüglich" dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden. Am gleichen Tag hatte das Hauptstadtbüro des stern Windhorsts Sprecher Fragen zu dem Dinner und möglichen Parteispenden übermittelt – die allerdings bislang unbeantwortet blieben. Zeitgleich zu der Spende an die CDU überwies die Windhorst-Firma auch 250.000 Euro an die FDP.

Lars Windhorst
Finanzinvestor Lars Windhorst
© Gregor Fischer/ / Picture Alliance

Im Fall von Windhorst, der nach seinem rasanten Aufstieg als Jungunternehmer mit einigen Investments Schiffbruch erlitten hat und zuletzt als Großinvestor des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Schlagzeilen machte, ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts unzulässiger Bankgeschäfte. Ausgangspunkt des Verfahrens war eine Strafanzeige der Finanzaufsicht Bafin. Windhorst wies sämtliche Vorwürfe im Juli per Twitter zurück: Man kooperiere bereits seit Mai mit allen Behörden und sei "verblüfft und enttäuscht", dass die Bafin dennoch Anzeige erstattet habe. Man sei sich sicher, dass es für die Anschuldigungen keinerlei Grundlage gebe. Öffentlich bekannt wurden die Ermittlungen durch einen Bericht der "Financial Times" am 5. Juli – einen Tag nach dem Treffen mit Laschet.

Auf Anfrage zu dem Termin reagierten weder die Bundes-CDU noch Windhorts Sprecher und Start-up-Gründerin Pausder. Laschets Staatskanzlei verwies auf die CDU-Parteizentrale, da es sich um einen Termin der Partei und nicht der NRW-Landesregierung gehandelt habe. Ein Vertreter von Benkos Signa-Gruppe erklärte, man stehe "regelmäßig im konstruktiven Dialog mit politischen Entscheidungsträgern – über sämtliche Parteigrenzen hinweg". Dabei gelte, "dass wir grundsätzlich nicht an politische Parteien spenden".

Zu dem Immobilien- und Handelskonzern Signa gehört auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Anfang des Jahres in der Coronakrise mit einem Staatskredit in Höhe von 460 Mio. Euro gestützt werden musste. Zuletzt verhandelte das Unternehmen mit dem Bund über weitere Hilfen. Laschet und Benko kennen sich schon länger, im Sommer 2020 etwa sprachen beide persönlich über den Erhalt von Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen in Nordrhein-Westfalen. In dieser Zeit standen bei Benkos Kaufhauskette wegen der Corona-Pandemie deutschlandweit Dutzende Standorte zur Disposition.


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